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Covid-19 in Krisengebieten:Alle rechnen mit einem katastrophalen Ausbruch in den Flüchtlingslagern von Idlib

Zu befürchten ist dies vor allem in Syrien. Das Land und besonders die Rebellenhochburg Idlib sind in der Corona-Krise so etwas wie ein signalfarbenes Frage- und Ausrufezeichen zugleich. Alle rechnen mit einem katastrophalen Ausbruch in den riesigen Flüchtlingslagern, brauchbare Zahlen liegen aber keine vor. In Idlib dominieren Islamisten und Dschihadisten, in deren Herrschaftsbereich gibt es keinen Staat, keine funktionierende Verwaltung und kein brauchbares Gesundheitssystem. Und es wurde nur sehr wenig getestet: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat jetzt erst 300 Test-Kits nach Idlib gebracht.

In dem Kriegsgebiet im Nordwesten Syriens leben rund drei Millionen Flüchtlinge, gut ein Drittel haust in Zeltlagern, Notunterkünften, auf Baustellen oder in Höhlen: Social Distancing ist unmöglich. Es mangelt an Wasser, die hygienischen Bedingungen sind unsäglich. Hinzu kommt, dass die Gegner der Rebellen die wenigen noch arbeitenden Hospitäler angreifen: Flugzeuge des syrischen Regimes von Baschar al-Assad und die Jets der verbündeten Russen greifen Kliniken aus der Luft an, seit 2016 wurden rund 500 medizinische Einrichtungen zerbombt. Inzwischen wurden die ersten Covid-19-Fälle auch aus von Assad kontrollierten Landesteilen gemeldet, die Behörden haben eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Das im Krieg heruntergewirtschaftete syrische Gesundheitssystem dürfte einen Massenausbruch kaum unter Kontrolle bringen.

Verheerend ist die Lage auch in Jemen: Das Bürgerkriegsland war bisher zwar noch einer der wenigen Staaten, in denen kein Corona-Fall nachgewiesen wurde. Das könnte daran liegen, dass Saudi-Arabien das Land seit 2015 durch eine Blockade isoliert - vielleicht aber auch daran, dass in Jemen bisher kaum getestet wurde. Wenn das Virus das Armenhaus der arabischen Welt erreichen sollte, dürfte es auf wenig Widerstand treffen. Das Gesundheitssystem existiert nur noch in Grundzügen, schon die eigentlich leicht zu behandelnde Cholera konnte sich seit 2016 epidemisch ausbreiten.

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Und bereits jetzt geht es für viele Menschen in Flüchtlingslagern, zerstörten Städten und schwer zu versorgenden Bergtälern ums Überleben. 24 Millionen Menschen, 80 Prozent der Bevölkerung, sind von Hilfe abhängig, 8,4 Millionen akut vom Hungertod bedroht. Eine von den UN wegen der Coronakrise am Donnerstag vermittelte Waffenruhe zwischen der Regierung und den Huthi-Rebellen war am Samstag bereits wieder brüchig. Und geplante politische Gespräche finden wegen des Virus nicht statt, nach Informationen der International Crisis Group wurden etwa Termine mit saudischen und US-Diplomaten abgesagt. Experten befürchten nun einen "tödlichen Showdown" auf den Schlachtfeldern im Norden. Vielleicht folgt ein Showdown in den Krankenbetten: Nachdem Saudi-Arabien die Grenzen zu Jemen jahrelang strikt geschlossen hielt, schob es nun 6000 Bürger des Nachbarlandes ab. Nicht unwahrscheinlich, dass einige das Virus mitbringen.

Falls es nicht längst da ist. Die Pandemie könnte sich ebenso auf den Einsatz westlicher Truppen in Konfliktländern auswirken. In Afghanistan soll der Abzug der noch etwa 16 000 Nato-Soldaten beschleunigt werden, das berichtet die auf Militär-Themen spezialisierte Webseite "Augen geradeaus". Ohnehin bis Juli vorgesehene Reduzierungen sollen beschleunigt werden. Offiziell haben sich in Afghanistan bisher vier westliche Soldaten infiziert. Die USA hatten sich mit den Taliban auf den Abzug der westlichen Truppen bis April 2021 geeinigt, wenn dafür die Islamisten garantieren, dass von Afghanistan keine terroristische Bedrohung ausgeht.

Eine der wenigen Nachrichten, die etwas Hoffnung machen, kommt von den Philippinen. Dort liefern sich kommunistische Aufständische seit mehr als 50 Jahren Kämpfe mit der Zentralgewalt. Die Rebellen verkündeten nun, der Aufforderung der UN Folge zu leisten. Bis Mitte April sollen die Waffen ruhen, damit sich die Regierung dem Kampf gegen Corona widmen kann.

© SZ vom 30.03.2020/mkoh
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