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Reisen in Corona-Zeiten:Österreich macht Hoffnung auf Urlaubsbesuche

Hallstatt, Oesterreich, Tretboot am Ufer des Hallstaetter See

Traumziel für deutsche Urlauber: der Hallstätter See in Österreich. Nur: Wann kommen sie wieder?

(Foto: mauritius images/SZ Photo Creative)
  • Politiker stimmen die Bevölkerung darauf ein, dass Urlaub in anderen Ländern im Sommer eher unwahrscheinlich ist.
  • Österreich aber macht den Deutschen ein wenig Hoffnung, dass für Feriengäste die Grenzen geöffnet werden könnten.
  • Doch ab wann und unter welchen Bedingungen deutsche Urlauber wieder nach Österreich reisen könnten, ist noch völlig unklar.

Die Räume werden eng, die Reisemöglichkeiten sind arg begrenzt in diesen Corona-Zeiten. Bei ringsherum geschlossenen Grenzen stimmen Politiker wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Bevölkerung bereits darauf ein, "dass Urlaub in anderen Ländern im Sommer ... aus gegenwärtiger Sicht eher unwahrscheinlich" ist. Nun aber macht Österreich den Deutschen ein wenig Hoffnung, dass für Feriengäste die Grenzen geöffnet werden könnten. "Die Einschränkung der Reisefreiheit wird uns in den nächsten Monaten noch erhalten bleiben", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger zwar in einem Interview mit der Wiener Tageszeitung Die Presse: "Wenn Länder aber auf einem sehr guten und positiven Weg sind, wie beispielsweise Deutschland, dann gibt es durchaus auch die Möglichkeit, dass man sich bilateral einigt."

Hinter dieser Aussage, die bislang noch nicht mehr ist als eine vage Aussicht, dürfte vor allem die Sorge um Österreichs Wirtschaft und gehöriger Druck der heimischen Tourismusindustrie stecken. Schließlich sorgt der Fremdenverkehr für rund 16 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts. Von den seit Mitte März geltenden Anti-Corona-Maßnahmen werden die landesweit seither geschlossenen Hotels und Gaststätten besonders hart getroffen.

Die Hälfte aller Auslandstouristen in Österreich kam vor der Krise aus Deutschland

Kurz vor Ostern hatte die ÖVP-Politikerin Köstinger ihre Landsleute darauf eingestimmt, die eigenen Ferienplanungen in engen Grenzen zu halten. "Jeder, der einen Urlaub für den Sommer plant, sollte darüber nachdenken, ihn in Österreich zu verbringen", sagte sie und appellierte, dass "unsere Hotels, unsere Gastronomie unsere Unterstützung, unsere Solidarität" bräuchten. Doch selbst das solidarischste Reiseverhalten der Österreicher könnte die drohenden Ausfälle allein wohl nicht kompensieren. Im vorigen Sommer entfielen nur 30 Prozent der rund 79 Millionen Nächtigungen in den Sommermonaten auf Einheimische. 70 Prozent wurden von Ausländern gebucht, und davon rund die Hälfte von Deutschen.

Nach Italien und neben Spanien war Österreich für deutsche Urlauber vor der Corona-Krise die beliebteste Auslandsdestination für Urlaubsreisen. Die Bundesregierung in Berlin hatte sich bislang zurückhaltend zu möglichen Urlaubsplänen geäußert, diese jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann man keine Prognose darüber treffen, wie lange die Reisewarnung aufrechterhalten wird", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) vor dem Wochenende in Berlin. "Solange es Ausgangssperren gibt in vielen Ländern, wird dort auch kein Urlaub zu machen sein." Maas hatte Mitte März für die Deutschen eine Warnung für alle touristischen Reisen ins Ausland ausgesprochen und in den vergangenen Wochen fast eine Viertelmillion Deutsche mit Sondermaschinen aus dem Ausland zurückgeholt - beides historisch einmalige Vorgänge. Die Reisewarnung gilt wie die Kontaktsperren im Inland noch bis zum 3. Mai.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Fast ein Drittel der Deutschen hält einer ARD-Umfrage zufolge bisher an ihren Urlaubsplänen im weiteren Jahresverlauf fest. Nach Auskunft des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) sind Stornierungen für Reisen nach dem 3. Mai auch in der Regel noch nicht kostenfrei möglich. Entscheidend sei die Gefährdungslage vor Ort im konkreten Buchungszeitraum. Maßgeblich dafür sei die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts und der Bundesregierung sowie entsprechende Maßnahmen der Behörden im Urlaubsgebiet wie Sperrungen oder Vermietungsverbote.

Unterdessen bereiten sich Urlaubsgebiete auch im Inland auf eine vielleicht doch mögliche Saison mit Gästen zumindest aus Deutschland vor. So sinnieren Urlaubsanbieter in Mecklenburg-Vorpommern, wo bis zu 20 Prozent der Arbeitnehmer in der Tourismusbranche arbeiten und die Sommerferien bereits am 22. Juni beginnen, darüber, wie man die Küste mit weniger Strandkörben Corona-gerecht nutzen könnte und ob sich Sanitäranlagen mit Plexiglasscheiben so abtrennen ließen, dass die Abstandsregeln auch beim Strandbesuch eingehalten werden können. Bayern und Baden-Württemberg, wo die Sommerferien erst am 27. und 30. Juli starten, könnten eventuell von mehr Erleichterungen bei den Corona-Vorschriften profitieren. Bayerns Landeschef Söder erwartet jedenfalls einen "ziemlichen Run" auf Gastronomie und Hotellerie.

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Es könnte zwischen den Nachbarn sogar zu einem Wettstreit um Gäste kommen

Je nach Entwicklung der Infektionszahlen in den nächsten Wochen könnte es im Urlaubsjahr 2020 dann zwischen Österreich und Deutschland sogar zu einem kleinen Wettstreit um Gäste kommen. Im Nachbarland, wo über Völkerverbindendes und -trennendes des Austauschs mit Nachbarn spätestens seit dem legendären TV-Mehrteiler "Die Piefke-Saga" in den 90ern gerne debattiert wird, steht derzeit das Geschäft ganz im Vordergrund. Bei geschlossenen Grenzen zu Deutschland in diesem Sommer wäre "der Fremdenverkehr tot", wie es der Tourismusforscher Andreas Reiter in der Kleinen Zeitung formulierte. Er schätzt, dass zwei Drittel der Tourismusbetriebe das Ausbleiben der wichtigsten Gästegruppe nicht überleben könnten.

Doch ab wann und unter welchen Bedingungen deutsche Urlauber wieder nach Österreich reisen könnten, ist noch völlig unklar. Bislang müssen Ausländer, von Ausnahmen abgesehen, bei der Einreise einen Gesundheitstest vorlegen, der nicht älter als vier Tage ist und bescheinigt, dass keine Corona-Infektion vorliegt. Dies müsste in dem von Tourismus-Ministerin Köstinger in Aussicht gestellten bilateralen Abkommen wohl ebenso fallen wie die auf beiden Seiten der Grenze geltende Pflicht zur 14-tägigen Quarantäne nach Einreise. Ende April will die Regierung in Österreich bekanntgeben, ob und wie heimische Hotels und Gastronomiebetriebe schrittweise wieder eröffnet werden können.

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© SZ vom 20.04.2020/fie
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