Hamburg Polizei nimmt 30 Neonazis in Gewahrsam

Bahnverkehr am Hamburger Bahnhof eingestellt.

(Foto: dpa)
  • Bei Auseinandersetzungen am Hamburger Hauptbahnhof hat die Polizei am Samstag eine Gruppe von 34 Neonazis in Gewahrsam genommen.
  • Zuvor war nach Ausschreitungen linker Gegendemonstranten der Zugverkehr zeitweise eingestellt worden.
  • Das Bundesverfassungsgericht hatte am Freitag das Verbot einer Neonazi-Demo in Hamburg bestätigt. Teilnehmer und Gegendemonstranten versuchten daraufhin nach Bremen auszuweichen.
Von Thomas Hahn, Hamburg/Bremen

Gegen zehn Uhr begann die erste Demonstration in Hamburg, am Hachmannplatz vor dem Hauptbahnhof. Das "Bündnis gegen Rechts" hatte zu einem Protestmarsch durch die Innenstadt aufgerufen, und zwar mit der ausdrücklichen Absicht, genau dort ein Zeichen gegen Faschismus und Fremdenhass zu setzen, wo die Neonazis aufmarschieren wollten. Diese hatten für Samstag einen "Tag der Patrioten" geplant, dessen polizeiliches Verbot jedoch in der Nacht vom Bundesverfassungsgericht bestätigt wurde. Zu groß sei die Gefahr von gewalttätigen Ausschreitungen.

Während der Kundgebung vom "Bündnis gegen Rechts" kam bald die Durchsage, dass die Neonazis ihren "Tag der Patrioten" nach Bremen verlegt hätten - mit dem Hinweis, dass der nächste Zug nach Bremen um 10.46 Uhr gehe. Vom Demonstrationsverbot durch die Polizei auch dort war nicht die Rede. Prompt bewegten sich Hunderte von Anti-Faschisten ins Bahnhofsgebäude Richtung Gleis 14, wo der IC nach Stuttgart mit Halt in Bremen wartete. "Auf nach Bremen!", rief einer aus der Menge. Schnell war der Zug hoffnungslos überfüllt. Ein Teil der Demonstranten drängte zurück und auf Gleis 13 zum Regionalzug, der um 11.15 Uhr nach Bremen fahren sollte.

Auf Gleis 13 wurde es ernst. Weiter vorne am Bahnsteig waren offensichtlich Nazis auf Antifaschisten getroffen, plötzlich lag eine bedrohliche Energie in der Luft. Vermummte Demonstranten rannten über den Bahnsteig, warfen Gegenstände und Böller, sie skandierten: "Antifaschista!" Ein Mann krümmte sich am Boden unter Schlägen und Tritten.

Unbeteiligte Fahrgäste, die einfach nur zum Zugfahren gekommen waren, zogen sich verängstigt in die Mitte des Bahnsteigs zurück. Sofort waren Polizisten mit Helmen und kugelsicheren Westen da und beruhigten die Situation. Es waren nur wenige Augenblicke der Gewalt, aber sie reichten schon, um zu zeigen, wie leicht die Stimmung kippen konnte an diesem norddeutschen Tag der Kundgebungen.

Wasserwerfer in Bremen aufgefahren

Es kam zu Verspätungen wegen des Einsatzes, aber bald verließ der Regionalzug nach Bremen Hamburg. Er war nicht überfüllt. "Bitte beachten Sie unser Alkoholkonsum-Verbot", sagte der Schaffner mit freundlicher, fast beschwingter Stimme durch. Es begann eine kleine Geduldsprobe für die Fahrgäste.

Am Bahnhof von Buchholz marschierten Bundespolizisten auf, die Fahrt verzögerte sich. Als der Zug endlich doch weiterfuhr, klatschte jemand Beifall. Ein vernehmliches Aufatmen ging durch die Reihen. Und eine Dame erfuhr am Telefon, dass in Bremen der Marktplatz abgesperrt sei und Wasserwerfer aufgefahren seien.

Bahnverkehr in Hamburg zeitweise eingestellt

Am Hamburger Hauptbahnhof wurde kurze Zeit später der gesamte Fern- und S-Bahnverkehr eingestellt. Naach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei standen sich dort mehrere hundert Demonstranten und Polizisten am Bahnhof gegenüber. Die Polizei erklärte, dass einige Linksautonome mit Steinen geworfen hätten, weil sie nicht mehr in einen überfüllten Zug nach Bremen gekommen seien. Zudem habe es falsche Gerüchte gegeben, dass ein Zug mit Rechtsextremen den Bahnhof erreiche.

Nach einer mehrstündigen Sperrung wurde der Betrieb schließlich gegen 13.30 Uhr teilweise wieder aufgenommen. Alle Züge mit Ausnahme in Richtung Berlin und Lübeck würden wieder fahren, hieß es in einer Durchsage. Es kam aber laut Anzeigetafel weiter zu Verspätungen.

Auch 34 Neonazis wurden am Hamburger Bahnhof in Gewahrsam genommen. Sie hätten im Bahnhof versucht, linke Demonstranten zu provozieren, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Da vor dem Bahnhof Hunderte linke Demonstranten protestierten, habe die Polizei die Neonazis mit einer S-Bahn herausgefahren und in eine Gefangenensammelstelle gebracht.