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Maskenpflicht:Die Milliarden-Frage

Coronavirus - Einzelhandel in Niedersachsen

Es müssen keine professionellen Masken sein im Alltag, auch selbstgeschneiderte helfen: Lars Kückelhahn, Geschäftsführer eines Spielwarengeschäfts im niedersächsischen Peine, räumt mit einer Stoffmaske Spielwaren ins Regal.

(Foto: dpa)
  • Noch fordert die Bundesregierung keine Maskenpflicht - vermutlich, weil nicht genügend Masken für alle auf Anhieb verfügbar wären.
  • Laut Wirtschaftsminister Altmaier bräuchte Deutschland für seine Bevölkerung acht bis zwölf Milliarden Masken im Jahr.
  • Einige Bundesländer und Städte haben die Pflicht aber trotzdem schon für den öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften erlassen.

Von Stefan Braun, Berlin

Nimmt man Peter Altmaier beim Wort, dann wird die Sache schwierig. Sehr schwierig sogar. Während in einzelnen Städten und Bundesländern eine Maskenpflicht mindestens erwogen und in manchen schon beschlossen ist, setzt der Bundeswirtschaftsminister fürs erste eine gewaltige Zahl vor alle weiterreichenden Ideen. In einem Interview mit der Bild am Sonntag sagte Altmaier: "Wenn wir allen Menschen in Deutschland das Arbeiten, Einkaufen und Busfahren mit Mundschutz ermöglichen möchten, brauchen wir zwischen acht und zwölf Milliarden Masken pro Jahr."

Das ist eine enorme Zahl. Vor allem, wenn man sie mit einer zweiten vergleicht. Denn Altmaier sagte auch, das Ziel der Bundesregierung sei es, "in der zweiten Sommerhälfte Millionen OP-Masken und Mundschutze in Deutschland produzieren (zu) können". Da derzeit quasi alle Staaten Masken kaufen wollen, kann das nur heißen: Die Lücke zwischen Bedarf und Angebot ist weiterhin sehr groß.

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Das erklärt auch am besten, warum die Bundesregierung und manche Landesregierungen noch keine Maskenpflicht eingeführt haben. Die Kanzlerin und ihre Minister empfehlen das Tragen von Masken lediglich. Angela Merkel will die Bevölkerung nicht dazu zwingen, wenn Regierung und Wirtschaft noch gar nicht genügend Masken für alle bereitstellen können, vor allem nicht für das Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen und in der Pflege.

Einige Bundesländer und Städte wollen sich davon aber nicht mehr bremsen lassen. So entschied Wolfsburg am Wochenende, von Montag an eine Maskenpflicht einzuführen. Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatten das zuvor bereits beschlossen. In Sachsen gilt die Maskenpflicht von Montag an in öffentlichen Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen. In Mecklenburg-Vorpommern wird sie vom 27. April an gelten.

Die Bürger müssten keine perfekten medizinischen Schutzmasken tragen, erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), ein Tuch könne schon reichen. Nicht anders äußerte sich ihr sächsischer Kollege Michael Kretschmer (CDU). Die für Sachsen geplante Lockerung insbesondere bei den Ausgangsbeschränkungen mache eine Maskenpflicht zu einem "zumutbaren Instrument", um die Menschen nicht zu sehr zu gefährden. Das sei "die richtige Antwort". Im Gegensatz zu anderen Bundesländern erlaubt Sachsen auch Gottesdienste wieder, allerdings mit maximal 15 Personen.

In Wolfsburg gilt die Maskenpflicht in den Geschäften, in öffentlichen Gebäuden, Arztpraxen, medizinischen Einrichtungen und in Bussen, wie die Kommune mitteilte. Mit einer Übergangsfrist von einer Woche bleibe sie zunächst bis 6. Mai in Kraft. Ausgenommen seien Kinder unter sechs Jahren. Auch wenn erste Geschäfte wieder öffnen dürften, sei die Gefahr des Coronavirus noch lange nicht gestoppt und überwunden, sagte Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD): "Wir müssen weiterhin gut achtgeben, dass wir uns nicht gegenseitig anstecken und die Risikogruppen sowie unser Gesundheitssystem nicht gefährden."

Angesichts dieser Entwicklungen rechnet Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) damit, dass es zumindest im öffentlichen Nahverkehr demnächst eine Maskenpflicht geben wird. "Ich bin überzeugt, dass Alltagsschutzmasken bald zu unserem öffentlichen Leben gehören und etwa im Personennahverkehr auch bald zur Pflicht werden können", sagte Weil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Doch müssten sie eben auch verfügbar sein. Bis dahin nämlich, sagte Weil, vorsichtiger als seine Kollegen, könne der Staat seine Bürgerinnen und Bürger nicht dazu zwingen.

Ein Satz, den Peter Altmaier mittragen dürfte. Er selbst müsse beim Tragen "noch besser werden", gestand er am Wochenende. Immerhin halte er immer genügend Abstand und kaufe stets am späteren Abend ein. Auf Dauer freilich wird das kaum die Lösung sein.

© SZ.de/kit
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