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Dänemark:Wackelige erste Schritte

Dänemark öffnet wieder Kinderbetreuungen und Schulen - damit Eltern arbeiten gehen können. Ob die Träger die strengen Hygieneauflagen einhalten können, ist aber noch vollkommen unklar.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Dänemark marschiert voran: Von Mittwoch an öffnen Kindergärten und Grundschulen. Die Gemeinden meldeten, dass die Hälfte von ihnen bereit stünde, die Schulen sofort zu öffnen, die anderen sollen bis Freitag nachziehen. "Es ist wichtig, dass wir Dänemark nicht länger geschlossen lassen als nötig", sagte Premierministerin Mette Frederiksen vergangene Woche, als sie die Öffnung ankündigte. Es sollen vorsichtige, erste Schritte sein, Frederiksen verglich es mit einem Seiltanz: "Wenn wir Dänemark zu schnell öffnen, riskieren wir einen zu schnellen erneuten Anstieg der Infektionen und müssen dann erneut alles schließen."

Hinter dem Schritt, zuerst die betreuungsbedürftigen Kleinsten wieder in die Schule zu schicken, steckt auch der Gedanke, dass den Eltern so wieder der Gang zur Arbeit ermöglicht werden soll. Am Dienstag gab es allerdings einige Irritation, als klar wurde, dass viele der Kindertagesstätten und Kindergärten nicht in der Lage sein werden, alle Kinder aufzunehmen. Das liegt an strengen Hygieneregeln und an den großen Abständen, die zwischen den Kindern eingehalten werden sollen: Im Kindergarten soll jedes Kind vier Quadratmeter Platz haben, in den Schulen sollen die Tische mit zwei Metern Abstand aufgestellt werden. Manche Schulen führen deshalb Schichtunterricht ein: Die eine Hälfte lernt vormittags, die andere nachmittags. Manche Kindergärten aber, die zuvor 45 Kindern Platz boten, können nun nur mehr 15 aufnehmen. "Das bringt die Eltern in ein großes Dilemma", sagte Julie Kyndesgaard, die Vorsitzende des Elternverbandes in Kopenhagen: "Ihr Arbeitgeber erwartet die Eltern bei der Arbeit, weil doch die Kinderbetreuung für diese Woche angekündigt wurde, dabei ist im Moment überhaupt nicht klar, ob das überhaupt der Realität entspricht."

Es gibt auch Proteste von Eltern, die sich in Facebook-Gruppen wie "Mein Kind soll kein Versuchskaninchen für Covid-19 sein" organisierten. Gesundheitsminister Magnus Heunicke erklärte am Montag, dass Kinder mit infizierten Familienmitgliedern zuhause bleiben sollten.

© SZ vom 15.04.2020

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