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Coronavirus weltweit:England setzt auf massenhafte Corona-Schnelltests

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Auch symptomfreie Menschen sollen getestet werden, um die angespannte Lage in den Griff zu bekommen. Reisende bringen das mutierte Virus aus England nach Südfrankreich und Russland. Japan meldet die Entdeckung einer weiteren Virus-Variante.

In England sollen schon bald flächendeckend Menschen ohne Symptome im Schnellverfahren auf das Coronavirus getestet werden. Zwei Millionen Antigen-Tests seien dafür bei einem britischen Hersteller bestellt worden, teilte Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag mit. Millionen weitere Tests könnten in den kommenden Monaten hinzukommen. Anfangs hatte die Regierung das Projekt als "Operation Moonshot" (Mondflug) bezeichnet.

Die Tests seien von kommenden Freitag an verfügbar, hieß es in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums. Innerhalb von 30 Minuten zeigen sie ein Ergebnis an. Damit will die Regierung asymptomatische Fälle aufspüren und so Übertragungsketten durchbrechen. Getestet werden sollen zunächst vor allem Menschen, die nicht von zuhause aus arbeiten können.

Kritiker sind jedoch nicht überzeugt, dass die Maßnahme wirklich hilft. Bei den sogenannten Lateral Flow Tests würden bis zu 60 Prozent der positiven Fälle nicht erkannt, sagte ein Experte von der Liverpool School of Tropical Medicine der Financial Times. Das habe die vorläufige Auswertung eines Pilotversuchs in Liverpool gezeigt.

Hancock widersprach dieser Bewertung. "Mit dieser massenhaften asymptomatischen Testung ist die Rate der Fälle in Liverpool stärker gefallen als in anderen ähnlichen Gebieten, wo nur die Kontaktbeschränkungen eingeführt wurden", so Hancock am Sonntag im BBC-Fernsehen.

Unterdessen steigt die Zahl der Covid-19-Toten in Großbritannien nicht mehr so schnell wie in den Tagen davor. Nach Angaben der Regierung starben binnen 24 Stunden 563 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. In den vier Tagen davor waren es jeweils mehr als 1000 gewesen. Allerdings hängt Daten von Wochenenden stets eine Unsicherheit an, weil es dann zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Fälle kommen kann. Die Zahl der Neuinfektionen wurde zuletzt mit 54 940 gemeldet, nach knapp 60 000 am Samstag.

Neue Virus-Variante in Marseille und Russland

In der südfranzösischen Hafenmetropole Marseille wächst die Sorge vor der in Großbritannien verstärkt aufgetretenen mutierten Form des Coronavirus. Zuletzt seien sieben Fälle der britischen Variante entdeckt worden, teilte die Stadt am Sonntag mit. Zuvor war ein Cluster um einen Patienten entdeckt worden, der mit der mutierten Form des Virus infiziert war. Der Patient gehört zu einer französischen Familie, die in Großbritannien lebt und sich während der Ferien zum Jahresende in Frankreich aufgehalten hatte.

Dutzende Kontaktfälle wurden schließlich identifiziert, mehr als 20 Menschen wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Bei sieben von ihnen konnte nun die mutierte Form nachgewiesen werden. Marseilles Bürgermeister Benoît Payan nannte die Situation in der Hafenmetropole "beunruhigend" und forderte stärkere Kontrollen an den Flughäfen.

In Marseille gilt seit Sonntag wie in anderen schwer von der Pandemie getroffen Regionen Frankreichs eine abendliche Ausgangssperre ab 18 Uhr. Im Rest des Landes, so auch in Paris, beginnt diese um 20 Uhr. Frankreich mit seinen 67 Millionen Einwohnern ist von der Pandemie schwer getroffen. Mehr als 67 000 Menschen sind bisher gestorben. Der Impfstart im Land verlief zunächst schleppend, die Regierung in Paris geriet massiv in die Kritik. Gesundheitsminister Olivier Véran hatte zuletzt angekündigt, dass mit Ende des Wochenendes rund 100 000 Menschen in Frankreich geimpft sein sollten.

Auch in Russland ist die ansteckendere Coronavirus-Variante aufgetaucht. Ein Russe, der aus Großbritannien zurückgekehrt und positiv getestet worden sei, trage den Erreger in sich, berichtet die Agentur RIA unter Berufung auf die Behörden.

Proteste in Prag

Tausende Menschen fordern in der tschechischen Hauptstadt Prag die Lockerung von Beschränkungen. Die Polizei spricht von bis zu 3000 Teilnehmern. Viele der Aktivisten tragen keine Geschichtsmasken und halten kaum Abstand zueinander. Mit der Schließung von Restaurants, Geschäften und Schulen müsse ein hoher wirtschaftlicher Preis gezahlt werden, erklären die Demonstranten. Auch für die seelische Gesundheit sei der "Lockdown" nicht gut. Die tschechische Regierung hatte im vergangenen Monat Beschränkungen zunächst gelockert, ab dem 27. Dezember dann aber wieder verschärft.

