Datenschutz:Amerikas andere Freiheit

Das EuGH-Urteil markiert die gravierenden Unterschiede zwischen den USA und Deutschland.

Von Andrian Kreye

Große Ratlosigkeit hat sich in Amerika breitgemacht, als das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bekannt wurde, mit dem das transatlantische Datenabkommen "Safe Harbor" außer Kraft gesetzt werden wird. Es gibt natürlich auch Ärger darüber, dass die digitalen Geschäfte darunter leiden werden. Aber Probleme sind in Amerika dazu da, gelöst zu werden. Konzernen wie Google, Facebook und Amazon wird es nicht schwerfallen, in Europa Datenfarmen aufzubauen, die europäischen Normen gerecht werden.

Kern der Ratlosigkeit ist eines dieser seltenen grundsätzlichen Missverständnisse zwischen Europa und Amerika. Denn in der Regel handelt es sich hier doch um zwei sehr ähnliche Kulturen. Ganz buchstäblich - Amerikaner und Europäer hören dieselbe Musik, sehen dieselben Filme, tragen dieselbe Kleidung, verfechten die Demokratie. Hin und wieder aber zeigt sich, dass die beiden Gesellschaften sehr unterschiedliche, in diesem Fall sogar gegensätzliche Grundwerte haben.

In Europa steht der Schutz der Bürger an erster Stelle. In Amerika hat die Freiheit der Bürger absoluten Vorrang. Dazu gehören ganz besonders die Freiheiten des Handels und der Meinungen. Genau das sind die Motoren des Internets. Diese Freiheiten einzuschränken ist für Amerikaner vom Hacker bis zum Präsidenten nicht nachvollziehbar. Im Gegenteil - das wird als Feindseligkeit empfunden.

© SZ vom 08.10.2015
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