Demokraten-Parteitag Clintons Unpopularität ist weiterhin enorm

Zugegeben: Wir sind gerade in einer Art Zwischenstadium, da sich erst in der kommenden Woche zeigen wird, wie stark die Parteitagsinszenierung und der Ritterschlag von Barack Obama das Urteil über Hillary Clinton ändern können. Etwa 24 Millionen Leute sitzen vor den TV-Geräten, Ausschnitte überfluten Facebook und Twitter - wenn es jetzt keine Wende zum Besseren gibt, dann passiert es wohl nie.

Und Clinton startet von einem quasi ungekannt niedrigen Niveau, wie diese vier Zahlen vom Wochenbeginn illustrieren:

68 Prozent halten sie für unehrlich. So schlecht wurde die Ex-Außenministerin niemals bewertet (im Mai waren es 59 Prozent) und damit liegt Clinton deutlich hinter Trump - den ständig lügenden Milliardär halten 43 Prozent für ehrlich. Die Werte dürften sich ändern nach dem Parteitag, aber sie belegen eines klar: Die Dämonisierung der Republikaner ("Sperrt sie ein") wirkt zumindest kurzfristig und wird weiter gehen.

Sie war nie unbeliebter. Das Umfrageinstitut Gallup misst seit 24 Jahren die Popularität von Hillary Clinton, und mit 38 Prozent Zustimmung war sie nie unbeliebter als im Juli 2016. Wenn es nach dem Parteitag also Meldungen gibt, wonach sie an Beliebtheit zulegt, dann heißt das wohl von "schlecht" auf "ziemlich mies".

Nur 38 Prozent wären stolz auf eine Präsidentin Clinton. Es ist ein wahrhaft historischer Moment, dass die Demokraten als erste große Partei in 240 Jahren US-Geschichte eine Frau nominiert haben. Doch Hillary Clinton ist so polarisierend (nur sieben Prozent der Republikaner mögen sie ), dass dieser Schritt in der Bevölkerung eher beiläufig wahrgenommen wird. Die Frage, ob sie stolz auf eine "Präsidentin Clinton" wären, bejahen nur 38 Prozent. Diese Tatsache stand in Philadelphia im Mittelpunkt - aber vielleicht betonen die Demokraten den Fakt zu sehr.

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Clinton verkörpert den Status Quo. In seiner Parteitagsrede betonte Ehemann Bill, dass seine Frau ständig daran arbeite, die Dinge im Alltag der Amerikaner zu verbessern - den "Change Maker"-Begriff verwendete er auch schon im Vorwahlkampf. Wie eine aktuelle Pew-Erhebung zeigt, denken die US-Amerikaner anders. 53 Prozent denken, dass sich unter Clinton in Washington nichts ändern werde. Wer von der ersten Präsidentin Wandel erwartet, ist eher pessimistisch: 25 Prozent denken, dass sie die Dinge verschlimmern werde - und nur ein Fünftel rechnet mit einer positiven Veränderung.

Noch einmal: Die Zahlen werden sich nach Ende der demokratischen Convention ändern, aber sie sind doch mehr als eine Momentaufnahme. Sie dokumentieren die - für Europäer oft verständliche - Verachtung und Abneigung der US-Wähler gegenüber Hillary Clinton. Die meisten Modelle (gute Übersicht bei The Upshot) sehen die Ex-Außenministerin im Vorteil, aber in den mehr als 100 Tagen bis zur Wahl kann quasi alles passieren.

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