Neue Virus-Variante in Japan

Japan meldet die Entdeckung einer neuen Variante des Coronavirus. Diese sei bei vier Reisenden aus dem brasilianischen Bundesstaat Amazonas nachgewiesen worden, teilt das japanische Gesundheitsministerium mit. Die Variante unterscheide sich von den in Großbritannien und Südafrika entdeckten hochansteckenden Mutationen. Es gebe aber bislang keine Hinweise, dass diese dritte neue Variante ebenfalls sehr infektiös sei. Ob gegen sie die bisherigen Impfstoffe wirksam seien, werde untersucht.

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Papst ruft zum Impfen auf

Papst Franziskus hat erklärt, sich im Vatikan gegen Covid-19 impfen zu lassen. "In der kommenden Woche werden wir anfangen, das hier zu machen, und ich bin auch dafür vorgemerkt", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in einem für Sonntagabend zur Ausstrahlung geplanten Interview des Fernsehsenders Tg5, aus dem zunächst ein Teil als Abschrift verbreitet wurde. Mit Blick auf die Corona-Impfung betonte der Papst, dass sich aus ethischer Sicht alle impfen lassen müssten, denn man spiele nicht nur mit seinem Leben, sondern auch mit dem Leben anderer.

Franziskus verwies im Zusammenhang mit dem Thema Impfen auf seine Kindheit. Damals hätten viele Kinder mit der Krankheit Polio Lähmungen davon getragen. Die Menschen hätten einen Impfstoff herbeigesehnt. Es habe so viele verzweifelte Mütter geben, erzählte Franziskus weiter. Nach dieser Krise sei man mit Impfstoffen etwa gegen Masern aufgewachsen. "Ich verstehe nicht, warum manche sagen: Nein, der Impfstoff ist gefährlich", sagte der Pontifex. "Es gibt da eine selbstmörderische Verweigerung, die ich nicht erklären kann, aber man muss sich heute impfen lassen", betonte er.

Österreich plant Corona-Schnelltests für Schüler

Österreich will Schülern wöchentlich einfach anwendbare Corona-Schnelltests anbieten. Das Vorgehen gebe die Möglichkeit, die Schulen zu öffnen und auch offen zu halten, sagte Bildungsminister Heinz Fassmann (ÖVP) am Samstag in Wien. Testen sei "letztlich die einzige Antwort, um über die schwierige Phase bis zur Durchimpfung zu kommen".

Insgesamt fünf Millionen Antigen-Tests sollen dafür an die Schulen verteilt werden. Die Tests können von den Schülern selbst unter Anleitung von Erwachsenen angewendet werden. Die Stäbchen müssen etwa ein bis zwei Zentimeter in die Nase eingeführt werden. Das sei so einfach wie Nasenbohren, hieß es in einem Video mit Anleitung, das am Samstag gezeigt wurde. Eltern von Grundschülern sollen ihren Kinder einmal pro Woche montags zu Hause beim Testen helfen. Bei älteren Schülern könnten die Tests zu Hause oder in der Schule vorgenommen werden. Die Selbsttests sollen kostenlos und freiwillig sein.

Ob die Schulen in Österreich wie ursprünglich geplant am 18. Januar wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren, soll nächste Woche geklärt werden. Der Lockdown in Österreich ist zunächst bis zum 24. Januar geplant. Am Freitag hatte Deutschlands Nachbarland fast 2300 Corona-Infektionen innerhalb eines Tages verzeichnet. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag mit 161 je 100 000 Einwohner etwas höher als in Deutschland (136,5).

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Queen Elizabeth II. am Samstag geimpft

Die britische Königin Elizabeth II. (94) und ihr Mann Prinz Philip (99) haben am Samstag eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Das teilte der Buckingham-Palast mit. Die beiden gelten wegen ihres hohen Alters als besonders gefährdet. Lange Zeit hatten sie sich in der Pandemie auf Schloss Windsor zurückgezogen, bevor sich die Queen wieder zu wenigen Auftritten in der Öffentlichkeit zeigte. Auch die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel verbrachte das Paar in Windsor. Auf ein Familientreffen mit anderen Royals verzichteten die beiden.

Bislang sind in Großbritannien nach Angaben der Regierung rund 1,5 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft worden. Das Tempo der Impfkampagne soll jedoch deutlich beschleunigt werden. Ziel ist es, bis Mitte Februar den besonders gefährdeten 15 Millionen Briten eine erste Impfung anzubieten.

WHO befürchtet Benachteiligung ärmerer Länder bei Impfstoff-Verteilung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet, ärmere Länder könnten bei den nun Impfungen gegen das Coronavirus benachteiligt werden. Unter den 42 Staaten, die sichere und wirksame Impfstoffe spritzten, sei kein einziges armes Land, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag in Genf.

Er appellierte an die reichen Länder, die sich viele Impfdosen gesichert hätten, sie auch über die internationale Corona-Impfinitiative Covax an die 92 angeschlossenen Länder zu verteilen. Die Nachbestellungen drohten, die Preise für die Impfstoffe hochzutreiben, kritisierte Tedros. "Ich bitte die Staaten und Hersteller dringend darum, diese bilateralen Deals auf Kosten von Covax zu stoppen." Die WHO-Experten machten darauf aufmerksam, dass die aktuelle Zahl der ausgelieferten Impfdosen noch keinen Effekt auf den Verlauf der Pandemie habe. Es gelte, weiterhin die üblichen Hygieneregeln einzuhalten.

© SZ/dpa/Reuters/dit/gal/bix/jsa/saul/sebi/tba/aner
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