CSU-Parteitag Wie sich die CSU der Kanzlerin unterwirft

Was für eine Kehrtwende: Die Delegierten auf dem CSU-Parteitag haben einstimmig für einen extrem moderaten Euro-Antrag votiert. Damit schmiegt sich die Partei wie ein schnurrender Kater an Kanzlerin Merkel.

Ein Kommentar von Robert Roßmann, München

Die besondere Kraft der CSU liegt in ihrer Gabe, sich rechtzeitig selbst zu verändern. Das hat die Europa-Debatte auf dem Parteitag einmal mehr gezeigt. Einstimmig votierten die Delegierten für einen extrem moderaten Euro-Antrag. Selbst Peter Gauweiler hob die Hand zum Ja. Was ist da passiert?

Die CSU ist zu der Einsicht gelangt, dass ihr der Euro-Kurs der Kanzlerin nicht schadet. Im Gegenteil: Merkel ist gerade wegen ihres Kurses so beliebt. Selbst in Bayern kommt sie auf deutlich höhere Zustimmungsraten als Seehofer. Das hilft auch der CSU.

Außerdem scheint der Weg der Kanzlerin Deutschland bisher eher zu nutzen. Das Land boomt - zumindest noch. Das hat jetzt auch die CSU erkannt. Die Christsozialen versuchen ihre Wende zwar noch zu kaschieren. Merkel habe sich doch immer an die CSU-Vorgaben gehalten: Keine Euro-Bonds, strikte Konditionalität aller Hilfen - und eine möglichst klare Beschränkung der Haftungsrisiken.

Das mag zum Teil so sein. Aber es geht auch um die Tonalität. In dem Europa-Antrag gibt es keine Beleidigungen à la "Falschmünzer". Seehofer schloss sogar ein neues Griechenland-Hilfspaket nicht mehr aus.

Wer die Meldungen über den Parteitag lese, müsse glauben, die CSU sei dein schnurrender Kater, sagte Seehofer zur Gastrednerin Merkel. Genau so ist es. Die CSU hat sich der Kanzlerin am Freitag unterworfen.