Demonstrationen in Russland:Mit Gewalt gegen den Volksaufstand

Proteste auf den Straßen, Parolen gegen die Regierung: Es ist nicht das erste Mal, dass Wladimir Putin einen Volksaufstand erlebt. Im Jahr 1989 saß er als kleiner KGB-Bürokrat in Dresden, als die DDR unter den Protesten ihrer Bürger ins Wanken geriet. Nun versucht er zu verhindern, dass sich die Geschichte in Russland wiederholt.

Julian Hans

Eigentlich war es ein Überfall mit Ansage und dennoch schauen die Menschen schockiert auf die Razzien bei den führenden Köpfen der russischen Opposition. Gleich nach seiner Amtseinführung als russischer Präsident vor fünf Wochen hatte Wladimir Putin angekündigt, ab sofort werde man entschlossener gegen die Proteste vorgehen.

Umgesetzt hatte das die Polizei bereits am Vortag der Zeremonie, als nach einer Massenkundgebung mehr als 650 Teilnehmer vorübergehend festgenommen wurden. Nachdem im Winter Zehntausende im ganzen Land wiederholt friedlich demonstriert hatten, kam es erstmals zu blutigen Zusammenstößen.

Im Schnelldurchlauf wurde dann ein neues Demonstrationsgesetz verabschiedet, das eigentlich ein Demonstrationsverhinderungsgesetz ist, weil jeder, der zu Protesten aufruft oder daran teilnimmt, damit rechnen muss, durch die drakonischen Strafen in den Ruin getrieben zu werden. Es reicht, ein paar Provokateure unter die Massen zu mischen, die ein paar Fensterscheiben zerstören oder Steine werfen - schon haften die Organisatoren mit.

Es ist nicht das erste Mal, dass Putin einen Volksaufstand erlebt. Im Jahr 1989 saß er als kleiner KGB-Bürokrat in Dresden, als die DDR unter den Protesten ihrer Bürger ins Wanken geriet. Immer mehr kamen zu den Montagsdemonstrationen, und irgendwann stürmten wütende Menschen die Stasi-Zentrale. Der Staat, dem Putin damals mit voller Überzeugung diente, tat - nichts.

Seinen Biografen hat der Präsident später erzählt, wie bitter er sich damals im Stich gelassen fühlte. Bevor er diese Erfahrung noch einmal machen muss, wählt er nun wohl lieber den Weg der Gewalt.

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