Cybercops im Internet:Mit zehn Mann ins Online-Universum

Das Internet als Tummelplatz für Pädophile, Amokläufer und Terroristen: Die bayerische Polizei kämpft seit mehr als zehn Jahren gegen Kriminalität im World Wide Web. Obwohl die Zahl der Straftaten steigt, sind ihre Mittel bescheiden.

Gökalp Babayigit

Fernab von der Diskussion um Online-Durchsuchungen schlagen Internet-Fahnder der Polizei seit Jahren eine Schlacht, die sie kaum gewinnen können. Sie sollen das Internet überwachen, nach geplanten Straftaten Ausschau halten, nach Pädophilen, Bombenbauern, Amokläufern und Neonazis.

Cybercops im Internet: Auf virtueller Streife im Internet surfen die Beamten der Netzwerkfahndung Chat-Kanäle und Diskussionsforen an, um Straftaten aufzudecken.

Auf virtueller Streife im Internet surfen die Beamten der Netzwerkfahndung Chat-Kanäle und Diskussionsforen an, um Straftaten aufzudecken.

(Foto: Foto: dpa)

Aber schon mit dieser knappen Formulierung der Hauptaufgaben hat Günter Maeser, Leiter des Sachgebiets "Netzwerkfahndung" der bayerischen Polizei, seine Probleme: "Das Wort 'Überwachen' würde ich nicht in den Mund nehmen. Wir kratzen nur an der Oberfläche."

Tatsächlich kann man sich schwer vorstellen, wie die Internetpolizisten des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) - 1995 als Abteilung gegründet und somit die dienstältesten Cybercops in der Republik - das gigantische Internet überblicken sollen.

Mehr als 1,1 Milliarden Menschen surfen regelmäßig im Internet, es gibt 120 Millionen Homepages, die Chat-Kanäle und Foren sind ungezählt.

Bayerns Polizei stellt zehn Beamte dagegen. Leiter Maeser formuliert vorsichtig, was jeder denkt, dem die schiere Größe und Unübersichtlichkeit des World Wide Web bewusst ist: "Auch wenn wir 50 Beamte wären, würde bei uns keine Langeweile aufkommen."

Anlassunabhängige Recherche, so nennt sich die Vorgehensweise der Internet-Polizisten. Eine spezielle Ausbildung, so Maeser, gebe es nicht. Es würden zwar einige Seminare für seine Beamten angeboten, "das meiste haben wir uns aber selbst angeeignet." So durchforsten die Cybercops etwa Chat-Kanäle und Diskussionsforen auf der Suche nach strafbaren Handlungen.

Im Fokus ist nach Maesers Aussage die Bekämpfung von Kinderpornographie, doch die Brennpunkte sind zahlreich: Ankündigungen von potentiellen Amokläufern oder Selbstmorden, Anleitungen zum Bombenbau, terroristische Aktivitäten und Internetbetrug - aber auch neue Felder wie verbotene Killerspiele und Straftaten in der virtuellen "Second Life"-Welt beschäftigen die Netzwerkfahnder.

Hinzu kommen die Hinweise, die die Cybercops aus der Bevölkerung erhalten - und die jährlich mehr werden. Allein im Jahr 2006 erhielt das bayerische Landeskriminalamt 5000 Tipps, denen nachgegangen wurde.

"Die Straftaten sind von der Straße ins Internet gewandert", sagt Maeser. "Dabei dient das World Wide Web vor allem als große Kommunikationsplattform, von der aus Straftaten angekündigt, geplant oder organisiert werden."

Wird eine Straftat entdeckt, beginnen die Beamten mit der Beweis- und Datensicherung. Die IP-Adresse des Kriminellen mit exaktem Zeitfenster wird ermittelt, Screenshots ausgedruckt, Daten auf CD gesichert - und die Staatsanwaltschaft sowie die entsprechende Dienststelle informiert. Im vergangenen Jahr meldeten die bayerischen Netzwerkfahnder 678 konkrete Verdachtsfälle, denen die Staatsanwaltschaft nachging.

Seit einigen Jahren profitieren auch die Landeskriminalämter anderer Bundesländer von einer Cybercop-Abteilung: 2005 zog Baden-Württemberg nach, 2006 Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, das Bundeskriminalamt (BKA) schickte sogar bereits 1999 eine eigene Einheit ins Internet.

Doch unterschiedliche rechtliche Grundlagen erschweren die mühsame Recherche noch weiter. So können bayerische Polizisten bei Online-Recherchen "nicht offen" ermitteln, das heißt: Sie können sich getarnt als normale User durch Chat-Kanäle und Diskussionsforen bewegen. Den Kollegen des Bundeskriminalamts ist dies so nicht erlaubt. "Wenn sie gefragt werden, ob sie Polizist sind, müssen sie mit Ja antworten", sagt Maeser.

Dennoch: Die Zusammenarbeit mit den Landesämtern und dem BKA funktioniere immer besser. Zweimal im Jahr treffen sich die Experten aus den Bundesländern und verteilen untereinander spezielle Schwerpunkte, um die sich die einzelnen Einheiten zu kümmern haben.

Verbrechen aus dem Ausland bleiben aber trotz verbesserter Zusammenarbeit ein Problem: Den Landeskriminalämtern bleibt in diesen Fällen nicht viel übrig, als die gewonnene Information an das BKA zu übermitteln - das dann nach Möglichkeit mit ausländischen Behörden Kontakt aufnimmt.

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