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Afrika:Covax startet Impfkampagne

Erste Lieferung: Auf dem Flughafen der ghanaischen Hauptstadt Accra wurden am Mittwoch die durch die internationale Initiative Covax organisierten Impfstoffe entladen.

(Foto: Nipah Dennis/AFP)

Als erstes Land der Welt erhält Ghana von der internationalen UN-Initiative das Vakzin gegen Covid-19.

Von Anna Reuß, München

In Accra, der Hauptstadt Ghanas, sind die ersten für den afrikanischen Kontinent vorgesehenen Impfdosen im Rahmen des Covax-Impfprogramms angekommen. Damit sei die größte Impfkampagne in der Geschichte angelaufen, die auf Dutzende weitere Länder ausgeweitet werden soll, teilten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk Unicef am Mittwoch mit. Das westafrikanische Ghana ist somit der weltweit erste Staat, der Impfstoff - 600 000 Dosen des Astra Zeneca-Vakzins - durch das UN-Impfprogramm erhalten hat.

Die von der WHO und der Impfallianz Gavi geschaffene "Covid-19 Vaccine Global Access Initiative" (Covax) ist das Impfstoff-Programm der Vereinten Nationen, das zum Ziel hat, Länder mit geringen oder mittleren Einkommen, die sich die Impfstoffe nicht selbst leisten können, zu versorgen. Bis Ende dieses Jahres will Covax 330 Millionen Impfdosen an 145 Staaten verteilt haben. In Afrika etwa sollen mit rund 600 Millionen Dosen bis Jahresende mindestens 20 Prozent der Bevölkerung geimpft werden. Um 60 Prozent der Menschen auf dem gesamten Kontinent zu impfen, was der Mindestanforderung für Herdenimmunität entspricht, würden laut dem Fachjournal Nature etwa 1,5 Milliarden Impfstoffdosen benötigt.

In den 50 ärmsten Ländern wurden 0,1 Prozent der Impfdosen verabreicht

Das grundsätzliche Verteilungsproblem kann die Covax-Initiative aber nicht lösen. Einer Analyse der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) zufolge wurden rund 70 Prozent der bislang verabreichten Impfungen in den 50 reichsten Ländern gespritzt. In den 50 ärmsten Ländern wurden demnach dagegen nur 0,1 Prozent der Impfdosen verabreicht.

Covax war gegründet worden, damit Menschen in ärmeren Ländern im globalen Verteilungskampf um den Impfstoff gegen Covid-19 nicht zu kurz kommen. John Nkengasong, Leiter der Afrika-Zentren für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (Africa CDC), einer Organisation der Afrikanischen Union, sagte noch vor wenigen Monaten, es sei "schrecklich zu sehen", dass reiche Länder Impfstoffe erhielten, während afrikanische Länder darauf verzichten müssten.

Die Vakzin-Tranche, die nun nach Ghana geliefert worden ist, wurde in Indien hergestellt. Indien, der weltweit größte Hersteller von Impfstoffen, hat bereits mehr als 17 Millionen Impfstoffdosen in mehr als zwei Dutzend Länder geliefert. Mehrere Staaten des Globalen Südens haben immer wieder für einen allgemeinen Zugang zu Impfstoffen geworben. Indien und Südafrika hatten von der Welthandelsorganisation (WTO) Anfang Oktober 2020 gefordert, dass für Medikamente und Impfstoffe gegen Covid-19 keine Patente erteilt werden dürften, bis die globale Herdenimmunität erreicht sei.

© SZ/bac
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