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Coronavirus:Wie einzelne Länder die Corona-Pandemie bekämpfen

France Faces The Coronavirus

Polizisten patrouillieren nahe dem Eiffelturm in Paris.

(Foto: Getty Images)

Frankreich verhängt Ausgangssperren, Israel überwacht seine Bürger mit Anti-Terror-Methoden, in Spanien fliegen Drohnen. Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus im Überblick.

Die Corona-Pandemie veranlasst Regierungen auf der ganzen Welt zu außergewöhnlichen Maßnahmen; geschlossene Grenzen, Schulen, Kitas und Geschäfte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von "Maßnahmen, die es so in unserem Lande noch nicht gegeben hat". Eine generelle Ausgangssperre gibt es in Deutschland bisher nicht. Andere Länder setzen sogar Armeen im Inland ein - oder überwachen ihre Bevölkerung mit Terrorabwehr-Methoden. Ein Überblick.

In Frankreich gilt seit Dienstagmittag eine Ausgangssperre. Die Menschen dürfen nur aus triftigen Gründen vor die Tür, dafür müssen sie bei jedem Ausgang ein Formular ausfüllen und dieses bei sich tragen. Erlaubt ist es beispielsweise, Lebensmittel einzukaufen, zur Arbeit zu fahren und allein Sport zu machen. Den Grund müssen die Menschen auf dem Formular ankreuzen sowie ihren Namen, ihr Geburtsdatum und den Wohnort eintragen. Die Einschränkungen sollen für mindestens 15 Tage gelten. Mehr als 100 000 Sicherheitskräfte sollen die Ausgangssperre überwachen. Bei Verstößen drohen 38 Euro Bußgeld. Es könnte aber bald auf 135 Euro erhöht werden, heißt es. Auch die Armee soll zum Einsatz kommen, um Kranke aus stark betroffenen Regionen zu verlagern und die dortigen Krankenhäuser zu entlasten. Frankreich hofft auf eine Verlangsamung der Infektionen innerhalb von acht bis zwölf Tagen, wie Gesundheitsminister Olivier Veran dem Sender LCI TV sagt.

Großbritannien handelt bisher eher zurückhaltend. Kritiker werfen Premier Boris Johnson vor, zu lasch auf die Pandemie zu reagieren. Mittlerweile rät die Regierung allerdings von allen sozialen Kontakten ab und empfiehlt Home-Office. Auf Pub- oder Restaurantbesuche mit der Familie soll verzichtet werden. Kultureinrichtungen wurden geschlossen. Wer wegen seines hohen Alters oder Vorerkrankungen einer Risikogruppe angehört, muss sich in eine dreimonatige Selbstisolation begeben. Am Freitag schließen alle Schulen im Land. In der Hauptstadt London wird mit einer baldigen Ausgangssperre gerechnet. Im Vereinigten Königreich haben sich nach offiziellen Schätzungen bereits Zehntausende Menschen mit dem Erreger angesteckt. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS ist seit Jahren völlig überlastet und marode, es fehlt an dringend notwendigen Akutbetten und Beatmungsgeräten. Ziel sei es nun, "die Zahl der Toten unter 20 000 zu halten", sagt der Mediziner Patrick Vallance, der die Regierung berät. "Das wäre ein gutes Ergebnis." Die britische Königin Elizabeth II. verlässt wegen des Coronavirus London. Die 93-Jährige wird sich am Donnerstag ins 32 Kilometer entfernte Windsor Castle begeben - eine Woche früher als sonst in der Osterzeit üblich, teilte der Buckingham-Palast mit.

BESTPIX - UK Government Advises Public To Avoid Theatre, Pubs and More Due To Coronavirus

London: Eine Frau mit einer Schutzmaske geht durch eine Straße. Daneben ein Plakat: "Wo Seife ist, da ist Hoffnung."

(Foto: Getty Images)

Italien ist in Europa bisher am stärksten von der Pandemie betroffen. Das öffentliche Leben ruht im Land nun schon seit längerer Zeit. Die Menschen dürfen ihre Wohnungen nur verlassen, um das Allernotwendigste zu erledigen. Fast alle Läden - mit Ausnahme jener zur Versorgung - sind zu, Bars und Restaurants ebenfalls. Italien hatte diese Maßnahmen allerdings in mehreren Schritten und über längere Zeit gestreckt eingeführt. In anderen Ländern wurden sie - wohl auch mit Blick auf die Erfahrungen in Italien - schneller umgesetzt.

Coronavirus - Italien

Brescia In Italien: Patienten liegen in einem Notfallanbau, der den Krankenhausbetrieb entlasten soll.

