Demonstrationen in Athen Tausende Griechen protestieren vor Merkel-Besuch

"Nehmt das Sparprogramm und haut hier ab!" In Athen sind am Abend Tausende Griechen gegen den Besuch von Bundeskanzlerin Merkel auf die Straße gegangen - dabei ist sie noch nicht mal eingetroffen. Für Dienstag sind zwar weitere Proteste geplant, in weiten Teilen der Innenstadt von Athen sind öffentliche Versammlungen nach einem Polizeiverbot jedoch untersagt.

Angela Merkel kommt zu Besuch - und die Griechen reagieren mit Zorn. Tausende haben am Montagabend in Athen gegen den Sparkurs und den Besuch der Bundeskanzlerin protestiert.

Einzelne Demonstranten trugen Plakate mit beleidigenden und diffamierenden Aufschriften: "Raus aus unserem Land, du Schlampe", hieß es auf einem Plakat. "Tochter Hitlers, raus aus Griechenland und kein Viertes Reich", stand auf einem anderen.

Linke Demonstranten trugen ein großes Transparent mit der deutschen Fahne und einem abgeänderten Vers von Bertolt Brecht: "Angela weine nicht. Da ist nichts im Schrank, was zu holen wäre."

"Mit unserer Präsenz wollen wir unsere Politiker dazu bringen, endlich Nein zum endlosen Sparen zu sagen", sagte eine Demonstrantin. "Die Kapitalisten sollen zahlen", skandierten andere Demonstranten. Und in Richtung der Abgeordneten: "Nehmt das Sparprogramm und haut hier ab!"

Für den Merkel-Besuch hat die griechische Regierung große Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Rund 7000 Polizisten werden eingesetzt, um das Zentrum der Hauptstadt abzuriegeln.

Für Dienstagmittag sind weitere Proteste geplant - genau zu der Zeit, wenn sich Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras und Merkel treffen wollen. Die beiden größten Gewerkschaften des Landes haben für Dienstag eine Großdemonstration im Zentrum Athens angekündigt.

Nach einem Polizeiverbot sind öffentliche Versammlungen in weiten Teilen der Innenstadt von Athen ab Dienstagmorgen jedoch untersagt. Das Verbot gilt auch für einen Radius von 100 Metern um die Strecke von Merkels Fahrzeugkolonne. Zwei Proteste, zu denen die griechischen Gewerkschaften und Oppositionsparteien aufgerufen haben, sind nach Angaben eines Polizeisprechers von dem Verbot nicht betroffen. Allerdings seien Demonstrationen vor der deutschen Botschaft in Athen untersagt.

Dort war für Dienstagabend eine Protestaktion einer rechtsgerichteten Partei geplant. Die griechische Gewerkschaft GSEE kritisierte das Polizeiverbot als "beispiellos" und "undemokratisch". Weite Teile der Innenstadt Athens seien zur "verbotenen Stadt" erklärt worden.

Die Polizei stellte auch Einheiten zum Schutz der deutschen Botschaft und anderer deutscher Einrichtungen bereit, wie die griechische Presse berichtete. Verdächtige sollten vorübergehend in Gewahrsam genommen werden.