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Debatte:Vereint im Streit

SZ-Leser diskutieren und suchen nach Lösungen: Das Projekt Werkstatt Demokratie geht in eine neue Runde.

Von Sabrina Ebitsch und Peter Lindner

Die Sondersituation ist zum Normalzustand geworden. Mund-Nasen-Schutz als tägliches Accessoire, 1,5 Meter Abstand als verinnerlichte Pflicht, Zoom statt persönlicher Treffen. Zugleich sind Masken zum Stoff des Anstoßes geworden. Der Zorn mancher Bürger entzündet sich an diversen Regeln des neuen Alltags. Die einen schreien ihren Unmut bei Demonstrationen lauthals heraus, andere beschimpfen sich gegenseitig in der U-Bahn - und selbst durch einige Familien geht ein Riss.

"Die Corona-Krise hat Spaltungstendenzen in der Gesellschaft verschärft", sagt Frank Decker, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bonn. Schwelende Konflikte seien noch sichtbarer geworden - und der Ton rauer. Kritiker der Corona-Beschränkungen dürften jedoch nicht ausgegrenzt werden, indem man sie beispielsweise als "Covidioten" bezeichnet. Vielmehr müssten die Debatten über den richtigen Umgang mit der Krise und ihren Folgen intensiv geführt werden - allerdings mit "mehr Zivilität". Demokratie brauche Streit, "denn er hat eine aufklärerische Wirkung", betont Decker.

Illustration: SZ

Aufklären und zivilisiert streiten - darum geht es von dieser Woche an auch in der Werkstatt Demokratie. In dieser fünften Runde des Diskursprojekts der Süddeutschen Zeitung, das sie seit 2018 in Zusammenarbeit mit der Nemetschek-Stiftung umsetzt, soll über mehrere Tage hinweg Raum für intensive und konstruktive Debatten geschaffen werden. Vom 4. bis 6. Dezember ist unter anderem eine Veranstaltung mit Diskussionsworkshops an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing am Starnberger See geplant, mit der die SZ diesmal ebenfalls kooperiert.

Doch zunächst setzen wie gewohnt die Leserinnen und Leser das Thema. In der Vergangenheit wünschten sie sich unter anderem Debatten zur Klimakrise, Europas Zukunft und zum Thema Wohnen. Auf sz.de/werkstattdemokratie können Leserinnen und Leser noch bis zum kommenden Sonntagabend abstimmen, welche der drei zur Auswahl stehenden Fragen (siehe Kasten) die Redaktion recherchieren soll, und worüber sie diskutieren wollen. Das Ergebnis veröffentlicht die SZ Anfang kommender Woche. Dieses Votum ist dann wieder Arbeitsauftrag: Redakteurinnen und Redakteure starten unmittelbar danach mit der Recherche, um das gewählte Themas aufzuarbeiten. Die Beiträge wird die SZ vom 30. November an publizieren.

Diese Inhalte sollen unter anderem die Basis bilden für mehrere Online-Diskussionen und - sofern es die Corona-Situation zulässt - auch für die geplanten Debatten an der Tutzinger Akademie. Ziel ist es, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und verschiedenen Sichtweisen drei Tage lang in einen Austausch zu bringen - um gemeinsam Lösungsideen zu entwickeln. Von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag wird es Gespräche mit Autorinnen und Autoren der SZ, Diskussionsworkshops, Videoschalten mit Expertinnen und Experten sowie Politikerinnen und Politikern geben. Eine Anmeldung für diese "Werkstatt Demokratie spezial" ist vom 5. Oktober an möglich unter sz.de/werkstatt_anmeldung. Dort finden sich dann auch weitere Informationen zur Veranstaltung.

Bürger mehr beteiligen - Politologe Decker hält das auch mit Blick auf die politischen Entscheidungen in der Corona-Krise für sinnvoll. Auf diese Weise ließe sich beispielsweise die Akzeptanz für Maßnahmen erhöhen, die als Eingriff in Freiheitsrechte empfunden werden. Essenziell bleibe der zivilisierte Streit über den richtigen Weg - "damit sich am Ende eine vernünftige Position durchsetzt".

© SZ vom 30.09.2020
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