(Foto: dpa)

In Spanien gilt seit Sonntag eine Ausgangssperre. Zur Überwachung setzt die spanische Polizei auch Drohnen ein. In Madrid, der in Spanien von der Coronavirus-Krise am stärksten betroffenen Region, sind mit Lautsprechern ausgestattete Fluggeräte im Einsatz. Die Menschen werden damit aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Seit Inkrafttreten der Ausgangssperre sind die Straßen in Madrid und ganz Spanien nahezu leer. Die Menschen dürfen auch hier nur noch aus dem Haus, um Lebensmittel einzukaufen oder zur Apotheke, zum Arzt und zur Arbeit zu gehen. Zudem darf man nach draußen, um Kinder, Ältere oder Hilfsbedürftige betreuen. Den Hund auszuführen, ist auch erlaubt.

Coronavirus - Spanien

Barcelona: Menschen, die vor einem Einkaufsladen in der Schlange stehen, halten Sicherheitsabstände.

(Foto: dpa)

Österreich hat die Bewegungsfreiheit seiner Bürger seit Wochenbeginn stark eingeschränkt. Das Bundesland Tirol mit seinen 750 000 Einwohnern wurde bis zum 5. April abgeschottet. Im ganzen Land sind Skigebiete, Restaurants, Bars und Geschäfte - bis auf wichtige Läden, wie Supermärkte oder Apotheken - geschlossen. Die neun Millionen Einwohner sollen Häuser und Wohnungen nur noch aus triftigen Gründen verlassen, zum Beispiel, um in die Arbeit zu gehen oder für dringende Besorgungen, wie dem Einkauf von Lebensmitteln. Spaziergänge sind aber weiter möglich, allerdings sollen sich nirgends mehr als fünf Menschen gleichzeitig aufhalten. Auf den Straßen patrouilliert die Polizei, um das zu überwachen. Wer sich Anweisungen widersetzt, dem drohen hohe Bußgelder. Die Maßnahmen sind zunächst auf eine Woche befristet.

Coronavirus - Wien

Die Messehalle in Wien-Leopoldstadt wurde in ein Corona-Betreuungszentrum umgewandelt. Bei Bedarf stehen hier Krankenbetten bereit.

(Foto: dpa)

In der Schweiz wurde am Montag der Notstand erklärt. Die Kantone können damit vom Bund zu einheitlichen Maßnahmen verpflichtet werden. Das öffentliche Leben ist weitgehend lahmgelegt: Restaurants, Märkte, Museen, Freizeitbetriebe, Kinos oder Fitnesscenter sind geschlossen. Öffnen dürfen Lebensmittelläden, Hotels, Tankstellen, Postämter, Bahnhöfe, Banken und die öffentliche Verwaltung. Eine Ausgangssperre gibt es aber nicht. Die Maßnahmen gelten zunächst bis zum 19. April. Die Schweizer Armee steht mit 8000 Angehörigen bereit, um im medizinischen Bereich und bei Grenzkontrollen auszuhelfen.

In Belgien gilt seit Mittwochmittag eine fast dreiwöchige strenge Ausgangssperre für die etwa 11,5 Millionen Einwohner. Die Polizei werde die Einhaltung der Regeln kontrollieren, beschloss der Nationale Sicherheitsrat. Ausnahmen sind für wichtige Besorgungen vorgesehen. Die Menschen dürfen ihre Wohnungen zur Arbeit, zum Einkaufen von Lebensmitteln und Medikamenten, für Arztbesuche und Post- oder Bankgeschäfte verlassen. Auch Buch- und Zeitungsläden bleiben geöffnet. Spaziergänge und Sport an der frischen Luft sind nicht nur erlaubt, sondern sogar angeraten, sagte Ministerpräsidentin Sophie Wilmès. Alle Unternehmen müssen, wo immer möglich, Telearbeit einführen, sonst drohen hohe Bußgelder.

A worker disinfects shopping carts of a supermarket before Belgium government imposes a coronavirus lockdown in Brussels

Brüssel: Supermarktmitarbeiter desinfizieren die Einkaufswagen.

(Foto: REUTERS)

Auch Luxemburg hat den Notstand verhängt. Bosnien-Herzegowina rief den Ausnahmezustand aus. Solche Regelungen geben Regierung und Behörden zusätzliche Durchgriffsrechte und ermöglichen Maßnahmen, die auch bestehendem Recht widersprechen können.

