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Coronavirus weltweit:Deutliche Lockerungen in England

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Zwei Haushalte oder bis zu sechs Menschen dürfen sich nun wieder in Parks und Gärten treffen. Die "Stay at home"-Anordnung wird aufgehoben.

England lockert von diesem Montag an deutlch die Corona-Ausgangsbeschränkungen. Zwei Haushalte oder bis zu sechs Menschen dürfen sich nun wieder in Parks und Gärten treffen. Die "Stay at home"-Anordnung wird aufgehoben, allerdings bittet die Regierung die Bevölkerung, weiterhin auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. Unüberdachte Sportanlagen und Schwimmbäder dürfen wieder öffnen.

Premierminister Boris Johnson sagte, er hoffe, dass die Lockerungen einen "großartigen britischen Sportsommer" anstoßen. Mit der Unterstützung prominenter Sportler wie Tennisspielerin Johanna Konta oder Cricketstar Eoin Morgan wirbt die Regierung dafür, nach dem monatelangen Lockdown mit Kontaktbeschränkungen wieder Sport zu treiben. Kinder sollten sich möglichst eine Stunde jeden Tag betätigen, Erwachsene zweieinhalb Stunden.

"Ich weiß, wie sehr die Menschen die Kameradschaft und den Wettbewerb des organisierten Sports vermisst haben und wie schwierig es war, körperliche Aktivitäten - insbesondere für Kinder - einzuschränken", sagte Johnson. Zugleich rief er die Menschen zur Vorsicht auf. Trotz der Erleichterungen müsse jeder weiter die Hygieneregeln befolgen.

In Wales sind seit Samstag bereits Ferienreisen innerhalb des Landesteils erlaubt, dabei sollen Haushalte aber unter sich bleiben und dürfen nur Unterkünfte mit der Möglichkeit zur Selbstversorgung wie Ferienwohnungen nutzen. Im Vereinigten Königreich ist Gesundheit Sache der Landesteile. Johnsons Regierung kann nur Vorschriften für England lockern oder erlassen. Für den 12. April ist hier die Öffnung nichtessenzieller Geschäfte sowie der Außengastronomie geplant.

Türkei meldet Jahreshöchststand bei Neuinfektionen

Die Türkei meldet 30 021 Neuinfektionen, die höchste Zahl in diesem Jahr. Die Zahl der Todesfälle steigt um 151. Die Zahl der Neuinfektionen in den Niederlanden steigt mit 8798 auf den höchsten Stand seit Anfang Januar. Das Nationale Gesundheitsinstitut (RIVM) hat trotz aller Lockdown-Maßnahmen einen Anstieg der Fälle bis Ende April vorhergesagt.

EU dementiert Bericht über Impfstoffabkommen mit London

Großbritannien steht angeblich kurz davor, ein Impfstoff-Abkommen mit der Europäischen Union zu beschließen. Wie die englische Tageszeitung The Times in ihrer Samstagsausgabe berichtet, könnte die Vereinbarung die Gefahr eines Lieferstopps durch die EU beseitigen. Im Gegenzug sei die britische Regierung bereit, auf einige langfristige Lieferungen des Astra-Zeneca-Impfstoffs zu verzichten, der aus Holland exportiert werden sollte. Im Umfeld der EU-Kommission wurde der Bericht am Wochenende als Unsinn abgetan.

Astra Zeneca soll Europa vorerst nicht verlassen

In der EU hergestellter Corona-Impfstoff von Astra Zeneca soll Europa vorerst nicht verlassen. "Wir haben die Werkzeuge und werden dafür sorgen, dass alles in Europa bleibt, bis das Unternehmen seine Verpflichtungen wieder einhält", kündigte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton am Freitag an.

Dem britisch-schwedischen Konzern wird vorgeworfen, Liefervereinbarungen mit der EU nicht zu erfüllen. Das Unternehmen hat wegen Produktionsverzögerungen seine Lieferungen drastisch reduziert. "Ich erinnere Sie nur daran, dass wir 120 Millionen Dosen in Q1 erwartet haben, und letztendlich haben wir 30 Millionen bekommen", sagte Breton mit Blick auf das erste Vierteljahr 2021. "Wir hatten also ein Problem mit dieser Firma."

Die EU hatte am Mittwoch ihre Aufsicht über die Exporte von Coronavirus-Impfstoffen verschärft und sich mehr Möglichkeiten verschafft, Lieferungen in Länder zu blockieren, die höhere Impfraten wie Großbritannien haben oder die im jeweiligen Land produzierte Impfdosen nicht außer Landes lassen.

