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Debatte um Pendlerpauschale:Irrfahrten der Liberalen

Warum sollte die Pendlerpauschale, wie es jetzt die FDP fordert, der Preisentwicklung auf dem Benzinmarkt folgen? Die 30 Cent pro Kilometer haben mit den realen Fahrtkosten zur Arbeit schon lange nichts mehr zu tun. Dafür enthält die Pauschale Elemente, mit denen das Verhalten der Deutschen gelenkt werden soll.

Um einen verbreiteten Irrtum aufzuklären: Die Pendlerpauschale hat mit den realen Kosten der Fahrt zur Arbeit seit langem nichts mehr zu tun. Warum sollte sie also der Preisentwicklung auf dem Benzinmarkt folgen, wie es jetzt die FDP gefordert hat? Mit den 30 Cent pro Kilometer einfacher Fahrt zwischen Wohnort und Firma, die ein Arbeitnehmer von der Lohnsteuer absetzen kann, lassen sich nur die wenigsten der gängigen Automodelle betreiben. Genau genommen: 40 von 14.000 Modellen.

Pendlerpauschale

Die Pendlerpauschale hat mit den realen Kosten der Fahrt zur Arbeit seit langem nichts mehr zu tun.

(Foto: dpa)

Das Finanzamt prüft auch nicht, ob der Arbeitnehmer unbedingt so weit von seinem Arbeitsplatz entfernt leben muss. Das ist aber die eigentliche Begründung dafür, warum in den Steuerformularen nach den Kilometern gefragt wird. Wer wirklich nur einen Job in großer Entfernung von seiner Wohnung finden kann, bekommt die Vergünstigung also genauso wie einer, der in gesicherter Stellung ins Grüne gezogen ist. Die Freiheit zu wohnen, wo man mag, ist zwar ein hohes Gut. Aber Steuervergünstigungen müssen nicht dabei mithelfen, die Landschaft zu zersiedeln.

Außerdem enthält die Pendlerpauschale, wenn man genau hinschaut, einige Elemente, mit denen das Verhalten der Deutschen gelenkt werden soll: So bekommen Fahrradfahrer trotz geringer Kosten den gleichen Kilometersatz, Bahnkunden können sogar höhere Kartenpreise als die Pauschale geltend machen, und in Fahrgemeinschaften darf jeder Passagier die vollen 30 Cent absetzen. Lauter Bestimmungen also, die den Energieverbrauch senken sollen. Jetzt stattdessen auf dem Umweg über eine erhöhte Pendlerpauschale die steigenden Benzinpreise zu subventionieren, hieße, diese Absicht ins Gegenteil umzukehren.