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Corona-Impfung:So läuft der Impfstart in den Hausarztpraxen

Start des Modellversuchs mit Impfungen in Arztpraxen

Erste Arztpraxen haben bereits im März mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen.

(Foto: Hannibal Hanschke/dpa)

Bundesweit bekommen Hausarztpraxen von heute an Corona-Impfstoff geliefert. Wie viele Dosen kriegen sie, welches Vakzin wird verwendet und wie kommen Patienten an Impftermine? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Jana Anzlinger

Nach dem schleppenden Start der Corona-Impfungen beginnt nun die zweite Stufe der Impfkampagne in Deutschland: die Impfung in den Arztpraxen. Zwar wurde in Modellversuchen schon in einigen Praxen ab März geimpft. Aber in den meisten Bundesländern sollten die ersten Hausärzte unmittelbar nach Ostern routinemäßig in die Schutzimpfungen gegen das Coronavirus einsteigen - also an diesem Dienstag. Wie sind die Impfungen organisiert und wie ist die Kampagne angelaufen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Geht es nun überall los mit den Impfungen in Hausarztpraxen?

Der Impfstoff soll an diesem Dienstag geliefert werden und ab sofort verimpft werden können. In vielen Praxen finden die ersten Impftermine aber am Mittwoch statt, da das Vakzin am Dienstag erst im Laufe des Tages eintrifft, so die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder.

Allerdings kam zum Beispiel aus Baden-Württemberg die Meldung, dass es doch erst am Donnerstag in der Breite losgehen kann: Durch die Osterfeiertage verzögere sich die Auslieferung der bestellten Dosen an die Praxen um ein bis zwei Tage, so der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg Kai Sonntag am Dienstag.

Wie viele Praxen sind dabei?

Zunächst machen 35 000 Hausarztpraxen mit. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass Ende April oder Anfang Mai 80 000 bis 100 000 Arztpraxen Coronavirus-Impfungen verabreichen könnten. Dem Minister zufolge wird zwar mit den niedergelassenen Hausärzten im vertragsärztlichen System begonnen, aber danach werden auch die Fachärzte und Privatärzte hinzugezogen.

Wie viele Impfdosen gehen an die Ärzte - und wie werden sie verteilt?

Gesundheitsminister Spahn zufolge haben die 35 000 Praxen zwar insgesamt 1,4 Millionen Impfdosen bestellt. Geliefert werden könnten zunächst aber nur 940 000 Dosen. Der Hausärzteverband ist darüber nach eigenen Angaben "nicht ganz glücklich". Im Schnitt nur ungefähr 20 Dosen pro Woche seien "ein bisschen wenig", so Verbandschef Ulrich Weigeldt am Dienstag im rbb-Inforadio.

Spahn hat vergangene Woche versprochen, dass die Impfkampagne Ende April an Fahrt aufnehmen werde. Es werde möglich sein, den Arztpraxen wöchentlich mehr als drei Millionen Impfdosen zur Verfügung zu stellen, versicherte der Minister. Der Impfstoff gehe vom Bund an den Großhandel und dann über die Apotheken an die Praxen. "Jede Impfdose sollte schnellstmöglich verimpft werden", sagte Spahn bei der Bundespressekonferenz am Donnerstag.

Welches Vakzin gibt es beim Hausarzt, welches beim Impfzentrum?

Spahn zufolge bekommen die Arztpraxen in den ersten zwei Wochen ausschließlich den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Danach komme noch Astra Zeneca hinzu und später Johnson & Johnson. Lediglich das Moderna-Vakzin soll ausschließlich in den Impfzentren verabreicht werden, vor allem weil unklar ist, ob das Serum stabil bleibt, wenn es zu häufig von Ort zu Ort transportiert wird.

Wie entscheiden die Hausärzte, wen sie impfen?

Die Hausärzte sollen sich an die Impfverordnung halten und bei der geltenden Priorisierung mit der Konzentration auf Ältere und Vorerkrankte bleiben. Sie kann aber flexibel angewendet werden, damit keine Dosis weggeworfen werden muss.

Wie kommen Patienten an einen Impftermin beim Hausarzt?

Eine zentrale Einladung für die Patienten gibt es nicht, wie das Bundesgesundheitsministerium erläutert. Die Ärzte sind unabhängig von den Hotlines und Webseiten, über die Termine in Impfzentren organisiert werden. Wie sie Impftermine vergeben, können die Praxen selbst regeln - zum Beispiel per Telefon oder mit Online-Buchungen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) rät Hausärzten dazu, selbst auf ihre Patienten zuzugehen, schließlich wüssten die auch am besten um die Krankengeschichte der Betroffenen und könnten so beispielsweise vulnerablen Gruppen auch selbst Termine anbieten.

Wer soll bald noch impfen?

Der nächste Schritt der Impfkampagne soll die Impfung durch Betriebsärzte sein. Spahn hatte Ende März gesagt, Betriebsärzte sollten erst nach Hausärzten in die Impfkampagne einsteigen. Er finde es schwierig, jüngere Angestellte von Unternehmen zu impfen, solange die Älteren noch nicht geschützt seien.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) fordert von der Bundesregierung, die geplanten Impfungen in den Betrieben rasch voranzutreiben, wie Verbandsdirektor Florian Reuther der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Der Start der Impfkampagne auch durch Hausarztpraxen ist ein richtiger Schritt, doch er reicht nicht aus, um den Corona-Impfschutz so schnell wie irgend möglich an so viele Menschen wie möglich zu bringen", so Reuther. "Schon jetzt muss die Politik den nächsten Schritt vorbereiten und die Impfung in den Betrieben und bei allen anderen Arzt- und Zahnarztgruppen ermöglichen, sobald in den nächsten Wochen die Impfstofflieferungen wie erwartet ansteigen."

Mit Material der Deutschen Presse-Agentur.

© SZ/fie
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