Breton äußerte sich bei einem Besuch des Pharmaunternehmens Reig Jofre in Barcelona, das ab Mitte Juni den Impfstoff von Johnson & Johnson abfüllen soll. Europa solle bis zum Ende des Jahres weltweit führend in der Produktion von Coronavirus-Impfstoffen sein, sagte Breton. Auf dem ganzen Kontinent seien 52 Produktionsstätten an dem Prozess beteiligt. Im Sommer, möglicherweise gegen Mitte Juli, könne die EU genügend Menschen geimpft haben, um eine "globale Immunität" zu erreichen.

Norwegen setzt Impfungen mit Astra Zeneca weiter aus

Norwegen will den Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astra Zeneca vorerst nicht wieder einsetzen. "Es besteht immer noch große Unsicherheit über mögliche schwerwiegende Nebenwirkungen", hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde Folkehelseinstitutt FHI. "Nach Einschätzung des FHI ist es angebracht, mehr Zeit darauf zu verwenden, weitere Kenntnisse über diese schwerwiegenden Vorfälle zu erlangen." Das FHI betonte, dass die Entscheidung auf Vorfällen in Norwegen beruhe.

Norwegen hatte wie viele andere Länder die Vergabe des Mittels vor zwei Wochen gestoppt, weil bei einigen Geimpften Blutgerinnsel aufgetreten waren. In Norwegen starben inzwischen vier Menschen nach einer Impfung. Ein direkter Zusammenhang ist bislang nicht erwiesen. Eine nationale Expertengruppe untersuche nun die Fälle, hieß es weiter. Außerdem arbeite man eng mit den Nachbarländern zusammen.

Dänemark hatte den Stopp der Impfungen mit dem Astra-Zeneca-Präparat am Donnerstag um drei Wochen verlängert. In Island, Finnland und Schweden wird das Vakzin nur älteren Menschen verabreicht, weil in dieser Altersgruppe bislang keine ernsten Nebenwirkungen aufgetreten sind.

In Norwegen ist die Zahl der Infizierten in den vergangenen Wochen rasant gestiegen, die Inzidenzzahl ist höher als in Deutschland. Am stärksten betroffen ist die Hauptstadt Oslo mit fast 600 Infizierten auf 100 000 Einwohner in 14 Tagen.

Biontech/Pfizer prüfen Impfstoff an jüngeren Kindern

Biontech und Pfizer haben mit Studien zu Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern bis einschließlich elf Jahren begonnen. Bisher ist das Vakzin, das das Mainzer Unternehmen zusammen mit dem US-Hersteller entwickelt hat, für Jugendliche ab 16 Jahren bedingt zugelassen. Studien für die Altersgruppe zwölf bis 16 laufen bereits. Nun werden auch Kinder ab sechs Monaten in die Studien einbezogen, wie eine Biontech-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

"Jüngere Kinder, die einen großen Teil der Weltbevölkerung stellen, spielen eine entscheidende Rolle in unserem Kampf gegen Covid-19", teilten die Unternehmen mit. Wenn die Studien erfolgreich sind und die Zulassungsbehörden das Produkt genehmigen, könne der Impfstoff nach Einschätzung der Unternehmen Anfang 2022 für jüngere Kinder verfügbar sein.

Auch andere Impfstoffhersteller haben bereits mit Studien an Kindern begonnen. Das gehört nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) zu den Auflagen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), die an die bedingten Zulassungen für Erwachsene geknüpft sind. Üblicherweise arbeiten sich die Hersteller altersgruppenweise zu immer jüngeren Kindern vor.

Die ersten Probanden unter elf Jahren seien am Donnerstag geimpft worden, berichteten Pfizer und Biontech am Freitag. Das sei Teil der fortgeführten Studien der Phasen eins, zwei und drei, mit denen Sicherheit, Verträglichkeit und Immunogenität des Pfizer/Biontech-Impfstoffs BNT162b2 überprüft werden.

Einbezogen würden gesunde Kinder zwischen sechs Monaten und elf Jahren. Zwei Drittel der Probanden bekommen den Angaben zufolge den tatsächlichen Impfstoff, ein Drittel ein Placebo. Teilnehmen sollen rund 4500 Kinder zwischen elf Jahren und sechs Monaten in den Vereinigten Staaten und Europa.

In Phase eins geht es um die richtige Dosis. Dafür werden die Kinder in drei Altersgruppen unterteilt: fünf bis zehn Jahre, zwei bis fünf Jahre und unter zwei Jahre. Die älteste Gruppe beginnt, zunächst mit 144 Teilnehmern, danach sollen schrittweise die jüngeren Gruppen folgen. In den Phasen zwei und drei werden dann Sicherheit, Verträglichkeit und Immunogenität der für die einzelnen Altersgruppen ermittelten Dosierung des Vakzins geprüft.

