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Demonstrationen:Explosion, jetzt

Protestgewalt eskaliert weltweit. Die Verrohung hat Gründe.

Von Stefan Kornelius

Gründe für Demonstrationen gibt es viele, weshalb die in aller Welt aufflammenden Proteste nicht über einen Kamm zu scheren sind. Ob Bolivien, Chile, Libanon, Iran, Hongkong oder Paris: Die Auslöser sind unterschiedlich, haben ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Ziel. In der Regel vermischen sich soziale und ökonomische Gründe mit der berechtigten Klage über eine schlechte oder gar korrupte Regierungsführung. Autokratie und der Mangel an demokratischer Teilhabe liefern den Unterdrückten noch immer den besten Grund für einen Aufstand.

Allen Massenprotesten ist neuerdings aber auch gemein, dass sie blitzartig eskalieren und oft in exzessive Gewalt umschlagen. Es sind erschreckende Bilder aus Hongkong, aber auch Paris, wo die Gelbwesten offenbar der Meinung sind, dass brennende Autos ihrem Anliegen einen besonderen Wert verleihen.

Warum die Gewaltschwelle gesunken ist? Sicher ist, dass natürliche Hemmungen gefallen sind, dass Demonstranten wie Polizisten die in Netz und Unterhaltungsindustrie vorgelebte Verrohung zum Maß ihres Normallebens nehmen, und dass sie möglicherweise glauben, dass sie nur so Aufmerksamkeit erhalten. Sie liegen falsch. Wer Autos anzündet, Benzinbomben wirft, Pfeile abschießt und mit Motorrädern in Menschen fährt, hat niemals recht.

© SZ vom 18.11.2019
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