Coronavirus in Singapur:Nur noch sogenannte "essenzielle Dienste" laufen weiter

Am Freitagnachmittag um 16 Uhr war Premierminister Lee Hsien Loong im Livestream zu sehen, er klang besorgt angesichts der schnell steigenden Infektionszahlen und verordnete neue, weit drastischere Schritte im Kampf gegen Covid-19. Seine Ankündigung fiel in eine Zeit, da der Alltag in Singapur trotz ökonomischer Härten noch halbwegs normal erschien. Weil die Eindämmung im Februar noch recht gut gelang, hatte der Staat von Schulschließungen abgesehen, man konnte Restaurants besuchen. Auch die meisten Büros im Central Business Distrikt blieben geöffnet, wenn auch zahlreiche Unternehmen bereits das Arbeiten online erprobten oder ihre Belegschaften in Gruppen unterteilten, die jeweils versetzt zur Arbeit fuhren.

Von Dienstag an wird es sehr viel strenger zugehen, es schließen die Schulen und auch viele Arbeitsstätten und Geschäfte, vorerst für vier Wochen. Nur noch sogenannte "essenzielle Dienste" laufen weiter: Kliniken, Lebensmittelläden und Banken bleiben geöffnet, und ja, auch der Friseur und der Barbier um die Ecke. Offenbar ist die Vorstellung, dass die Bevölkerung im Schatten der Corona-Krise verzotteln könnte, doch von Gewicht. Tönen und Färben sowie die Dauerwelle müssen allerdings ausfallen, weil die Zeit beim Friseur auf ein Minimum beschränkt bleiben soll.

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Die Regierung kommuniziert ihre Botschaften rund um die Uhr auf allen Kanälen, doch auch das hielt viele nicht davon ab, in die Malls zu strömen und sich manchmal deutlich näher zu kommen, als sie sollten. In der Shopping-Meile Plaza Singapura zum Beispiel konnte man noch am 21. März beobachten, wie Wühltische einer beliebten japanischen Lifestyle-Kette stundenlang wie ein Magnet die Schnäppchenjäger anzogen. Dutzende Kunden steckten die Köpfe über der Ware ganz eng zusammen, obgleich sie schon lange mit den energischen Botschaften über Social Distancing berieselt worden waren.

Die staatsnahe Straits Times beklagte in einem Kommentar, dass die schon frühzeitig ausgegebene Regel, Abstand zu halten, in den vergangenen Wochen von vielen Leuten einfach nicht eingehalten wurde. Darauf spielte auch Premier Lee an, als er in seiner Rede an die Nation sagte: "Wir brauchen jeden Singapurer an Bord." Nur so könne es gelingen, die Infektionsketten zu brechen.

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