An Kindern zwischen zwölf und 15 Jahren wird der Impfstoff als Teil der Phase drei bereits seit Herbst 2020 getestet. 2259 Kinder in dieser Altersgruppe nehmen den Angaben zufolge daran teil. Die Daten seien vielversprechend und sollen bald veröffentlicht werden.

Laut Paul-Ehrlich-Institut können Impfstoffe nur für die Altersgruppen zugelassen werden, für die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit aus klinischen Prüfungen vorliegen. In diesem Fall würde die bestehende Zulassung durch eine sogenannte Änderungsanzeige auf Jüngere ausgedehnt.

Brasilien meldet mehr als 100 000 Neuinfektionen

Brasilien meldet mehr als 100 000 Neuinfektionen und damit so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Toten stieg um 2777, gab das Gesundheitsministerium am Donnerstag bekannt. Die Rekordfallzahl kommt einen Tag nachdem Brasilien den Wert von 300 000 Todesopfern durch die Pandemie überschritten hat. Damit verbucht das Land nach den Vereinigten Staaten den zweithöchsten Wert an Todesopfern weltweit.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Brasilien, Mexiko und Chile stoppt Argentinien die Flüge aus diesen Ländern. Ab Samstag würden die Flugverbindungen mit den drei Staaten bis auf Weiteres gekappt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Télam unter Berufung auf Regierungskreise am Donnerstag.

Die argentinische Regierung forderte die Bürger des südamerikanischen Landes zuletzt bereits dazu auf, auf Reisen ins Ausland zu verzichten. Rückkehrer müssen mindestens für zehn Tage in Quarantäne. Wer bei der Einreise positiv auf Corona getestet wird, muss auf eigene Kosten für die Zeit der Isolation in ein Hotel ziehen.

In Argentinien haben sich bislang rund 2,3 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, etwa 55 000 Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Angesichts des nahenden Herbstes auf der Südhalbkugel wappnen sich die Behörden derzeit für die zweite Corona-Welle.

Österreich beschließt harten Oster-Lockdown für Wien und andere Regionen

In Wien und anderen östliche Regionen Österreichs werden rund um die Osterfeiertage Corona-Maßnahmen verschärft. Eine kurze "Osterruhe" sei notwendig, um eine drohende Überlastung der Kliniken in der Hauptstadt und in Niederösterreich und im Burgenland abzuwenden, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in den östlichen Bundesländern bei fast 300, deutlich über dem Österreich-Schnitt von rund 247. Das habe vor allem mit der starken Ausbreitung der britischen Virusvariante zu tun, die auch schneller zu schweren Covid-Erkrankungen führe, sagte Anschober vor Journalisten.

Deshalb brauche es nun einen "Wellenbrecher" gegen die Pandemie. "Wir wollen in dieser Osterphase wirklich den Betrieb massiv runternehmen", sagte der Minister. Händler, Friseure und Masseure schließen von Gründonnerstag bis Dienstag nach Ostern. Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, kündigte Anschober nach langen Verhandlungen mit den Regierungschefs der drei Bundesländer an. Im Unterschied zu Deutschland sind am Karfreitag Geschäfte und Firmen in Österreich normalerweise offen. Ferner sollen Menschen über die Feiertage nur für Spaziergänge, Sport und dringende Wege nach draußen gehen.

Die Schulen stellen nach Ostern eine Woche lang auf Online-Unterricht um. Zudem wird die Maskenpflicht in Betrieben und an belebten Orten im Freien verschärft. Berufspendler aus den östlichen Nachbarstaaten wie Tschechien und Ungarn müssen zwei statt bisher einen negativen Test pro Woche vorweisen.

Die österreichische Regierung verfolgte die Rücknahme der deutschen Corona-Osterruhe durch Kanzlerin Angela Merkel äußerst genau, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus informierten Kreisen. Dennoch entschied man sich letztlich für Verschärfungen. Die Situation in den Intensivstationen war dabei ein wichtiges Argument. In Wien und Niederösterreich sind bereits mehr als die Hälfte der für Covid-19-Patienten vorgesehenen Betten in Intensivstationen belegt. Das Burgenland nähert sich der Zwei-Drittel-Marke.

Vor der Entscheidung kritisierte Österreichs Handelsverband die durchgesickerten Pläne. Schließtage kosteten Arbeitsplätze, aber verhinderten keine Infektionen, sagte Verbandschef Rainer Will. "Das einzige Unternehmen, das davon massiv profitieren würde und sich über ein vorgezogenes Ostergeschenk freuen darf, ist Amazon."

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© SZ/dpa/Reuters/jael/bix/aner/saul/jsa
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