CSU-Chef Seehofer Bröckelt die Wählergunst, wächst der Argwohn

Solange die Umfragen für die CSU günstig waren, sahen die Berliner Abgeordneten ihrem Parteichef Horst Seehofer einiges nach. Das ist nun anders: seit die Zustimmung schwindet, wächst die "Verwunderung und Verärgerung" über den bayerischen Ministerpräsidenten.

Von Robert Roßmann, Berlin

Die CSU-Landesgruppe bricht an diesem Dienstag nach Portugal auf. Es dürfte eine schöne Reise werden. 13 Stunden Sonnenschein sagt der Wetterbericht voraus, an jedem einzelnen Tag wohlgemerkt. Bis Freitag will die Gruppe im Süden bleiben - und sich dabei nicht nur informieren, sondern den gebeutelten Portugiesen auch Respekt für deren Sparbemühungen zollen.

Im Jahr 2012 besuchte Horst Seehofer noch keine Sitzung der Berliner CSU-Landesgruppe. Dafür fuhr der Ministerpräsident am Sonntag nach Regensburg und gratulierte der Bayern-SPD zum 120. Geburtstag.

(Foto: dpa)

Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt nimmt deshalb nicht nur fast alle CSU-Abgeordneten mit, sondern auch die drei christsozialen Bundesminister. Schließlich lässt sich Portugal nicht lumpen, die CSU-Delegation hat Gesprächstermine mit den großen Drei des Landes bekommen: dem Präsidenten, dem Regierungschef und dem Parlamentspräsidenten.

Nur einer fehlt auf dieser Reise: CSU-Chef Horst Seehofer. Dabei hätte es der Ministerpräsident selten nötiger gehabt, den Kontakt zu seinen Berliner Abgeordneten zu suchen. Denn in der Landesgruppe rumort es. Lange haben die Berliner die sprunghafte und polternde Art Seehofers brav ertragen. Die Umfragen schienen ihm ja recht zu geben.

Landesgruppe sieht die Schuld für sinkende Umfragewerte bei Seehofer

Doch seit die Zahlen bröckeln, bröckelt auch die Bereitschaft der Landesgruppe, jeden Hakenschlag des Vorsitzenden für der Weisheit letzten Schluss zu erklären. Im April kam die CSU noch auf 46 Prozent, im Juni waren es 44, vergangene Woche lag die Partei nur noch bei 43 Prozent.

Eine gefährliche Tendenz. Die Landesgruppe sieht die Schuld dafür eher bei Seehofer - und nicht in den unpopulären Entscheidungen, die die Abgeordneten in Berlin mittragen müssen.

In der Landesgruppe gebe es viel "Verwunderung und Verärgerung", sagt ein wichtiges Mitglied. Die ständigen Drohungen mit einem Koalitionsbruch kommen bei denen, die in Berlin die Koalition mit CDU und FDP am Laufen halten sollen, nicht gut an. Das brachiale Auftreten Seehofers im Streit um Steuersenkungen, das Betreuungsgeld oder die Euro-Rettung verstehen nur wenige.

"Irgendwann wird man nicht mehr ernst genommen, nichts wäre für die CSU schlimmer", sagt ein Abgeordneter. Und aus dem Umfeld eines CSU-Regierungsmitgliedes heißt es zu Seehofer: "Wenn einer zu weit auf den Baum klettert, kann der Ast auch brechen" - wer darauf sitze, könne dann böse herunterfallen.

Auch das harte Auftreten des Ministerpräsidenten gegen den Bund bei den Verhandlungen über den Wachstumspakt hat in der Landesgruppe keine Begeisterung ausgelöst. Das sei eine brutale Erpressung gewesen, heißt es da. Angesichts dessen könne man sogar ins Zweifeln kommen, ob der Föderalismus noch funktioniere.