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Coronavirus weltweit:Österreich berät über Corona-Strategie

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Eine geplante landesweite Öffnung der Außengastronomie zu Ostern scheint angesichts der steigenden Infektionszahlen unwahrscheinlich. Miami Beach verhängt wegen des unerwartet starken Andrangs von feiernden Besuchern den Notstand.

Die österreichische Regierung berät an diesem Montag mit Experten und den Ministerpräsidenten über die weitere Corona-Strategie. Ursprünglich hatte die Koalition aus konservativer ÖVP und Grünen geplant, zu Ostern landesweit die Außengastronomie wieder zu öffnen. Dieser Plan scheint angesichts der steigenden Infektionszahlen vom Tisch. Stattdessen könnte es, angepasst an die Infektionslage, regional unterschiedliche Maßnahmen geben.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte am Sonntag auf die sich zuspitzende Lage auf den Intensivstationen der östlichen Bundesländer hingewiesen. Dort ist die ansteckendere britische Virusvariante teils für 95 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. Anschober fordert deshalb eine "regionale Notbremse". Die Situation ist regional sehr unterschiedlich. So liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im westlichen Bundesland Vorarlberg bei 62. Seit einer Woche ist die Gastronomie dort wieder geöffnet. Österreichweit liegt die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in sieben Tagen bei 235. Vor sechs Wochen hatte Österreich alle Geschäfte wieder geöffnet. Die Öffnungen wurden von einem umfassenden Testkonzept begleitet.

Die Zahl der Corona-Tests war zuletzt auf etwa vier Millionen pro Woche gestiegen. In den Schulen wird drei Mal pro Woche getestet. "Die Tests ermöglichen uns, das Infektionsgeschehen so gut es geht zu kontrollieren", sagte Kanzler Kurz. Das breite Testangebot sei auch eine Grundlage für den sogenannten Grünen Pass, mit dem Getestete ab April für einen bestimmten Zeitraum mehr Freiheiten bekommen sollen.

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Miami Beach verhängt Notstand

Wegen eines unerwartet starken Andrangs von feiernden Besuchern inmitten der Corona-Pandemie haben die Behörden in Miami Beach im US-Bundesstaat Florida den Notstand ausgerufen. Seit Samstagabend (Ortszeit) gilt auf Beschluss der Stadtverwaltung für 72 Stunden eine Ausgangssperre für die Gegend rund um die Partymeile Ocean Drive. Zufahrtstraßen wurden gesperrt.

Traditionell fahren viele College-Studenten in den Semesterferien - dem sogenannten Spring Break - nach Florida, um an den Stränden dort zu feiern. Bürgermeister Dan Gelber sagte dem Sender CNN: "Es kommen wirklich zu viele, ohne die Absicht, die Regeln zu befolgen. Und das Ergebnis ist ein Ausmaß an Chaos und Unordnung, das wir einfach nicht mehr ertragen können."

Florida hatte vor vielen anderen Bundesstaaten die Corona-Beschränkungen gelockert. Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen aber wieder gestiegen. Die New York Times berichtet, in Miami Dade County, jenem Verwaltungsbezirk, in dem auch Miami Beach liegt, seien inzwischen 32 000 Menschen an Covid-19 gestorben. Nirgendwo sonst in den USA ist die Virus-Mutante B.1.1.7 so stark verbreitet wie in Florida.

Testpflicht bei Einreise aus Polen

Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen wird Polen seit Mitternacht von der Bundesregierung als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Die Einreise aus dem an Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen grenzenden Land ist nur noch mit einem negativen Corona-Test erlaubt.

In Polen sind die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen drastisch gestiegen. Als Hochinzidenzgebiet werden die Länder und Regionen eingestuft, in denen die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche über 200 liegt. Bisher mussten sich Menschen, die aus Polen nach Deutschland einreisen, nach spätestens 48 Stunden testen lassen. Ob diese Tests tatsächlich vorgenommen werden, ließ sich zudem nicht effektiv kontrollieren. Die Testpflicht schon bei Einreise lässt sich dagegen eher überprüfen. Auch Bulgarien, Zypern, Kuwait, Paraguay und Uruguay stehen von Sonntag an auf der Liste der Hochinzidenzgebiete. Für die bisherigen Virusvariantengebiete Großbritannien und Irland werden dagegen die Reisebeschränkungen deutlich gelockert.

