Debatte um Konföderierten-Denkmäler:Die amerikanische Versüdlichung

Dieses Narrativ ist allerdings selbst dann nicht haltbar, wenn man nur die offiziellen Äußerungen der Südstaaten-Vertreter als Beweis zulassen würde. Der Konföderierten-Vizepräsident Alexander Stephens erklärte 1861 in einer Rede klar und deutlich, dass das "Fundament" der Konföderierten die Tatsache sei, "dass der Neger nicht mit dem weißen Mann gleichzusetzen ist; dass es die natürliche und normale Bedingung ist, sich in der Sklaverei der überlegenen Rasse unterzuordnen."

Der Konföderierten-Präsident Jefferson Davis verteidigte noch in seiner Autobiografie 1881 Sklaverei leidenschaftlich - wäre es den Versklavten schlecht gegangen, hätten sie doch stärker gegen ihre "Herren" aufbegehrt, heißt es darin.

Der Hinweis von US-Präsident Trump, dass auch George Washington und Thomas Jefferson Sklaven besaßen, ist historisch korrekt. Washington entließ kurz vor dem Tod seine Sklaven in die Freiheit, Jefferson äußerte sich gegen die Sklaverei, profitierte in der Praxis jedoch von ihr und hatte wohl mehrere Kinder mit einer Versklavten.

Clyde Broadway: Trinity

"Trinity" heißt das Gemälde des Künstlers Clyde Broadway aus Alabama, das die "Heiligen" des Südens ironisiert: Elvis Presley, Jesus Christus und General Robert E. Lee.

(Foto: Ted Drake, Creative Commons by-nd)

Zur Zeit des Bürgerkriegs fast 100 Jahre später allerdings war nicht nur die Versklavung ein weit wichtigerer Teil der amerikanischen Wirtschaft, sondern genau deshalb auch moralisch umstrittener. Die Mehrheit der Bundesstaaten hatte sich bereits entschieden, Sklaverei moralisch und juristisch nicht mehr zu akzeptieren.

Was anderswo als Befreiung galt, wurde in den ehemaligen Staaten der Konföderierten über anderthalb Jahrhunderte jedoch mit blutigen Schlachtfeldern und dem Verlust des (durch Sklaverei aufgebauten) Wohlstands in Verbindung gebracht. Die Denkmäler stammen nicht zufällig aus den 1890ern und 1950ern - also zur Zeit der "Jim Crow"-Ära neuer Rassendiskriminierung und den Anfängen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

Immer häufiger wird Identität wieder über die Hautfarbe definiert

In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich die Perspektive geändert: Die Konföderation ist Teil der weißen konservativen Identität im Süden geworden, nicht selten als symbolischer Ersatz für jenen verbalen Rassismus, der öffentlich nun nicht mehr sagbar ist.

Zugleich hat gerade in den ländlichen Gegenden der USA eine "Versüdlichung" von Teilen des weißen Amerikas stattgefunden. Die fortgesetzte Emanzipation von Minderheiten, noch immer verbreitete Rassen-Stereotype und die ökonomische Ausblutung haben dort zu dem Gefühl geführt, dass die amerikanische Wohlstandsgesellschaft schrumpfe und die Verteilung ein Nullsummenspiel werde.

Daraus ist eine regionale Identität erwachsen, die sich nicht mehr wie sonst über Merkmale wie irisch-, italienisch-, deutschstämmig oder "Nachfahren der ersten Siedler" definiert, sondern immer häufiger über die Hautfarbe.

Auch aus diesem Grund ist die Monument-Frage längst über den Süden hinaus relevant. Wie die Neonazi-Aufmärsche, der Tod einer Gegendemonstrantin und Trumps Aussagen die Debatte beeinflussen werden, lässt sich aber noch nicht absehen. Die Stadt Baltimore montierte in der Nacht zum Mittwoch ihre Konföderierten-Denkmäler ab - buchstäblich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Auf weitere Eskalationen wie in Charlottesville verspürt keine betroffene Kommune größere Lust.

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