Coronavirus:Spahn plant Aktionswoche fürs Impfen

Der Gesundheitsminister nimmt auch Einzelhändler in die Pflicht. RKI-Chef Lothar Wieler befürchtet eine "fulminante" vierte Welle.

Von Angelika Slavik, Berlin

Um die stockende Impfkampagne in Schwung zu bringen, will die Bundesregierung in der kommenden Woche verstärkt Werbung fürs Impfen machen. An der Aktionswoche werde sich auch der Einzelhandel beteiligen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin. Konkret werden Supermärkte und Einzelhandelsketten mit Plakaten und Flyern sowie auf ihren Social-Media-Kanälen über die Impfung informieren, zudem sollen sie Infrastruktur - etwa Fläche auf Parkplätzen und die Stromversorgung - zur Verfügung stellen, um Impfangebote direkt vor Ort zu ermöglichen.

Die Impfquote in Deutschland stieg zuletzt nur noch langsam, aktuell gelten 61,6 Prozent der Bevölkerung als vollständig immunisiert. Wer sich impfen lasse, schütze damit nicht nur sich selbst, sagte Spahn, sondern auch jene Bevölkerungsgruppen, die sich nicht impfen lassen könnten - also vor allem Kinder unter zwölf Jahren. Gerade sie hätten in der Pandemie auf vieles verzichten müssen, um die Älteren zu schützen. Darüber sollten sich "die Impfmuffel im Zweifel vielleicht auch mal zwei Gedanken machen", so Spahn. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, wies darauf hin, dass man bereits vor Monaten berechnet habe, dass eine Impfquote von mehr als 85 Prozent notwendig sei, um die vierte Corona-Welle zu verhindern. "Das haben wir nicht geschafft - obwohl genug Impfstoff zur Verfügung steht."

Laut Wieler seien unter den Ungeimpften noch viele Unentschiedene. "Ein großer Teil der Menschen ist unsicher." Das liege etwa an der außergewöhnlich schnellen Entwicklung und Zulassung der Impfstoffe, die viele skeptisch machten. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung wollten sich wirklich nicht impfen lassen, davon seien rund die Hälfte echte Impfgegner. Zudem gebe es immer noch viele Menschen, die "die Krankheit nicht ernst nehmen". Gelinge es nicht, nun viele Menschen doch noch vom Impfen zu überzeugen, könne die vierte Welle "einen fulminanten Verlauf nehmen", so Wieler. Die Auslastung der Intensivbetten habe sich in den vergangenen beiden Wochen bereits verdoppelt, zudem würden die Patienten mit schwerem Verlauf immer jünger. Impfen sei "unsere Chance, die Pandemie zu beenden".

Die Impfaktion im Handel zielt vor allem auf Aufklärung und Motivation ab - wo den Menschen auch tatsächlich neue, konkrete Impfangebote gemacht werden, hängt von einzelnen Initiativen vor Ort ab. Jedes Bundesministerium sei eigens auf Vereine und Verbände in seinem jeweiligen Einflussbereich zugegangen, sagte Spahn. Daraus sollen verschiedene niedrigschwellige Impfaktionen entstehen. Auch Bundesliga-Klubs wie etwa der 1. FC Köln oder Borussia Dortmund beteiligen sich mit eigenen Impfaktionen. Zudem haben bekannte Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen Videobotschaften aufgenommen - dazu zählen der frühere Schalke-Spieler Gerald Asamoah und die amtierende "Miss Germany" Anja Kallenbach.

© SZ
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