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Coronavirus weltweit:Impfungen in den USA womöglich ab 12. Dezember

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Impfstoff des deutschen Herstellers Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer könnte zwei Tage nach einer möglichen Zulassung eingesetzt werden. Auch in Frankreich ist das Virus bei Nerzen entdeckt worden.

Erste Impfungen gegen das Coronavirus könnten in den USA womöglich schon am 12. Dezember verteilt werden. Nach einer Genehmigung der US-Arzneimittelbehörde FDA könnte der Impfstoff des Pharmakonzerns Pfizer und seines deutschen Partners Biontech innerhalb von 24 Stunden an die US-Staaten ausgeliefert werden, sagte der Chef des Programms Operation Warp Speed, Moncef Slaoui, dem TV-Sender CNN. Sein Programm ist für Coronavirus-Impfungen in den Vereinigten Staaten zuständig.

Pfizer beantragte am Freitag eine Notfallzulassung seines Impfstoffkandidaten durch die FDA. Deren Beratergremium soll am 10. Dezember über den Antrag entscheiden. Im Falle eines Ja, also der Genehmigung des Impfstoffs, könne es zwei Tage später mit Impfungen losgehen, so Slaoui. Pfizer und Biontech hatten zuletzt bekanntgegeben, das Impfmittel scheine beim Verhindern von mittleren bis schweren Krankheitsverläufen von Covid-19 eine Wirksamkeit von 95 Prozent zu haben. Die Studie zu dem Impfstoff dauert noch an.

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Am Samstag erteilte die FDA bereits einem experimentellen Antikörper-Gemisch von Regeneron eine Notfallzulassung, das US-Präsident Donald Trump bei seiner Corona-Infektion im Oktober verabreicht bekam. Die Kombination aus zwei Antikörpern soll dem Immunsystem beim Kampf gegen Covid-19 helfen. Eine Notfallzulassung bedeutet, dass das Mittel auf den Markt gelassen wird, während Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit weiterlaufen.

Mutiertes Coronavirus in Dänemark "aller Wahrscheinlichkeit nach" ausgerottet

Auf einer Nerz-Farm in Zentralfrankreich sind mit dem Coronavirus infizierte Tiere entdeckt worden. 1000 Nerze sollen nun gekeult werden, wie das Landwirtschaftsministerium am Sonntag mitteilte. Betroffen ist demnach ein Betrieb im Departement Eure-et-Loire südwestlich von Paris. Insgesamt seien zwei Farmen in Frankreich getestet worden, eine davon negativ. Bei zwei weiteren werden die Ergebnisse erst im Laufe der Woche erwartet.

Positive Corona-Fälle bei Nerzen hat es zuvor bereits in Schweden, Griechenland und den Niederlanden gegeben. In Dänemark wurde festgestellt, dass das Virus mutiert ist. Experten befürchten, dass ein Impfstoff bei einer Rückübertragung auf den Menschen dann weniger wirksam sein könnte. Rund 17 Millionen Nerze sollten deshalb in Dänemark getötet werden. Dem Gesundheitsministerium in Kopenhagen zufolge ist das mutierte Virus "aller Wahrscheinlichkeit nach" ausgerottet.

Macron erwägt Lockerung des Lockdowns

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stellt angesichts sinkender Corona-Infektionen eine schrittweise Lockerung der seit 30. Oktober geltenden Kontaktbeschränkungen in Aussicht. "Es geht darum, die Regeln für den Lockdown anzupassen, wenn sich die gesundheitliche Lage verbessert", sagte ein Regierungssprecher der Zeitung Journal Du Dimanche.

Seit Ende Oktober müssen in Frankreich Restaurants, Bars und viele nicht lebensnotwendige Geschäfte geschlossen bleiben. Für Dienstag ist eine Rede Macrons zur aktuellen Pandemie-Situation angekündigt, in der er eine Perspektive für die kommenden Wochen aufzeigen will. Eine Lockerung ist in drei Stufen geplant, mit einem ersten Schritt Anfang Dezember, der möglicherweise insbesondere Lockerung für Einzelhändler mit sich bringen könnte, und weiteren Schritten kurz vor den Feiertagen und im Januar.

In Frankreich ist es gelungen, den Anstieg der Neuinfektionen etwas zu begrenzen. So ist die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen am Samstag zum Beispiel um knapp 17 900 gestiegen, während das Plus am Freitag noch bei fast 22 900 lag. Auch die Zahl der Krankenhauspatienten ist den fünften Tag hintereinander gefallen.

Lockerungen in England und den Niederlanden, Verschärfungen in Portugal

Der britische Premierminister Boris Johnson wolle den seit Anfang November gültigen teilweisen Lockdown wie geplant am 2. Dezember beenden, teilte sein Büro am Samstagabend mit. Dann werde wieder ein dreistufiges System von örtlichen Beschränkungen in England eingeführt. Für Schottland und Wales gelten von den dortigen autonomen Behörden erlassene eigene Regelungen.

Bereits in Kraft sind Lockerungen in den Niederlanden. Vom vergangenen Donnerstag an dürfen Theater, Museen, Kinos und Bibliotheken wieder öffnen. Kneipen, Cafés und Restaurants bleiben jedoch geschlossen. Künftig darf man in dem 17-Millionen-Einwohner-Land wieder drei Gäste zu Hause empfangen - bisher waren es zwei.

