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Coronavirus:Studie mit 2000 Kindern

Wie infektiös Kinder sind, ist noch wenig untersucht. Forscher wollen nun klären, wie häufig unter Zehnjährige betroffen sind.

Kinder dürfen wegen der Corona-Pandemie Kita und Schule nicht besuchen und müssen auf Spielplatzbesuche verzichten. Die vier Universitätskliniken in Baden-Württemberg sollen nun herausfinden, ob die Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen epidemiologisch gerechtfertigt sind. Eine Studie soll darüber Auskunft geben, wie häufig Kinder vom Coronavirus betroffen sind und wie stark sie andere anstecken können.

Die 1,2 Millionen Euro teure Untersuchung wird vom Land Baden-Württemberg finanziert. Die Initiative dazu kommt aus dem wissenschaftlichen Kreis, der Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in der Corona-Krise berät. Diesem Gremium sollen voraussichtlich schon in zehn bis vierzehn Tagen erste Erkenntnisse vorgestellt werden, kündigte Professor Georg Friedrich Hoffmann von der Uniklinik Heidelberg an. Der Direktor des dortigen Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin koordiniert die Studie, an der sich auch die Unikliniken Freiburg, Tübingen und Ulm beteiligen. Sollten die Forscher tatsächlich in vierzehn Tagen eine grundlegende Aussage treffen können, soll diese in die Entscheidungen über weitere Lockerungen der Kontaktbeschränkungen einfließen. Einige Wochen länger wird es laut Hoffmann dauern, bis endgültige Ergebnisse vorliegen.

Wie infektiös Kinder sind, ist noch wenig untersucht. Eine isländischen Studie legt nahe, dass sich Kinder unter zehn Jahren weit weniger häufig mit dem Coronavirus infizieren als Erwachsene. Daten aus China weisen hingegen darauf hin, dass sie ähnlich häufig infiziert werden, aber sehr viel seltener erkranken als Erwachsene.

In Baden-Württemberg sollen insgesamt 2000 gesunde Kinder im Alter von eins bis zehn auf das Virus und Antikörper untersucht werden, sowie jeweils ein Elternteil. Von besonderem Interesse sind Kinder, die in der Notbetreuung waren, also auch soziale Kontakte über die Kernfamilie hinaus hatten. In Ulm werden derzeit noch Teilnehmer gesucht. "Wir wollen auch sehen, ob die Notbetreuung gegebenenfalls einen Einfluss auf die Infektionsrate hat", erklärt Professor Klaus-Michael Debatin von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Ulm.

© SZ vom 27.04.2020

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