Ganz aufgehoben wird die Quarantäne und die Testpflicht für ein weiteres beliebtes Urlaubsgebiet der Deutschen: Die portugiesische Algarve wird wie zuvor schon Mallorca und die anderen Balearen-Inseln von der Liste der Risikogebiete gestrichen. Allerdings dürfen die Hotels an der Algarve derzeit noch keine Touristen aufnehmen. Das bedeutet: Urlaub an den Stränden der portugiesischen Südküste ist anders als auf Mallorca weiterhin nicht möglich.

Paris zurück im Lockdown

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie gelten im Großraum Paris und anderen Teilen Frankreichs seit Samstag neue Beschränkungen. In insgesamt 16 Départements gibt es nun auch tagsüber strikte Ausgangsregeln. Viele Geschäfte sind geschlossen. Von den etwa 67 Millionen Menschen in Frankreich ist etwa jeder Dritte von den härteren Maßnahmen betroffen. Sie sollen zunächst vier Wochen lang gelten.

Die regionalen Ausgangsbeschränkungen tagsüber sind weniger streng als in der Vergangenheit. Bürger dürfen sich draußen bewegen, müssen aber einem Umkreis von zehn Kilometern von ihrem Wohnort einhalten. Nachts gilt weiter im ganzen Land eine Ausgangssperre, bei der man nur in Ausnahmefällen vor die Türe darf. Zu den 16 Départements zählen der gesamte Großraum Paris, etliche Gegenden im Norden sowie der Verwaltungsbezirk Alpes-Maritimes mit der Metropole Nizza am Mittelmeer. Schulen bleiben geöffnet.

Frankreich ist stark von der Pandemie betroffen, zuletzt hatte sich die Lage wieder verschlechtert. Insgesamt zählt das Land nach Angaben der Behörden vom Donnerstag bereits etwa 91 700 Tote.

Schweizer Regierung verzichtet auf geplante Lockerungen

Die Schweizer Regierung hat wegen steigender Corona-Infektionen die für nächste Woche geplanten Lockerungsschritte gestoppt. Die epidemiologische Lage lasse das nicht zu, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Freitag. Lediglich bei privaten Treffen ändert sich etwas: Ab Montag dürfen sich drinnen wieder zehn statt nur fünf Personen treffen. Aus der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche wächst seit Wochen der Druck, zügig wieder zu öffnen. "Bitte gedulden Sie sich noch", sagte Berset.

Am Freitag waren bei 8,6 Millionen Einwohnern 1750 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Das entsprach über sieben Tage pro 100 000 Einwohnern knapp 100 Fällen. In Deutschland lag der Inzidenzwert zuletzt bei 95,6 Fällen.

Ob die Öffnung der Restaurantterrassen oder Lockerungen bei Sport- und Kulturveranstaltungen möglich sind, soll Mitte April wieder überlegt werden. Die Regierung hoffe, bis dahin mit den Impfungen weiter vorangekommen zu sein, sagte Berset. Bis Freitag hatten etwa 4,6 Prozent der Bevölkerung zwei Impfdosen erhalten.

Die Regierung orientiert sich an vier Richtwerten, von denen Öffnungsentscheidungen abhängen. Dabei geht es um die Veränderung bei den Neuinfektionen, die Reproduktionszahl, die Belegung der Intensivbetten und die Positivrate bei Tests.

Milliardenhilfen in Italien

Italiens neue Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi hat am Freitag ihr erstes großes Finanzpaket im Kampf gegen die Corona-Krise in Höhe von rund 32 Milliarden Euro vorgelegt. Damit will Rom die von der Pandemie stark geschwächten Wirtschaftszweige wie den Tourismus in den kommenden Monaten weiter unterstützen. Außerdem sollen der Arbeitsmarkt stabilisiert und die Impfkampagne beschleunigt werden.

