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Corona-Pandemie in Österreich:Höchste Warnstufe in Innsbruck

Winter in Innsbruck; Innsbruck

Die Innenstadt von Innsbruck. Insgesamt ist in Österreich die Zahl der registrierten Neuinfektionen binnen eines Tages auf den Rekordwert von 1552 Fällen gestiegen.

(Foto: Laszlo Szirtesi/Getty Images)

In Österreich verschlimmert sich das Infektionsgeschehen so sehr, dass die "Corona-Ampel" in vier Städten und Regionen "rot" leuchtet. Im Bundesland Salzburg beklagen die Behörden absichtliche Verstöße gegen Hygieneregeln.

In Österreich ist die Zahl der nahgewiesenen Corona-Infektionen stark angestiegen. Die 19-köpfige Corona-Kommission wies am Donnerstag vier Städte und Regionen als Hochrisikogebiet aus. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat in der ZiB2 am Donnerstagabend nicht ausgeschlossen, dass zur Eindämmung der Pandemie "schon in den kommenden Tagen" weitere bundesweite Maßnahmen verkündet werden. Am Freitagnachmittag kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz der APA zufolge für Montag eine Videokonferenz zwischen Bund und Ländern an, bei der die nächsten Schritte und Maßnahmen besprochen werden sollen.

Auf der vierfarbigen Corona-Ampel sind derzeit die Stadt Innsbruck und deren Umland als "rot" eingestuft. In Oberösterreich ist Wels-Stadt betroffen, im Bundesland Salzburg der Bezirk Hallein. Zuvor hatten die Kleine Zeitung und das Boulevard-Medium Österreich übereinstimmend von noch weiteren fünf möglichen Bezirken berichtet, die vor der Sitzung der Corona-Kommission für eine "Rot"-Einstufung in Frage gekommen sein sollen - doch das Gremium entschied schließlich anders.

Das Infektionsgeschehen führt auch dazu, dass in anderen Regionen Österreichs die Ampel künftig in der zweithöchsten, orangefarbenen Warnstufe leuchtet (Link zur Corona-Karte der österreichischen Bundesregierung).

Insgesamt ist in Österreich die Zahl der registrierten Neuinfektionen am Donnerstag binnen eines Tages auf den Rekordwert von 1552 Fällen gestiegen. Am Freitag wurden 1163 neue CoV-Fälle im Vergleich zum Vortag registriert. Die 7-Tage-Inzidenz der positiv diagnostizierten Fälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt derzeit bei 94. Im Vergleich zu Deutschland sind die Zahlen - unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl - in etwa doppelt so hoch.

Im Bundesland Salzburg wird wegen eines drastischen Zuwachses von Corona-Neuinfektionen die Ortschaft Kuchl unter Quarantäne gestellt. Die Gemeinde liegt im Tennengau, dem nun "rot" eingestuften Bezirk Hallein, der an den bayrischen Landkreis Berchtesgadener Land grenzt. Die Ein- und Ausreise aus der Gemeinde Kuchl mit ihren etwa 6600 Einwohnern sei bis auf einige Ausnahmen von Samstag an bis zum 1. November nicht mehr erlaubt, sagte Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer am Donnerstagmittag.

"Die Situation läuft völlig aus dem Ruder", sagte der ÖVP-Politiker über die Lage im Ort im Bezirk Hallein, der nur etwa 20 Kilometer von Berchtesgaden entfernt ist. Der Bezirk Hallein, der deckungsgleich mit dem Tennengau ist, hat Haslauer zufolge eine Sieben-Tage-Inzidenz von 280 - der Bezirk nimmt damit in Österreich bei der Zahl der Neuinfektionen eine unrühmliche Spitzenposition ein.

Absichtliche Regelverstöße

Insgesamt bezeichnete Haslauer die Entwicklung im Bundesland als dramatisch. Die Kapazitäten in den Kliniken drohten in weniger als zwei Wochen an ihre Grenzen zu kommen. Dann wäre ein Lockdown wohl unvermeidlich.

Die Salzburger Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz forderte die Bevölkerung zur Kooperation auf, um die Pandemie einzudämmen. Offenbar würde absichtlich gegen Sicherheitsregeln in dem österreichischen Bundesland verstoßen. In den vergangenen Wochen seien Kontaktpersonen bewusst nicht genannt worden, sagte Juhasz. Demnach hätten sich Personen absichtlich nicht testen lassen, um eine Quarantäne zu umgehen.

Im Bundesland Oberösterreich soll nun wegen der steigenden Infektionszahlen eine verpflichtende Registrierung der Gäste in der Gastronomie eingeführt werden. Das gaben Landeshauptmann Thomas Stelzer und Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (beide ÖVP) am Freitag bekannt.

Die Corona-Ampel ist in Österreich seit Anfang September in Betrieb. Mit ihrer Hilfe wird die Infektionslage jede Woche neu bewertet und auf einer Karte farblich dargestellt - in der Regel für jeden Bezirk, entsprechend etwa den deutschen Landkreisen, sowie für das Bundesland Wien.

Die Farben reichen von Grün (Risiko: niedrig) über Gelb (mittel) und Orange (hoch) bis Rot (sehr hoch). Kriterien sind Fallzahlen der vergangenen sieben Tage, Nachverfolgbarkeit der Ansteckungen, Auslastung der Krankenhausbetten und Gesamtzahl an Tests. Außerdem wird berücksichtigt, ob eine Region viele Touristen oder Pendler hat.

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© SZ/dpa/odg
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