Dagegen hat die Regierung in Portugal neue Einschränkungen der Bewegungsfreiheit beschlossen. Für die zwei kommenden verlängerten Wochenenden dürfen die Menschen ihre Wohnbezirke bis auf wenige Ausnahmen nicht verlassen, sagte Ministerpräsident António Costa am Samstagabend in Lissabon. Außerdem wird eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz eingeführt. Mit fast 7000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden hatte Portugal erst am Donnerstag einen neuen Höchstwert an gemeldeten Virusinfektionen erreicht. Im Vergleich zu anderen Ländern Europas war Portugal im Frühjahr relativ gut durch die Pandemie gekommen. Seit Wochen wird die Lage aber immer schlechter.

Ergebnisse beim Corona-Massentest in Südtirol

Bei einem dreitägigen Corona-Massentest in der norditalienischen Provinz Südtirol haben einige tausend Menschen von ihrer Infektion erfahren. Bis Sonntagvormittag hatten in der kleinen Alpen-Provinz fast 270 000 Bürger und Bürgerinnen einen kostenlosen Abstrich machen lassen. Wie die Behörden im Internet mitteilten, erhielten bis 10 Uhr insgesamt 2626 Teilnehmer, also etwa ein Prozent, ein positives Corona-Resultat. Noch bis Mittwochabend können die Menschen in Südtirol am Massentest teilnehmen.

In der Provinz Bozen-Südtirol, über die ein Teil-Lockdown verhängt ist, leben gut eine halbe Million Menschen. Die Behörden hoffen, bis zu 350 000 von ihnen zu erreichen. Der Erfolg eines Massentests hängt nach Einschätzung von Experten stark von einer hohen Teilnahmequote ab. Die Landesregierung will damit die zweite Corona-Welle schneller brechen: Virusträger, die nichts von ihrer Infektion ahnen, sollen entdeckt werden. Sie gelten als gefährliche Ansteckungsquelle.

WHO-Experte kritisiert Regierungen in Europa

Ein Covid-19-Experte der Weltgesundheitsorganisation warnt die europäischen Regierungen vor einer dritten Welle. "Sie haben es versäumt, die notwendige Infrastruktur in den Sommermonaten aufzubauen, nachdem sie die erste Welle unter Kontrolle gebracht hatten", sagte David Navarro in einem Interview mit Schweizer Zeitungen. "Jetzt ist die zweite Welle da. Wenn sie nicht jetzt die notwendige Infrastruktur aufbauen, werden wir Anfang kommenden Jahres eine dritte Welle haben."

Bericht: WHO rät von Remdesivir ab

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät einem Bericht zufolge vom Einsatz des einst vielversprechenden Medikaments Remdesivir bei Covid-19-Erkrankungen ab. Nach eingehender Prüfung sei ein Expertengremium der WHO zu dem Schluss gekommen, dass das Mittel "keinen bedeutenden Einfluss auf die Sterblichkeit oder andere wichtige Wirkungen auf Patienten hat, wie den Bedarf künstlicher Beatmung oder die Zeit bis zu einer Besserung", schrieb die Fachzeitschrift British Medical Journal in einem am Freitag veröffentlichten Artikel. Es sei zudem noch nicht ausgeschlossen, dass das Medikament auch Schaden anrichten könnte. Dazu kämen die Kosten.

In Deutschland soll Remdesivir trotz der WHO-Studie zur Behandlung bestimmter Corona-Patienten zunächst weiter eingesetzt werden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilte mit, dass man eine Neubewertung auf EU-Ebene abwarten wolle. Remdesivir werde aber nur in sehr spezifischen Fällen verwendet. Remdesivir war vom US-Pharmakonzern Gilead ursprünglich zur Bekämpfung des Ebolavirus entwickelt worden. Nach Ausbruch der weltweiten Pandemie galt es eine Zeit lang als Hoffnungsträger im Kampf gegen Covid-19. von bestimmten Patienten. Zuletzt hatten Tests aber nahegelegt, dass der Nutzen des Präparats bestenfalls gering ist.

Slowakei plant neue Corona-Massentests

Die Slowakei bereitet neuerliche landesweite Corona-Massentests vor. Ministerpräsident Igor Matovic kündigte als nächsten Termin für eine Testung fast der gesamten Bevölkerung den 2. Dezember an. Schon Anfang November waren unter der Regie des Verteidigungsministeriums ein Großteil der Einwohner, die älter als zehn Jahre sind, einem Antigen-Schnelltest unterzogen worden.

Während sich der Regierungschef rühmt, seine Idee der Massentests diene mittlerweile als Vorbild für Nachahmer von Liverpool über Südtirol bis ins Nachbarland Österreich, nimmt im Land die Kritik zu. Nach den ersten beiden Testrunden wurden Nicht-Getestete fast wie Personen mit positivem Testergebnis behandelt. Ohne negativen Test durfte man nicht einmal zur Arbeit gehen.

© SZ/dpa/Reuters/KNA/odg/mpu/aner/jsa
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