"Wir sind uns bewusst, dass dies nur eine teilweise Antwort ist", sagte Draghi in Rom. Aber es sei das Beste, was möglich ist. Eingeplant seien unter anderem fast fünf Milliarden Euro zur Stärkung des Gesundheitssektors, besonders des Impf-Programms, und für Sicherheit, erläuterte Finanzminister Daniele Franco. Etwa acht Milliarden Euro sollten in den Arbeitsmarkt fließen sowie für den Kampf gegen Armut ausgegeben werden.

Der frühere Zentralbankchef Draghi war vor rund fünf Wochen als Chef eines breiten Parteienbündnisses in Rom als Premier gestartet. Ein Finanzpaket in dieser Größenordnung war schon länger angekündigt gewesen. Der Regierungswechsel hatte den Entscheidungsprozess beeinflusst. Über einige Vorhaben wie den Erlass von Steuerschulden gab es nach Medienberichten bis zuletzt Streit im Kabinett. Schon 2020 hatte die Vorgängerregierung riesige Milliardenpakete zur Stützung der Wirtschaft aufgelegt.

In dem 60-Millionen-Einwohner-Land hat sich die Infektionslage im März in der dritten Corona-Welle deutlich verschärft. Zahlreiche Regionen wurden von der Regierung zu Roten Zonen mit besonders strengen Corona-Beschränkungen erklärt. Insgesamt zählten die Behörden bisher gut 3,3 Millionen Corona-Infizierte. Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen, kletterte zuletzt auf über 260, wie Gesundheitsexperten am Freitag mitteilten. In Deutschland lag die Sieben-Tage-Inzidenz da bei knapp unter 100.

Johnson mit Astra Zeneca geimpft

Der britische Premierminister Boris Johnson hat eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. "Ich habe buchstäblich nichts gefühlt, und deshalb war es sehr gut, sehr schnell, und ich kann es sehr empfehlen", sagte Johnson am Freitag. Er rief alle Menschen dazu auf, sich impfen zu lassen, wenn sie dazu aufgefordert werden. "Eine Spritze zu bekommen, ist das Beste, das wir tun können, um das Leben zurückzubekommen, das wir so sehr vermissen", twitterte der Premier.

Der Premier ließ sich die Dosis des Astra-Zeneca-Impfstoffs im St. Thomas' Hospital in London verabreichen - dort war er vor knapp einem Jahr mehrere Tage wegen einer Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt worden. Der 56-Jährige ist zur Impfung berechtigt: Derzeit sind im Vereinigten Königreich alle über 50-Jährigen aufgerufen, sich impfen zu lassen. Großbritannien ist beim Impfen deutlich weiter als Deutschland. Für Donnerstag meldete die britische Regierung mit mehr als 660 000 verabreichten Dosen einen neuen Tagesrekord. Insgesamt haben nun mehr als 26,2 Millionen Menschen eine erste Impfung erhalten, das ist etwa die Hälfte der Erwachsenen. Bis Ende Juli sollen alle Erwachsenen ein Impf-Angebot erhalten

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel würde sich mit dem Vakzin von Astra Zeneca impfen lassen. "Ich würde das auf jeden Fall tun", sagte die CDU-Politikerin, fügte aber hinzu: "Ich möchte aber warten, bis ich dran bin."

Mehr als eine Million Corona-Tote in Europa

In Europa sind mehr als eine Million Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben. Seit Beginn der Pandemie wurden insgesamt mindestens 37,2 Millionen Infektionen gemeldet, wie eine Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten ergibt. Die Region Europa umfasst 51 Länder. Dazu zählen unter anderen Russland, Großbritannien, die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und andere Staaten. Auf die Region entfallen 35,5 Prozent der Todesfälle und 30,5 Prozent aller Infektionen weltweit.

© SZ/dpa/Reuters/jael/saul/jsa/bix/hij/dwue/lala
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