Süddeutsche Zeitung

DDR-Politiker:Früherer SED-Funktionär Schalck-Golodkowski ist tot

Der frühere DDR-Devisenhändler und SED-Wirtschaftsfunktionär Alexander Schalck-Golodkowski ist tot. Das teilte sein Verlag Edition Ost auf Anfrage der Presseagentur dpa mit und bestätigte damit eine Meldung der Bild-Zeitung.

Schalck-Golodkowski gilt rückblickend als eine der streitbarsten Figuren des SED-Regimes. Als Leiter des geheimen Bereichs für Kommerzielle Koordinierung (KoKo) des DDR-Außenhandelsministeriums war er zuständig für etwas, das im Sozialismus von offizieller Seite nie existierte: Devisenbeschaffung aus dem kapitalistischen Ausland - und zwar über die Möglichkeiten des gängigen Außenhandels hinaus. Die Erträge aus seinem Bereich tauchten in keiner regulären Bilanz auf.

Erst im Nachhinein wurde bekannt, dass es Schalck-Golodkowski war, der 1983 den Milliardenkredit mit Franz Josef Strauß aushandelte und dadurch einen etwaigen Bankrott der DDR abwenden konnte.

Deckname "Schneewittchen"

Als nach dem Fall der Mauer erste Berichte über illegale Geschäfte der KoKo auftauchten, floh Schalck-Golodkowski im Dezember 1989 nach West-Berlin und stellte sich dort den Behörden. Nach einer mehrwöchigen Untersuchungshaft blieb er in der Bundesrepublik und versorgte später unter dem Decknamen "Schneewittchen" den Bundesnachrichtendienst mit Informationen über die kriminellen Machenschaften der KoKo.

1995 wurde Schalck-Golodkowski wegen illegaler Waffengeschäfte zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Im Jahr darauf erhielt er eine weitere Bewährungstrafe wegen Embargovergehen.

Schalck-Golodkowski lebte bis kurz vor seinem Tod zurückgezogen mit seiner zweiten Ehefrau Sigrid in Rottach-Egern am Tegernsee und starb am Sonntagabend in München nach langer schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren. Interviews verweigerte er seit dem Jahr 2000.

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