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Designierter FBI-Chef:Christopher Wray, Anwalt mit "tadellosen Referenzen"

Christopher Wray soll künftig an der Spitze des FBI stehen.

(Foto: AFP)
  • Christopher Wray, der künftige Chef des FBI, hat bislang als Anwalt in der Finanzkriminalität Karriere gemacht.
  • Während der Präsidentschaft von George W. Bush war er eine Schlüsselfigur im US-Justizministerium.
  • Seitdem verkörpert er eine Art von Loyalität, die Präsident Trump so gerne bei dessen Vorgänger Comey gesehen hätte.

Von Thorsten Denkler, New York

Von Loyalität scheint Christopher Wray etwas zu verstehen, und vielleicht ist das der Grund, warum US-Präsident Donald Trump diesen eher unbekannten Mann per Twitter für das Amt des FBI-Chefs nominierte. Der Yale-Absolvent sei ein Mann mit "tadellosen Referenzen", schrieb Trump am Dienstag. Ein solches Lob von Trump ist allerdings immer auch ein Grund, genauer hinzusehen.

Wray arbeitete eng mit seinem Amtsvorgänger Comey zusammen

Der heute 50-Jährige war von 2003 bis 2005 als Assistant Attorney General, eine Art Staatssekretär, ein hohes Tier im Justizministerium. 2004 stufte das Ministerium ein Überwachungsprogramm des Militärgeheimdienstes NSA als gesetzwidrig ein. Präsident George W. Bush, davon darf man ausgehen, muss außer sich gewesen sein. Im März 2004 schickte er seinen Berater Alberto Gonzales und seinen Stabschef Andrew Card an das Krankenbett des damaligen Justizministers John Ashcroft. Dieser lag zu dem Zeitpunkt wegen einer schweren Erkrankung auf der Intensivstation der George-Washington-Universitätsklinik. Bushs Auftrag: Card und Gonzales sollten Ashcroft davon überzeugen, das Überwachungsprogramm wieder einzusetzen.

Stellvertretender Justizminister war damals James Comey, der FBI-Chef hieß Robert Mueller. Christopher Wray arbeitete als Assistant Attorney General und Leiter der Verbrechensabteilung eng mit den beiden zusammen. Comey und Mueller bekamen Wind von dem ungewöhnlichen Krankenbesuch. Und entschieden sich für die ultimative Gegenwehr: Sie und ein paar andere drohten damit, geschlossen zurückzutreten, sollte Bush sich mit seinem Anliegen durchsetzen. Wray war dabei. Zu Comey soll er gesagt haben: "Ich weiß nicht genau, was vor sich geht, aber bevor ihr die Reißleine zieht, gebt mir Bescheid, dann mache ich mit."

Eine bemerkenswerte Kette personeller Auffälligkeiten

Wahrscheinlich ist das die Art von Loyalität, die Trump gerne von James Comey gesehen hätte, die dieser ihm aber verweigert hat. Vor vier Wochen hat Trump Comey gefeuert - und damit jenen Mann, der in der Affäre um eine mögliche Einflussnahme Moskaus auf die US-Wahl 2016 auch die Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam zu Russland untersucht.

Für George W. Bushs Nachfolger Barack Obama war die Krankenhaus-Geschichte damals ein wichtiger Grund, Comey zum Nachfolger von Robert Mueller als FBI-Chef zu machen. Und jetzt will Trump Wray zum Nachfolger des von ihm Anfang Mai gefeuerten Comey machen: eine bemerkenswerte Kette personeller Zufälligkeiten.

Wray hat das Justizministerium 2005 verlassen, er arbeitet als Anwalt der Kanzlei King & Spalding, zuständig für sogenannte Weiße-Kragen-Kriminalität, also alles, was mit faulen Finanzgeschäften zu tun hat. Solche Delikte gehörten schon zu seinem Aufgabenbereich im Justizministerium. Seitdem ist er vom Radar der meisten Beobachter in Washington verschwunden. Bekannt ist allerdings, dass er kürzlich den Gouverneur von New Jersey aus einem Skandal herausboxte; das könnte erklären, wie Trump auf ihn aufmerksam wurde. Der Republikaner Chris Christie ist ein enger Verbündeter Trumps.

Wrays Bestätigung im US-Senat dürfte nicht einfach werden

Die Nominierung beendet einen zähen Findungsprozess. Trump hatte eigentlich vor seiner großen Auslandsreise nach Saudi-Arabien und Europa einen Nachfolger für Comey präsentieren wollen, doch ihm waren reihenweise die Kandidaten abgesprungen. Es gab Dutzende Gespräche mit Kandidaten, aus denen dann doch nichts wurde.

Mit Wray soll sich Trump am 30. Mai getroffen haben. Er muss nun vom Senat bestätigt werden, was nicht ganz einfach werden dürfte. Trump steht mit dem Rausschmiss von Comey unter dem Verdacht, sein Amt missbraucht zu haben. Zudem steht der Verdacht im Raum, dass er Comey gebeten hat, die Ermittlungen gegen seinen früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn fallen zu lassen. Im Senat machte selbst unter Republikanern das Wort Amtsenthebung die Runde.

© SZ vom 08.06.2017/ees/cat

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