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Der Papst in Nahost:Der lange Schatten von Regensburg

Wann immer Papst Benedikt XVI. auf Muslime trifft - sein Verhältnis zum Islam wird von einem Zitat bestimmt, das bis heute sein Pontifikat belastet.

Stefan Kornelius

Auch wenn Papst Benedikt XVI. auf jeder seiner Stationen während der Nahostreise auf Anerkennung und Respektbezeugung gegenüber den großen Religionen in der Region achtet - der Islam steht wahrlich nicht im Mittelpunkt dieser Pilgerfahrt. Auch die politische Dimension des Nahost-Konflikts wird der Papst nicht durch seine Worte oder religiöse Symbolik beeinflussen wollen.

Seine Rede in Regensburg vor drei Jahren verfolgt Benedikt XVI. noch immer.

(Foto: Foto: dpa (Archiv))

Zwar stattet er den politischen Größen in Jordanien, in den Palästinensergebieten und in Jerusalem Besuche ab, außerdem wird er in einem Flüchtlingslager erwartet. Aber dies ist ausdrücklich kein Staatsbesuch, und das Oberhaupt der katholischen Kirche hat als Friedensstifter im Heiligen Land wenig Einfluss.

Gleichwohl reist, wo immer Benedikt auftaucht, die unmittelbare Vergangenheit mit. Dem Auftakt der Reise in Jordanien wohnt also auch ein Stück interreligiöser Dialog zwischen Christentum und Islam inne, etwa wenn der Papst mit muslimischen Religionsführern spricht und eine Moschee besucht.

Eine halbe Entschuldigung

Stets fällt, wenn der Papst Muslime trifft, die Chiffre Regensburg - als Merkvokabel für ein gewaltiges Thema, das seit dem 12. September 2006 über dem Pontifikat lastet. Während einer Vorlesung an seiner alten Universität in Regensburg zitierte der Papst den spätmittelalterlichen byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos mit einer Aussage über das Verhältnis des Islam zur Gewalt. Benedikt zitierte den Kaiser, nachdem er sich zuvor mit dem Verweis auf die "erstaunlich schroffe Form" von ihm abgesetzt hatte: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden, wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten."

Kaum ein Satz Benedikts wurde intensiver analysiert. Diese frühe Äußerung legte sich wie ein Schatten auf sein Amt. Der Papst, der anders als sein Vorgänger nicht als glühender Verfechter des interreligiösen Dialogs sein Amt angetreten hatte, fand sich plötzlich in eine Kontroverse verwickelt, die er nie beabsichtigt hatte.

Der Vatikan stellte klar, ordnete ein, beschwichtigte - und der Papst selbst war es, der sich zu einer halben Entschuldigung hinreißen ließ: Er bedauere es, wenn das Zitat falsch verstanden worden sei, so Benedikt XVI. Ein Jahr nach den in Dänemark veröffentlichten Mohammed-Karikaturen, mitten im Irak-Krieg und in der vor allem in den USA ideologisch erhitzt geführten Auseinandersetzung über die Werte des Westens und der muslimischen Welt, hatte der Papst den Eindruck erweckt, er könne der These vom Kampf der Kulturen durchaus etwas abgewinnen.

Interreligiöse Debatte mit Niveau

Die auf Regensburg folgende Debatte ließ es an Niveau nicht missen, islamische Religionsgelehrte antworteten dem Papst in einem Brief, der eigentlich an die gewaltbereiten Muslime adressiert war und die Friedfertigkeit ihrer Religion pries. Und der Vatikan selbst inszenierte eine Reihe interreligiöser Dialogforen, die auf allen Ebenen der Kirche stattfanden und bis heute zum Verständnis der Religionen beitragen sollen.

Besänftigt wurden die Gemüter dann durch eine neue Geste Benedikts: Im November 2006 besuchte der Papst während einer Türkei-Reise die geschichtsbeladene Hagia Sophia, einst christliches Gotteshaus, dann Moschee, heute Museum. Ins Gebet aber vertiefte er sich in der gegenüberliegenden Blauen Moschee.

© SZ vom 08.05.2009

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