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Sicherheitskräfte in Dänemark:Bericht offenbart schwere Versäumnisse bei Anschlägen in Kopenhagen

  • Ein Untersuchungsbericht der dänischen Polizei offenbart schwere Versäumnisse rund um den Einsatz beim Terroranschlag in Kopenhagen Mitte Februar.
  • Obwohl die Polizei und der Nachrichtendienst PET vor Ort waren, konnte der Täter nach dem Angriff auf ein Kulturcafé entkommen.
  • Danach vergingen mehrere Stunden, bis Beamte zum Schutz jüdischer Einrichtungen abgestellt wurden.
  • Trotz Polizeischutz konnte der Täter an einer Synagoge später einen weiteren Mann töten.
  • Dänemarks Justizministerin übte Kritik an der Polizeiarbeit. Der Chef des PET ist zurückgetreten.

Von Silke Bigalke, Stockholm

Viele Fragen waren offen geblieben nach dem Doppelanschlag von Kopenhagen, bei dem im Februar zwei Opfer und der islamistische Täter starben. Ein Untersuchungsbericht der dänischen Polizei gibt nun Anlass zu neuer Kritik. Der Täter Omar Abdel Hamid El-Hussein hatte am Nachmittag des 14. Februar eine Diskussionsrunde über Meinungsfreiheit in einem Kulturcafé angegriffen und den Filmemacher Finn Nørgaard erschossen.

Geheimdienstchef tritt zurück

Obwohl die Polizei und der Nachrichtendienst PET die Veranstaltung bewachten und das Feuer erwiderten, konnte der Täter entkommen. Danach brauchten die Sicherheitskräfte beinahe vier Stunden, bevor sie Beamte zum Schutz für die jüdische Synagoge Kopenhagens abstellten. Das ist auch deswegen bemerkenswert, weil Parallelen zum Anschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo wenige Wochen zuvor in Paris erkennbar waren. Dort war danach ein jüdischer Supermarkt angegriffen worden.

In Kopenhagen blieben einige jüdische Einrichtungen bis zu sechs Stunden nach dem ersten Anschlag unbewacht. Dänemarks Justizministerin Mette Frederiksen kommentierte den Bericht mit den Worten: "Das ist eine zu lange Zeit." Zudem habe der PET sie falsch über die Polizeiarbeit während der Anschläge informiert. Kurz bevor der Bericht veröffentlicht wurde, erklärte PET-Chef Jens Madsen seinen Rücktritt

Täter konnte sich ungehindert seinem zweiten Opfer nähern

Insgesamt macht der Untersuchungsbericht zehn Verbesserungsvorschläge für die Arbeit von Polizei und Nachrichtendienst und verordnet den Einsatzkräften regelmäßiges Schießtraining. Dem Täter war es nicht nur gelungen, zu Fuß vom ersten Tatort zu fließen. Als er gegen 0.40 Uhr vor der Synagoge ankam, spielte er den beiden dort mittlerweile postierten Beamten vor, er sei betrunken und müsse sich übergeben.

So konnte er sich ungehindert seinem zweiten Opfer Dan Uzan nähern, der als Mitglied der jüdischen Gemeinde ebenfalls Wache stand. Der Täter erschoss ihn aus nächster Nähe und eröffnete dann das Feuer auf die beiden Polizisten. Der Bericht beschreibt, wie ihre Maschinengewehre zuvor lose um ihre Schultern hingen. Nur einer schoss zurück. Der Täter entkam abermals, bevor er einige Stunden später von der Polizei abgefangen und im Schusswechsel getötet wurde.

© SZ vom 08.05.2015/sks

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