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CSU-Chef Seehofer:Seehofer wirkt wie einer, der Zukunftspläne schmiedet

Interessant ist auch, wie sich Seehofers Rede vom Auftreten seines parteiinternen Gegners Markus Söder unterscheidet, der ihm ins Amt des bayerischen Ministerpräsidenten folgte. Söder trat lange gerade in der Ausländerpolitik als Hardliner auf, versucht allerdings inzwischen, sein Scharfmacher-Image abzustreifen. Anders als ursprünglich angekündigt, holt er sich nun doch Unterstützung von der Kanzlerin. Sie wird gemeinsam mit ihm in Ottobeuren bei einem Europa-Forum Ende September auftreten. Das sagte Gastgeber Theo Waigel auf einer Veranstaltung der Jungen Union.

Seehofer hingegen liefert in Töging entsprechende Versatzstücke, die die Mehrzahl der etwa 1000 Zuhörer lautstark in Wallung bringen. Es sind Sätze über Abschiebungen straffällig gewordener Migranten und die Feststellung, dass Deutschland durch das Christentum und nicht durch den Islam geprägt worden sei. Überhaupt sei die CSU christlich klar verankert, aber deren Vertreter "frömmeln nicht jeden Tag".

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In seiner Rede in Töging hat Horst Seehofer seine Flüchtlingspolitik verteidigt, heftige Kritik an den Medien geübt - und angekündigt, künftig zu twittern, um "Fake News" entgegenzutreten.

Mit seinem liebsten Parteifeind Söder geht Seehofer anders um, als der mit ihm bei Auftritten. Mehrmals erwähnt er den Ministerpräsidenten, mit dem die CSU zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl in Umfragen unter 40 Prozent gefallen ist. Seehofer kritisiert Söder nicht, aber er erhöht den Druck, wenn er etwa damit kokettiert, bei der letzten Wahl mit der CSU die absolute Mehrheit erreicht zu haben. In Töging klingt Seehofer nicht mehr nach dem Parteichef, der nach dem Fast-Rücktritt für eine lahme Polit-Ente gehalten wird. Sondern wie einer, der Zukunftspläne schmiedet, einer der kampfeslustig ist - und machtbewusst. Markus Söder darf sich beunruhigt fühlen.

Denn Seehofer findet Gefallen an indirekten Hakeleien, etwa fein verpackt in Lobpreisungen auf die weiß-blauen Zustände und die glorreiche Parteihistorie. Seehofer sagt etwa, dass für alle CSU-Regierungschefs stets das Credo galt: "Kümmern und machen". Diese "Regel", so Seehofer, gelte auch "für meinen Nachfolger Markus Söder". Oder: Bayern regieren bedeute "für Menschen und Land einen Dienst zu verrichten", es sei keine "Herrschaftsausübung", das sei "Dienstleistung". Und dann müsse man "Rechenschaft ablegen bei den Wahlen." Dass Söder beim Urnengang im Oktober erst ein knappes halbes Jahr im Amt sein wird, lässt Seehofer unerwähnt.

Während der CSU-Chef am Rednerpult steht, lächelt er immer wieder. Es ist ein spezifisch Seehofer'scher Gesichtsausdruck, in dem sich Grant, Spott und Haifisch mischen. Der CSU-Chef wirkt ziemlich erholt. Das verblüfft, zumal er bei Auftritten in den vergangenen Wochen optisch ziemlich ramponiert wirkte. Dass dem Minister in Töging bald der Schweiß über das Gesicht läuft, liegt am dampfig-schwülen Innenklima der Bierhalle. "Das neue Amt ist schwerer als das alte Amt", sagt Seehofer noch. "Das alte Amt war schöner." Das klingt so, als ob sich Horst Seehofer in die Staatskanzlei zurücksehnt.

© SZ.de/mane
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