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CSU:Söder, eiskalt

Der Ministerpräsident ist immer noch ganz der Alte.

Man hätte in den letzten Monaten den Eindruck bekommen können, Markus Söder sei ein anderer geworden. Geläutert wirkte er, als er auf grüne Themen setzte. Und ja, fast empathisch erschien er, als er nach dem Unionsstreit um die Flüchtlingspolitik plötzlich die Brücke zur CDU schlug und deren Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer beinahe fürsorglich in den Arm nahm. Heute weiß man: Der Machtpolitiker Söder mag sich charmant geben, aber er wird immer eiskalt Politik machen.

Zu spüren bekommen das seit Wochen zwei CSU-Minister in der Hauptstadt. Erst hatte Söder noch allgemein über eine Kabinettsumbildung geredet. Jetzt hat er - mit Verweis auf Umfragewerte - hinzugefügt, auch er werde einen Beitrag für die Neuaufstellung leisten. Für Horst Seehofer heißt das: Achtung! Und für Andreas Scheuer bedeutet es: Nimm selbst deinen Hut, sonst fliegst du.

Sicher, es mag Gründe dafür geben, Seehofer durch jemand Jüngeren zu ersetzen. Und ja, es gibt erst recht Anlass, im Scheuer'schen Mautdebakel die Reißleine zu ziehen. Aber Söders Mischung aus Gönnerhaftigkeit und Todesdrohung zeigt eine Kälte, die nur eines verdient hätte: dass ihm alle Nachfolgekandidaten einfach mal die kalte Schulter zeigen. Wahrscheinlich ist das nicht, und doch: Nichts würde ihm mehr wehtun.

© SZ vom 17.01.2020
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