Denkmal für Sarajewo-Attentäter Österreichs Kaiser-Enkel hinterfragt EU-Tauglichkeit Serbiens

Attentat auf Franz Ferdinand im Sommer 1914 in Sarajewo: Serbien will dem Mörder des österreichischen Thronfolgers ein Denkmal setzen

100 Jahre nach dem Mord an Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand will Serbien den Attentäter mit Denkmälern ehren - und gleichzeitig in die Europäische Union. Österreichische Beobachter blicken aufmerksam nach Belgrad.

Von Oliver Das Gupta und Florian Hassel, Belgrad

Zu den schönsten Orten Belgrads zählt der Kalemegdan-Park. Touristen können dort Festungsanlagen aus osmanischer Zeit besuchen oder den Ausblick auf den Zusammenfluss von Donau und Save genießen. Bald soll der Park eine weitere Attraktion bieten: ein neues Denkmal für einen angeblichen Helden. Für Gavrilo Princip, der vor 100 Jahren in Sarajewo den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand ermordete. Das Attentat am 28. Juni 1914 löste den Ersten Weltkrieg aus.

Beschlossen hat den Bau Serbiens starker Mann, Vizepremier Aleksandar Vučić. Ein identisches Denkmal soll zudem in Ost-Sarajewo aufgestellt werden. Es ist eine zutiefst symbolische Entscheidung. Eine Entscheidung, die zeigt, dass Serbien zwar politisch in die Europäische Union strebt, aber nicht begriffen hat, dass Europa nicht nur Fördertöpfe für den Straßenbau bedeutet, sondern zum Beispiel auch einen aufgeklärten Umgang mit der Geschichte.

Heimische Medien verkündeten die Nachricht von den Denkmälern just, nachdem in Brüssel Serbiens Verhandlungen über einen EU-Beitritt feierlich begonnen hatten. Dabei war die Annäherung auch von Österreich, dem alten Rivalen Serbiens um die Vorherrschaft auf dem Balkan, begrüßt worden. Der neue österreichische Außenminister Sebastian Kurz gratulierte Belgrad und sprach davon, dass der Schritt "hochverdient" sei.

Österreichs Botschaft zwischen den Zeilen

Ob das Lob des jungen Ministers auch erfolgt wäre, wenn die Pläne für die Monumente schon vorher publik geworden wären? Möglicherweise ja. So wie Kurz wenige Wochen zuvor eine öffentliche Schmähung durch einen serbischen Politiker unkommentiert ließ, zeigt er sich auch bislang wortkarg, was die Ehrung für den Mörder des Erzherzogs betrifft.

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In seinem Ministerium blickt man aufmerksam nach Serbien, will aber die Situation nicht verschärfen. "Die Errichtung eines nationalen Denkmals und die Interpretation seiner Symbolik steht jedem Staat frei", erklärt das österreichische Außenamt auf Anfrage von SZ.de. Zwischen den Zeilen gibt es allerdings eine Botschaft an Belgrad: Gerade das Gedenkjahr 2014 solle zu einer "gemeinsamen europäischen Betrachtung" der Umbrüche des vorigen Jahrhunderts beitragen - und zu einer "Betonung der gemeinsamen Perspektiven der europäischen Einigung". Die unausgesprochene Frage, die daran anschließt lautet: Passt das Geschichtsbild der Serben zu dieser gemeinsamen Perspektive?