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Coronavirus:"Eine ganz verheerende Stimmung ist das gerade"

Freiheit: Ursula Bräuning weiß, was es bedeutet, wenn man sie nicht hat.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ursula Bräuning ist 92 Jahre alt, also einer jener Menschen, von denen mancher sagt, die sterben eh bald. Hat sie Angst vor Corona? Ach, eher Angst um die Jungen. Von der Einsamkeit und ihren Variationen.

Von Pia Ratzesberger

Wenn dieser Tag ein normaler Tag wäre, dann würde Ursula Bräuning jetzt um kurz vor zwölf ihre Handtasche nehmen und den Rollator zum Aufzug schieben. Sie hätte sich Ohrringe ausgesucht, die silbernen Plättchen, die im Licht reflektieren, die passende Kette dazu, und vielleicht auch ein neues Kleid aus ihrer Lieblingsboutique, bei der sie jedes Mal vorbeigeht, wenn sie frisches Brot kauft. Sie würde mit dem Aufzug bis ins Erdgeschoss fahren, den Treppenlift nehmen, an den breiten Stufen vorbeischweben und aussehen, als wäre sie auf dem Weg ins Theater, dabei würde sie doch nur über den Parkplatz laufen. Ins Café Zenja. Dort am Tisch würden schon die anderen Frauen warten, und Frau Bräuning würde den Rollator ganz nah neben ihrem Stuhl abstellen, damit sie es später leichter hätte mit dem Aufstehen. Sie würden über das Maishendl auf der Karte reden, über die politischen Talkshows im Fernsehen und vielleicht auch über einen Ausflug zum Ammersee.

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