Debatte um Kinderfotos:Maas appelliert an Vernunft der Eltern

German Justice Minister Heiko Maas attends a cabinet meeting at the Chancellery in Berlin

Sieht in der Debatte um Nacktfotos von Kindern auch die Eltern in der Pflicht: Justizminister Maas warnt Eltern zur Zurückhaltung, wenn sie Bilder vom Nachwuchs ins Netz stellen wollen.

(Foto: Reuters)

"Erst denken, dann posten": Bundesjustizminister Heiko Maas sieht in der Debatte um Kinderpornografie auch die Eltern in der Pflicht. In einem Interview warnt der SPD-Mann davor, Bilder des Nachwuchses ins Netz zu stellen.

Bekommen Eltern künftig Besuch vom Staatsanwalt, wenn sie Plansch-Fotos ihrer Kinder im Netz mit Freunden und Verwandten austauschen? Es ist eine der Fragen, die derzeit das Bundesjustizministerium beschäftigen dürfte. Denn der zuständige Minister, Heiko Maas, hat angekündigt, den gewerbsmäßigen Handel mit Nacktfotos von Kindern unter Strafe stellen zu wollen. Völlig unklar aber ist, wie das Ministerium eine Kriminalisierung harmloser Freizeitbilder verhindern will.

In einem Interview mit der Welt am Sonntag erklärt Maas nun: "Wir können und wollen Eltern ja nicht verbieten, Fotos ihrer badenden Kinder an Verwandte zu schicken." Dennoch mahnt der SPD-Politiker zur Zurückhaltung: "Allen Nutzern von Facebook und Co. empfehle ich: Erst denken, dann posten - vor allem, wenn es um Bilder geht." Niemand könne sagen, wo diese Bilder landen. Um Kinder etwa vor Pädophilen zu schützen, sollten Eltern diesbezüglich "mehr als zurückhaltend" sein.

Und auch bei der Aufklärung über die "Verlockungen und Versuchungen" der digitalen Welt sieht Maas die Eltern in der Pflicht: Er rät dazu, mehr mit den Kindern darüber zu reden. "Die Kinder müssen nicht nur lernen, wie man ins Internet reinkommt, sondern auch, wie man unbeschadet wieder rauskommt." Dies müsse ein viel größeres Thema werden. Und zwar nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule.

Maas kündigte an, in einigen Wochen einen Gesetzentwurf vorzulegen. Er wolle eine Verschärfung der Gesetze gegen Kinderpornografie. Probleme gibt es in der Abgrenzung zwischen noch legalen und bereits strafbaren Bildern und Videos. Sogenannte "Posing-Bilder" sind bislang nur dann strafbar, wenn die Kinder darauf mit "geschlechtsbetonten Posen" zu sehen sind.

Maas will nun Aufnahmen unter Strafe stellen, die zu dem Zweck hergestellt werden, später damit Geld zu verdienen. "Wer mit den Körpern von Kindern und Jugendlichen Geschäfte macht, dem soll bald das Gefängnis drohen", sagte Maas. Sein Ministerium prüfe auch, inwieweit der bargeldlose Handel mit solchen Nacktbildern, etwa in Tauschbörsen, unter Strafe gestellt werden könne.

Mit dem Gesetzesentwurf reagiert Maas auf den Fall des früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy, gegen den aufgrund des Erwerbs von Fotos von unbekleideten Kindern ermittelt wird. Maas' Vorschläge waren parteiübergreifend auf Zustimmung gestoßen.

Doch unter Experten wurde auch Kritik laut. So warnen manche vor absurden Konsequenzen. Darunter etwa der Wiener Rechtsanwalt Helmut Graupner. Er gibt auf Spiegel Online zu Bedenken, dass Maas' Vorstoß auch viele Werke der Kunstgeschichte betreffen würde, darunter etwa die Darstellungen von Putten oder anderen knabenhaften Figuren.

Auch dass das Ministerium auf den "gewerbsmäßigen Handel" abzielt, stieß auf Kritik. Denn wenn lediglich der finanzielle Gewinn ausschlaggebend sein sollte, würde die Vorschrift ins Leere laufen, so Experten. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich die Szene die Fotos überwiegend über Tauschbörsen beschafft. Die wenigsten zahlen dafür, haben Wissenschaftler herausgefunden.

© Sz.de/AFP/hai/fran
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB