Dänemark:Milliarden für Nerzzüchter

Dänemark: Dänische Nerze vor der Massentötung.

Dänische Nerze vor der Massentötung.

(Foto: Mads Claus Rasmussen/AP)

Eine Mehrheit im Parlament stimmte für die Entschädigung der Bauern, deren Tiere wegen der Corona-Pandemie getötet worden waren. Ab 2022 hätten die Betriebe die Möglichkeit, mit Pelztieren neu zu starten, doch es gilt als unwahrscheinlich, dass sie es noch einmal wagen werden.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Die dänische Politik ist der Auslöschung der Nerzzuchtindustrie im Land einen weiteren Schritt nähergekommen. Am Montagabend stimmte eine Mehrheit im Parlament für ein großes Entschädigungspaket an all die Bauern, deren Zuchtnerze im November vergangenen Jahres wegen der Corona-Pandemie getötet worden waren. Insgesamt will der dänische Staat dafür bis zu 18,8 Milliarden dänische Kronen - umgerechnet 2,5 Milliarden Euro - zur Verfügung stellen.

Mit dem Geld sollen die etwas mehr als 1000 Nerzzuchtbetriebe, von denen viele verschuldet sind, auch für die Verluste der nächsten Jahre entschädigt werden. Ein Teil des Geldes geht an die Zulieferindustrie. Der Sprecher der Nerzzuchtkooperative, Tage Pedersen, zeigte sich mit dem Paket zufrieden, er hoffe nun darauf, dass es auch in der Praxis "fair" umgesetzt werde. Zwei Parteien stimmten im Parlament gegen das Paket: Der konservativen Partei und der rotgrünen Einheitsliste war die Entschädigungssumme bei Weitem zu hoch.

Die Politik war allerdings unter Druck gestanden. Das Massaker an Dänemarks 17 Millionen Zuchtnerzen im November und das darauf folgende vorläufige Zuchtverbot bis Ende 2021 hatte die Nerzbauern ihrer Existenz beraubt und eine ganze Profession praktisch über Nacht ausgelöscht. Auch in Dänemark selbst waren viele Menschen Ende letzten Jahres erstaunt, zu erfahren, dass die jütländischen Nerzzüchter sich in den vergangenen 100 Jahren zum Weltmarktführer hochgearbeitet hatten: Ein großer Teil des globalen Handels mit Nerzfellen war jahrzehntelang über "Copenhagen Fur" gelaufen, das Auktionshaus der Züchterkooperative in Kopenhagen.

Auslöser der Massentötung war eine neu entdeckte Mutante des Coronavirus, die offenbar in den Nerzpopulationen entstanden und dann auf den Menschen zurückgesprungen war. Das Statens Serum Institut in Kopenhagen hatte zunächst befürchtet, die Mutante könne zukünftige Impfstoffe unwirksam machen, eine Befürchtung, die andere Wissenschaftler nach Untersuchung des neuen Virus später verneinten.

Kadaver drohen das Grundwasser zu verschmutzen

Der Umgang mit den Nerzen wuchs sich schnell zur bis dahin größten Krise der sozialdemokratischen Regierung aus, als herauskam, dass sie ihren Befehl zur Tötung auch der gesunden Nerzpopulationen erlassen hatte, ohne eine gesetzliche Grundlage dafür zu haben. Der Landwirtschaftsminister musste zurücktreten, kurz danach machte das nächste Behördenversagen Schlagzeilen: Millionen Nerze waren unsachgemäß begraben worden. Ein Teil der Kadaver droht nun das Grundwasser zu verschmutzen, ein anderer Teil wurde von den Verwesungsgasen so aufgebläht, dass sie an die Oberfläche zurückkehrten.

Theoretisch haben die Nerzzüchter die Möglichkeit, nach Ablauf des Züchtungsverbotes Ende 2021 das Gewerbe wieder aufzunehmen. In der Praxis rechnet damit kaum jemand: Die ganze Versorgungsinfrastruktur sei nun zerschlagen, sagte Verbandspräsident Tage Pedersen der Nachrichtenagentur Ritzau, auch das Auktionshaus werde aufgelöst: "Sie müssten wieder als Pioniere anfangen, und dann würden sie wahrscheinlich den Kampf gegen die anderen Pelzproduzenten in Osteuropa und in China verlieren."

© SZ
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