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Dauerberichterstattung über Hugo Chávez:Seine Heiligkeit, der Comandante

"Revolutionär", "Sein wunderbares Erbe", "Ein Visionär" - die Staatssender in Venezuela übertrumpfen sich mit ihren Huldigungen des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez. Gleichzeitig wächst vor allem in der Opposition die Kritik an dessen Nachfolger Maduro.

Neben der Leiche seines Vorgängers wurde noch selten ein Präsident eingeschworen. Aber auch das ist jetzt passiert in Venezuela, dem Reich des Magischen Surrealismus. Seinen ersten Amtseid leistete Nicolás Maduro am Freitag im Parlament von Caracas, nach dem Trauerakt: "Entschuldigen Sie die Tränen, aber diese Schärpe gehört Hugo Chávez", schluchzte der neue Staatschef danach.

Das zweite Mal hob Maduro die Hand dann am Sarg von Chávez, der seit vergangenen Mittwoch aufgebahrt in der Militärakademie liegt. "Wir schwören von patriotischem Herzen, dass wir dem Kommandanten Hugo Chávez loyal sein Wort durchsetzen werden. Wir werden seinem politischen Erbe treu sein und unser Leben dafür geben, das unabhängige sozialistische Vaterland aufzubauen und die Armen zu verteidigen."

Das Land ist geteilt wie zuvor

An seiner Seite ernannte er Chávez' Schwiegersohn Jorge Arriaza zum Vize. Der bisherige Wissenschaftsminister ist mit einer Tochter des Toten verheiratet und sprach: "Ich schwöre, wie ich dem Comandante in den letzten Minuten seines Lebens geschworen habe, dass er in Ruhe scheiden soll, weil wir den Kampf Simón Bolívars zu seinem Höhepunkt bringen werden." Damit wächst der Führerkult ins Unermessliche.

Doch Maduro überzeugt längst nicht alle: "Nicolás, dich hat niemand zum Präsidenten gewählt", polterte Oppositionsführer Henrique Capriles. Zuvor hatte sich auch Capriles pietätvoll verhalten, doch jetzt klagt seine Bewegung über Verfassungsbruch. Seiner Ansicht nach hätte statt Maduro der Parlamentspräsident Diosdado Cabello übernehmen müssen, ehe am 14. April neu gewählt wird.

Der Wahltermin in einem Monat gilt als unstrittig, ansonsten ist das Land geteilt wie zuvor. Der Vereidigung blieben die meisten oppositionellen Abgeordneten fern - nur eine Partei aus dem Widerstand rückte an, womit die Regierungsgegner schon wieder entzweit wären. Internationale Proteste gegen die Auslegung der Verfassung gibt es allerdings wenige, Botschafter der EU-Länder erschienen zur Zeremonie für Maduro.

Die Wahl dürfte Chávez' irdischer Statthalter klar gewinnen. Im Oktober hatte Chávez 55 Prozent und Capriles 45 Prozent der Stimmen bekommen, Maduro wird nun von der umschwärmten Legende profitieren. Fürs erste jedenfalls, bis es wirtschaftliche Probleme geben könnte. Er spricht von "harter Hand" und "der politisch-militärischen Führung dieser Revolution". Rivalen nennt er "Söldner des Hasses".

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