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Union:CSU-Vize Weber fordert schnelle Kür des Kanzlerkandidaten

CSU-Politiker Manfred Weber

Manfred Weber, CSU-Vize und Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europaparlament, fordert Einigkeit in der Union.

(Foto: Harald Tittel/dpa)

"Ein tägliches Schaulaufen nutzt dem öffentlichen Bild der Union nicht", sagt der Stellvertreter von Markus Söder. CDU und CSU dürften sich "intern keinen Corona-Wettbewerb leisten".

Von Robert Roßmann, Berlin

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber verlangt, dass die Union schnell einen Kanzlerkandidaten kürt, um Schaden von CDU und CSU abzuwenden. Außerdem fordert er ein geschlossenes Auftreten von CDU-Chef Armin Laschet, CSU-Chef Markus Söder und Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Corona-Krise. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung sagte Weber: "Ein tägliches Schaulaufen nutzt dem öffentlichen Bild der Union nicht." CDU und CSU müssten "Führungsstärke bei der Bekämpfung der Corona-Krise zeigen und dürfen kein Bild der Uneinigkeit abgeben".

Eine Lagerbildung würde die Union "weit zurückwerfen". Denn nur gemeinsam erhalte man sich "die Chance auf das Kanzleramt", das sei "die Lehre aus den vergangenen Jahren". Deshalb brauche es "bald eine Entscheidung über den Kanzlerkandidaten".

Weber war bei der Europawahl 2019 der gemeinsame Spitzenkandidat von CDU und CSU. Er ist nicht nur Stellvertreter Söders im CSU-Vorsitz, sondern auch Chef der EVP-Fraktion im Europaparlament.

"Zum Bewältigen der Corona-Pandemie sind eine Kommunikation in dieselbe Richtung und gemeinsames Handeln der Verantwortlichen eine wichtige Grundvoraussetzung für den Erfolg und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger", sagte Weber. Er reagierte damit auch auf die Differenzen zwischen Laschet und Söder in der Corona-Krisen-Politik. Weber sagte, aufgrund der aktuellen Herausforderungen in der Pandemie dürfe "sich die Union intern keinen Corona-Wettbewerb leisten - für ein geschlossenes Auftreten sind die beiden Parteichefs und die Kanzlerin in einer besonderen Verantwortung".

Das Profil der CSU würde sich verändern

Weber wies außerdem darauf hin, dass eine Kanzlerkandidatur Söders weitreichende Folgen für seine Partei hätte, die bedacht werden sollten. "Innerhalb der CSU müssen wir uns im Klaren sein, dass sich unser Profil als bayerische Partei verändert, sollten wir zum dritten Mal in der Geschichte den Kanzlerkandidaten stellen", sagte der CSU-Vize.

Zur Lage der Union im Bund sagte Weber: "Wir haben selbst in der Hand, ob wir erfolgreich sind - wesentlich sind das Einhalten des Impfversprechens und ein mutiges Zukunftsprogramm." CDU und CSU müssten "zeigen, dass wir dem Mittelstand und den Familien Perspektiven geben und eine Idee von Deutschlands künftiger Rolle in Europa und der Welt haben". Dafür brauche es "Klartext".

Die kommenden vier Jahre würden "für Deutschland und Europa darüber entscheiden, ob Wohlstand und soziale Sicherheit in der Zukunft so erhalten bleiben, wie wir das heute kennen". Global vollziehe sich "die Umverteilung von ökonomischer Macht zwischen China, den USA und Europa". Wohlstand sichern und damit sozialen Zusammenhalt stärken könne nur die Union. Der Bundestagswahlkampf habe deshalb "auch Bedeutung für ganz Europa, er wird die Themen für die kommenden Jahre setzen".

Am Sonntag kommt die Spitze der Unionsfraktion im Bundestag zu einer Klausur zusammen. An ihr werden auch Merkel, Söder und Laschet teilnehmen. Bisher wird aber nicht erwartet, dass es schon an diesem Wochenende eine Entscheidung über die Kanzlerkandidatur gibt. Söder und Laschet haben übereinstimmend erklärt, die Frage zwischen Ostern und Pfingsten klären zu wollen. Zuletzt konnte man aber den Eindruck gewinnen, dass Laschet stärker auf eine schnelle Entscheidung dringt als Söder.

© SZ/rop
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