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Demo gegen G-7-Gipfel:Gewaltausbruch am Ortsausgang

G7-Gipfel 2015 - Demonstration

Wenn die friedliche Stimmung ins Aggressive kippt: Demonstranten und Polizisten geraten in Garmisch-Partenkirchen aneinander.

(Foto: dpa)

Die Anti-G-7-Demo am Samstag ist bunt und friedlich. Nur am Ortsausgang von Garmisch-Partenkirchen schlägt die Stimmung kurz um: Die Polizei setzt Pfefferspray gegen anrennende Demonstranten ein. Wirkt sich das auf die heutigen Proteste aus?

Es ist der Wendepunkt. Die Demonstration der Gipfel-Gegner ist am Ortsrand von Garmisch-Partenkirchen an der Bundesstraße 2 angekommen, der Straße nach Elmau. Hier soll eine Zwischenkundgebung stattfinden, bevor es wieder zurück geht in die Stadt.

Auf einem Wagen wird das Theaterstück "Alternativer Gipfel" aufgeführt. Doch plötzlich drängen Demonstranten nach vorne. Ein paar sind vermummt, sie halten Styroporplatten als Schutzschild vor sich, im Hintergrund werden Nebelgranaten gezündet.

Die Demonstranten bewegen sich auf die Polizeikette zu. Schieben, drücken. Und die Polizisten reagieren sofort, setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Es sind die ersten größeren Scharmützel; mindestens vier Menschen werden verletzt, darunter ein Polizist.

Es ist der Wendepunkt der Demonstration. Ist es auch der Wendepunkt für die Proteste gegen das G-7-Treffen, das morgen nur wenige Kilometer von hier auf Schloss Elmau beginnt? Ist das der Punkt, an dem der bis dahin friedliche Protest beginnt in Gewalt umzuschlagen? Kippt die Stimmung?

Die Demonstration wurde nach Angaben der Demonstranten ungefähr 200 Meter vor dem Wendepunkt auf der B2 aufgehalten. Dort wollten die Gipfel-Gegner die wichtige Bundesstraße zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald blockieren. Das war ihr Plan.

Nach Angaben von Teilnehmern hätten sich einige Demonstranten bereits auf den Boden gesetzt, Zeltplanen ausgebreitet. Die Polizei hat das nicht zugelassen. Sie hatte schon im Vorfeld angekündigt, bei Blockaden sofort einzugreifen.

Nur wenige Minuten vorher: Eine Polizistin geht auf Demonstranten zu, die ein großes Banner halten, darauf steht "Smash Capitalism". Die Beamtin trägt keine Schutzausrüstung, hat dafür Pappbecher in den Händen und lächelt freundlich. Als sie den G-7-Gegnern die Becher zum Wasserschöpfen reichen will, bleibt denen kurz der Mund offen stehen. Fassungslosigkeit. "Was soll denn das jetzt?", brüllt einer. Die Polizistin bleibt auf Sicherheitsabstand.

In München war die Demonstration durch und durch bürgerlich

3600 Menschen protestieren am Samstag in Garmisch-Partenkirchen. Nach Polizeiangaben. Das Aktionsbündnis "Stop G 7 Elmau" spricht von 7500.

Wasser von der Polizei nimmt kaum ein Demonstrant an. Das war am Donnerstag in München noch anders. Da kamen zehn Mal so viele Menschen zum friedlichen Protest zusammen. Überwiegend friedlich blieb es bislang auch in Garmisch. Und doch ist das hier eine ganz andere Art von Protest.

In München war die Demonstration durch und durch bürgerlich. Zwar sind auch nach Garmisch-Partenkirchen Aktivisten gekommen, die nicht einem extremen Lager zuzuordnen sind. Menschen, denen es um Klimaschutz, TTIP und Flüchtlingsrechte geht. Doch ein großer Teil der Zeltenden gehört anarchistischen, radikal-linken Gruppen an.

Weit mehr als 1000 G-7-Gegner haben in dem Protestcamp auf einer Wiese an der Loisach ihre Zelte aufgeschlagen. Immer wieder wurde in den vergangenen Wochen vor gewaltbereiten Demonstranten gewarnt, die in dem Camp Straftaten vorbereiten könnten. Vor allem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann von der CSU hat sich dabei hervorgetan.

Bei den Kampierenden sind an diesem Morgen keine gewaltbereiten Menschen auszumachen. Dort beginnt der Samstag ruhig, von Nervosität ist nichts zu spüren. Viele machen ihre Morgentoilette bei einem Bad in der kalten Loisach. Um 10 Uhr ist dann Plenum auf einem freien Stück Wiese. Da geht es darum, wie man sich richtig verhält bei der Demo, auch auf den Evakuierungsplan wird hingewiesen. Der gilt für den Fall, dass es ein heftiges Gewitter gibt, so wie es am Abend nach der Demonstration tatsächlich über den Ort hereinbricht.

Am Ende des Plenums nimmt sich einer, der sich als Alex vorstellt, das Megaphon. Er hat eine Frage: "Wir wollen morgen eine Gipfel-Wanderung auf die Zugspitze machen. Gibt es hier jemanden, der den Weg kennt?" Großes Gelächter.

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