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Debatte um Integration:"Jeder achte Zuwanderer will sich nicht integrieren"

Innenminister de Maizière räumt bei der Integration Versäumnisse ein - und SPD-Chef Gabriel hat die "Leitkultur" jetzt für die SPD entdeckt, um gegen Thilo Sarrazin zu holzen.

Zu viele zu wenig intelligente Ausländer in der Bundesrepublik. Das ist die Befürchtung von Noch-Bundesbanker und SPD-Politiker Thilo Sarrazin. Seit Tagen beherrscht er mit seinem integrationskritischen Thesen die Schlagzeilen und TV-Bühnen der Nation. Den Ruf der Wirtschaft nach einer deutlich offensiveren Einwanderungspolitik wird der Migrationskritiker da nicht gerne hören.

Kundgebung Familienunternehmer

In der von Noch-Bundesbanker Thilo Sarrazin (SPD) ausgelösten Zuwanderungsdebatte fordert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nun eine deutlich offensivere Einwanderungspolitik: Deutschland brauche angesichts der Überalterung der Gesellschaft "dringend Arbeitskräfte und Zuwanderer aus dem Ausland", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann dem "Hamburger Abendblatt".

(Foto: dpa)

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) benötigt Deutschland angesichts der Überalterung der Gesellschaft "dringend Arbeitskräfte und Zuwanderer aus dem Ausland". Das sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann dem Hamburger Abendblatt. Nötig seien "mindestens netto 500.000 mehr Menschen pro Jahr, um unsere Wirtschaftskraft dauerhaft zu sichern".

Ab 2015 verliere die deutsche Wirtschaft "jedes Jahr rund 250.000 Mitarbeiter", sagte Zimmermann. "Dann fehlen aber bereits drei Millionen Arbeitskräfte am Markt - insbesondere Fachkräfte." Ohne Zuwanderung werde der Wohlstand sinken und die Lebensarbeitszeit müsse in Deutschland auf rund 70 Jahre verlängert werden.

Zimmermann forderte, die Einwanderung künftig einerseits arbeitsmarktsorientiert auf den kurzfristigen Bedarf abzustimmen: "Wer einen Job hat, darf bis zu fünf Jahre kommen", sagte er. "Andererseits brauchen wir ein Punktesystem für dauerhafte Zuwanderung, wie es beispielsweise Australien oder Kanada praktizieren, bei dem es vor allem auf die Ausbildung ankommt."

"Nicht die Schleusentore hochziehen"

Die CSU stellt sich dem Ruf der deutschen Wirtschaft nach mehr Zuwanderung von Fachkräften entgegen: Generalsekretär Alexander Dobrindt und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kritisierten am Mittwoch die Prognose des DIW scharf: "Der deutsche Arbeitsmarkt hat kein Zuzugsdefizit, sondern ein Qualifizierungsdefizit", sagte Dobrindt dazu. Innenminister Herrmann nannte die Forderung "abwegig". Die CSU plädiert dafür, erst einmal die einheimischen Arbeitslosen besser auszubilden: "Bei immer noch drei Millionen Jobsuchenden brauchen wir eine Qualifizierungsoffensive und keine Zuwanderungsoffensive", sagte Dobrindt. "Wir werden jetzt nicht die Schleusentore hochziehen und eine neue Gastarbeiterwelle auf unser Land rollen lassen."

Herrmann warnte, eine derart massive Zuwanderung würde die Integrationsfähigkeit Deutschlands völlig überfordern. "Die gegenwärtige Diskussion um die Integrationspolitik zeigt doch deutlich, dass wir in Deutschland schon mit den bereits hier lebenden Migranten viele ungelöste Probleme haben. Vor diesem Hintergrund einer weiteren massenhaften Zuwanderung das Wort zu reden, ist abwegig." Der Innenminister sagte weiter: "Deutschland kann nicht mit einem Betrieb verglichen werden, der je nach Auftragslage mal eben ein paar tausend Menschen einstellt. Dieses Missverständnis der vergangenen Jahre dürfen wir nicht wiederholen. Wir haben keinen Bedarf an massenhafter weiterer Zuwanderung."

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