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Corona-Maßnahmen:"Der Lockdown ist eine Investition in die Zukunft"

Bilder des Tages Clemens Fuest, Praesident des ifo Institutes, 17.01.2018, Berlin. Berlin Deutschland *** Clemens Fuest

Clemens Fuest, Präsident des ifo Institutes

(Foto: Inga Kjer/imago images)

Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fuest erklärt, warum der Lockdown nötig ist - und wie der Bund den Unternehmen hätte besser helfen können.

Interview von Cerstin Gammelin, Berlin

Der Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fuest ist nicht nur Chef des Münchner Ifo-Instituts, sondern auch Mitglied einer koordinierten Wissenschaftlergruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften, kurz Leopoldina. Vor einigen Tagen hat die Gruppe die Bundesregierung regelrecht angefleht, sofort Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die Zahl der Kontakte drastisch reduziert und die steile Kurve der Infektionen gebrochen werden kann. Am Sonntag beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder verschärfte Corona-Maßnahmen, die ab Mittwoch, den 16. Dezember in Kraft treten.

SZ: Herr Fuest, sind Sie zufrieden, dass sich Bund und Länder doch noch dazu durchgerungen haben, über Weihnachten und Jahreswechsel den Lockdown zu verschärfen?

Clemens Fuest: Ich habe schon fast nicht mehr daran geglaubt, die Widerstände waren groß. Aber es ist richtig, dass sie jetzt die sozialen Kontakte einschränken und den Handel schließen. Ob die Maßnahmen ausreichen, um die Kontakte so zu begrenzen, dass man ab dem 11. Januar wieder lockern kann, ist aber nicht ausgemacht. Wir brauchen einen Rückgang aller sozialen Kontakte von mindestens 60 Prozent gegenüber der Normalsituation ohne Pandemie. Bislang haben wir mit dem Lockdown light nur gut 40 Prozent erreicht.

Es gibt Ökonomen, die vor einer Rezession warnen, weil neben Restaurants, Veranstaltern und Kulturstätten auch der Handel geschlossen sein wird. Sie auch?

Ich sehe den jetzt verhängten Lockdown im Verhältnis zu einem noch schärferen Lockdown, der ansonsten Mitte Januar verhängt werden müsste. Er ist also eine Investition in die Zukunft, damit wir möglichst ab dem 11. Januar lockern und das neue Jahr ordentlich starten können, statt Schulen zu schließen und die Wirtschaft herunterzufahren. Die Industrie bleibt ja ohnehin geöffnet, es wird also vieles weiter produziert.

Aber gerade in den Tagen vor Weihnachten macht der Handel seine größten Umsätze.

Das ist schmerzlich, allerdings hat das Weihnachtsgeschäft schon in den vergangenen Jahren etwas von seiner großen Bedeutung für den Handel verloren. Die Umsätze in diesen Tagen lagen nur noch rund 14 Prozent über dem durchschnittlichen Umsatz. In der Pandemie weichen viele auf den Online-Handel aus.

Der Bund hat wieder großzügige Hilfen angekündigt.

Ich halte es für richtig, dass der Bund hilft. Und auch, dass den betroffenen Unternehmen nicht der Umsatz teilweise kompensiert wird, sondern dass sich die Zuschüsse an den Fixkosten orientieren. Man hätte es auch einfacher machen und pauschalierte Vorauszahlungen leisten können, die dann über die Steuererklärung abgerechnet werden. Aber grundsätzlich sind diese Hilfen richtig.

Sollten Eigentümer von Gewerbeimmobilien und Verpächter einlenken und die Mieten senken?

Es spricht viel dafür, dass auch Vermieter Konzessionen machen müssen. Es ist richtig, dass der Bund diese Verhandlungen unterstützen will.

© SZ
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