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Coronavirus:Erster Fall einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung in den USA

Coronavirus: Flugzeug mit US-Bürgern aus China

Die USA brachten schon gestern Bürger aus Wuhan mit einem Flugzeug ins eigene Land.

(Foto: AFP)
  • In den Vereinigten Staaten soll es die erste Übertragung des neuen Coronavirus von Mensch zu Mensch gegeben haben.
  • Die WHO ist besorgt, dass ein noch deutlich größerer Ausbruch bevorstehen könnte.
  • Weltweit sollen bislang 170 Menschen daran gestorben sein.
  • Etwa 90 Deutsche sollen am Samstag aus Wuhan ausgeflogen werden.
  • Italien hat den Flugverkehr von und nach China gestoppt.

Die US-Gesundheitsbehörden melden den ersten Fall einer Übertragung des neuen Coronavirus von Mensch zu Mensch in den USA. Im Bundesstaat Illinois habe sich der Ehepartner einer Patientin infiziert, nachdem sie von einer Reise nach Wuhan, das als Epizentrum des Ausbruchs gilt, zurückgekehrt war. Das teilte die Gesundheitsbehörde CDC am Donnerstag mit.

Der Mann sei um die 60 Jahre alt und in stabilem Zustand. Die Frau befinde sich isoliert in einem Krankenhaus und sei in gutem Zustand. Außer den beiden gibt es in den USA bislang vier bestätigte Fälle von Menschen mit Coronavirus, alle von ihnen hatten das Virus aus Wuhan mitgebracht.

Russland riegelt wegen des neuartigen Coronavirus seine Grenze zu China ab. Sie verläuft vor allem im äußersten Südosten Russlands. Die Schließung ordnete der russische Regierungschef Michail Mischustin an, wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass meldete.

"Bisher wurde in Russland kein einziger Fall dieser gefährlichen Krankheit registriert", sagte demnach der neue Ministerpräsident bei einer Regierungssitzung. "Aber wir müssen alles tun, um unsere Bevölkerung zu schützen." Grenzübergänge im äußersten Südosten des Landes waren bereits für Fußgänger und den Autoverkehr geschlossen worden. Russland hatte zuletzt an der rund 4200 Kilometer langen Grenze zu China Einreisende mit Temperaturmessungen kontrolliert und zusätzlich befragt.

Italien hat nach zwei bestätigten Coronavirus-Fällen den Flugverkehr zwischen Italien und China ausgesetzt. Das erklärte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Donnerstagabend in Rom. Italien sei das erste Land in der EU, das diese Maßnahme ergreife. Bei den beiden Patienten handelt es sich um zwei chinesische Touristen, die nun auf einer Isolierstation in Rom seien. Conte rief die Menschen auf, nicht in Panik zu geraten, die Lage sei unter Kontrolle.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist besorgt über die schnelle Verbreitung des Virus hat nach einer Krisensitzung eine Weltweite Notlage ausgerufen. Noch in der vergangenen Woche hatte die UN-Behörde darauf verzichtet. Mittlerweile aber habe das neuartige Virus zahlreiche weitere Länder erreicht, was eine Neubewertung der Lage nahelege.

"Das Fortschreiten des Virus in einigen Ländern, insbesondere die Übertragung von Mensch zu Mensch, beunruhigt uns", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bei einer Konferenz in Genf. Dabei bezog er sich explizit auf Deutschland, Vietnam und Japan.

Anhand der mittlerweile vier infizierten Personen in Bayern hatte sich deutlich gezeigt, dass dort eine Übertragung von Mensch zu Mensch ursächlich für die Verbreitung der Krankheit war. Bisherigen Erkenntnissen zufolge hatte eine Chinesin, die zu einer Fortbildung der Firma Webasto angereist war, das Virus eingeschleppt. Vier weitere Mitarbeiter der Firma waren seit Montag positiv auf das Virus getestet worden. Wissenschaftlern zufolge zeigten diese und ähnlich gelagerte Fälle in Japan, dass das Virus bereits übertragen werden könne, bevor Patienten anfangen Symptome wie Husten oder Fieber zu zeigen.

Mehr als 7700 Erkrankte

"Obwohl die Zahlen außerhalb Chinas noch relativ gering sind, bergen sie das Potenzial für einen viel größeren Ausbruch", sagte WHO-Chef Ghebreyesus. Staatliche Medien in China haben die Zahlen erneut aktualisiert und sprechen mittlerweile von mehr als 7700 Erkrankten.

170 Menschen sollen nach Angaben der National Health Commission und der chinesischen Behörden bereits an der Krankheit gestorben sein. Todesfälle außerhalb Chinas gibt es bislang jedoch noch nicht.

Unterdessen gehen die Evakuierungsflüge verschiedener Staaten für ihre in Wuhan gestrandeten Bürger weiter. Erste ausgeflogene US-Bürger kamen auf einer Basis der Luftwaffenreserve in Kalifornien an, sie hätten zugestimmt für die Dauer der Inkubationszeit des Virus auf der Basis zu bleiben, sagte ein Behördensprecher.

Deutsche sollen am Samstag aus Wuhan ausgeflogen werden. Die deutschen Konsularbeamten dort haben die Betroffenen informiert, dass sie dann zum Flughafen kommen sollen, um nach Frankfurt geflogen zu werden, berichtete ein deutscher Ingenieur am Telefon. Schätzungen gehen von etwa 90 Deutschen aus, die in Deutschland nach der Landung wohl für zwei Wochen in Quarantäne müssen.

© SZ.de/dpa/Reuters/jael/mcs
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