In Israel soll im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus auch Überwachungstechnologie zum Einsatz kommen, die sonst für die Terrorbekämpfung genutzt wird. Nach Medienberichten sollen die Handys von Kranken und Verdachtsfällen geortet werden, um angeordnete häusliche Quarantäne zu überwachen. Außerdem sollen über die Standortdaten der Handys Menschen identifiziert werden, die möglicherweise mit Kranken in Kontakt waren. Diese könnten dann direkt über ihre Handys informiert und dazu aufgerufen werden, sich in Heimquarantäne zu begeben oder sich testen zu lassen. Israel will außerdem leerstehende Hotels umfunktionieren, um leicht erkrankte Patienten unterzubringen. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt. Seit Dienstag darf niemand mehr ans Meer, in öffentliche Parks, auf Spielplätze und in Einkaufszentren.

Die USA haben ihre Grenzen für Einreisen aus Europa geschlossen. Nur Amerikaner und Personen mit einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis (Green Card) und deren Angehörige dürfen in die Vereinigten Staaten zurück, müssen sich aber einer Gesundheitskontrolle unterziehen und sind aufgerufen, sich in eine 14-tägige Selbstquarantäne zu begeben. Über weitere konkrete Maßnahmen entscheiden die Einzelstaaten in den USA selbst. US-Präsident Donald Trump rief die Amerikaner dazu auf, Ansammlungen von mehr als zehn Menschen zu vermeiden, auf nicht notwendige Reisen und auf Besuche von Bars und Restaurants zu verzichten. Mittlerweile sind in allen 50 Bundesstaaten Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.

In den USA werden aus Sorge vor dem Coronavirus nicht nur Lebensmittel "gehamstert": In Culver City in Kalifornien warten Menschen in einer Schlange vor dem Eingang zu einem Waffengeschäft.

(Foto: AP)

Auf den Philippinen ordnete Präsident Rodrigo Duterte am Dienstag einen sechsmonatigen Notstand an. Die Maßnahme soll nach Angaben der Regierung eine schnellere Bereitstellung von Geldern und Ressourcen während der Pandemie ermöglichen. Die Hauptinsel Luzon, auf der mehr als die Hälfte der über 100 Millionen Einwohner des Landes leben, wurde für einen Monat abgeriegelt. Dort fällt der Schulunterricht aus, der öffentliche Nahverkehr steht still. Von Freitag an dürfen keine internationalen Flüge mehr starten oder landen. Inlandsflüge wurden bereits eingestellt.

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Kolumbien hat ebenfalls den Notstand erklärt. Präsident Iván Duque ordnete am Dienstagabend an, dass Bürger über 70 Jahre zu Hause bleiben müssen. Aus dem Haus dürften sie nur, um einkaufen, in die Apotheke oder zum Arzt zu gehen. Die Anweisung gilt vom 20. März bis zum 31. Mai. Zuvor hatte das südamerikanische Land im Kampf gegen die neue Lungenkrankheit Covid-19 bereits seine Grenzen gesperrt, Schulen geschlossen und in mehreren Regionen nächtliche Ausgangsverbote verhängt.

Australien und Neuseeland schließen ihre Grenzen. Das kündigten am Donnerstag der australische Premierminister Scott Morrison und die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern an. Ausgenommen von dem Einreiseverbot seien in beiden Ländern lediglich die eigenen Bürger, Menschen mit dauerhaftem Wohnsitz in ihren Ländern sowie deren enge Familienmitglieder. Morrison sagte in Canberra, das Verbot für Australien trete am Freitag um 21 Uhr (Ortszeit) in Kraft. Die "überwältigende Mehrheit der Fälle" von Covid-19 seien aus dem Ausland eingereiste Infizierte, erklärte er die Maßnahme. Etwa 80 Prozent der Fälle seien darauf zurückzuführen, dass sich jemand im Ausland mit dem Virus angesteckt habe oder dass sich jemand im Inland durch direkten Kontakt mit einem Kranken, der aus dem Ausland gekommen sei, infiziert habe. Am Mittwoch hatte Morrison ein Reiseverbot für Australier ins Ausland angekündigt.

Coronavirus - Australien

Canberra: Fast menschenleer ist die Abflughalle am Flughafen Canberra.

(Foto: dpa)

In Russland kündigte der Kreml weitreichende Maßnahmen an, um die Verbreitung einzudämmen. Die Grenzen sollten ab Mittwoch für ausländische Reisende geschlossen werden, die Grenze zu China ist schon seit Wochen zu. Zudem wurden für diejenigen, die in den vergangenen zwei Wochen im europäischen Ausland waren, Tests auf das Virus angeordnet. Das Land schließt zudem seine Schulen. Die Schüler werden vom kommenden Montag an drei Wochen lang in die verlängerten Frühlingsferien geschickt, sagte Bildungsminister Sergej Krawzow am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Einige Schulen haben aber bereits jetzt schon geschlossen, um eine Ausbreitung des Virus einzudämmen.

© SZ.de/dpa/AP/aner/saul/mane
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