Dänemark Der Mann, der kein Däne mehr sein darf

Said Mansour ist der Erste im Land, der durch ein Gerichtsurteil seine Staatsbürgerschaft verliert. Nun muss er mit seiner Ausweisung rechnen.

Von Silke Bigalke, Stockholm

Er ist der erste Däne, der seine Staatsbürgerschaft durch ein Gerichtsurteil verliert: Said Mansour ist bereits 2015 zu vier Jahren Haft verurteilt worden und dazu, kein Däne mehr zu sein. Spätestens wenn er seine Gefängnisstrafe abgesessen hat, droht ihm daher, aus Dänemark ausgewiesen zu werden. Möglich ist dies, weil Mansour neben der dänischen auch die marokkanische Staatsbürgerschaft hat. Das Oberste Gerichtshof hat die Strafe nun bestätigt.

Der 56 Jahre alte Mansour wurde in Marokko geboren und kam 1983 nach Dänemark, fünf Jahre später erhielt er die doppelte Staatsbürgerschaft. Er ist immer wieder dadurch aufgefallen, dass er islamistischen Terror bejubelte und al-Qaida unterstützte. 2007 wurde er zum ersten Mal wegen Anstiftung zum Terror verurteilt. Damals entschied sich das Gericht dagegen, ihm die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Auch 2015 hat erst das Berufungsgericht entschieden, das Strafmaß zu erhöhen und Mansour seinen Pass wegzunehmen. Dessen Buchhandlung im Kopenhagener Stadtteil Vesterbro, den er auch für seine Propaganda nutzte, brachte ihm den Spitznamen "Buchhändler von Brønshøj" ein.

In Dänemark hat das Urteil eine Debatte darüber ausgelöst, ob man Mansour tatsächlich abschieben könne. Der Verurteilte hatte bei seiner Berufung argumentiert, dass ihm bei einer Rückkehr nach Marokko Folter drohe. Das Oberste Gericht erklärte nun, über diese Frage müsse die Asylbehörde entscheiden. Mansours Anwalt sagte dem dänischen Fernsehsender TV2, dass er vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Berufung gehen wolle.

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