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Corona-Pandemie:Erste Impfungen im Dezember

Impfung

Zwei Drittel der Bevölkerung müssen geimpft werden, um einen ausreichenden Schutz gegen das Virus zu erreichen.

(Foto: dpa)

Fast alle Bundesländer sind optimistisch, die Infrastruktur in drei Wochen bereitzustellen zu können. Auch die Vakzine sollen dann verfügbar sein. Der Teil-Lockdown soll bis kurz vor Weihnachten andauern.

Von Christina Berndt, Matthias Drobinski, Claudia Henzler, Dietrich Mittler, Ulrike Nimz und Henrike Roßbach

Mitte Dezember können in Deutschland wohl die ersten Impfungen gegen das Coronavirus beginnen. So hat es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt. Tatsächlich sehen sich laut SZ-Recherche fast alle Bundesländer dazu in der Lage. Man halte einen Impfbeginn von Mitte Dezember an für realistisch, hieß es unter anderem aus München, Wiesbaden und Stuttgart. In den meisten Ländern liegen bereits detaillierte Pläne zur Umsetzung vor. Zudem wird es immer wahrscheinlicher, dass zu diesem Zeitpunkt auch Impfstoffe verfügbar sein werden. Seit vor zwei Wochen die Mainzer Firma Biontech und kurz darauf das US-Unternehmen Moderna die ersten Wirksamkeitsdaten der finalen Prüfphase ihrer Vakzine vorgelegt haben, folgte am Montag die Kooperation der Universität Oxford mit Astra Zeneca.

"Wir dürfen damit rechnen, dass es im Dezember eine erste Zulassung gibt", sagte Spahn am Montag nach einem Besuch bei dem Impfstoffhersteller IDT Biologika in Dessau. Bund und Länder arbeiteten eng zusammen und seien sich einig, dass sie für diesen Fall vorbereitet sein müssen: "Wir könnten es den Deutschen schwer erklären, dass zwar ein Impfstoff da ist, wir die Infrastruktur aber noch nicht haben." Ihre Anlieferungszentren für den Impfstoff haben die Länder laut Gesundheitsministerium schon benannt. Verteilt würden die Impfdosen vom Bund nach dem üblichen Bevölkerungsschlüssel.

Es handelt sich um ein Vorsorgeprogramm, wie es Deutschland noch nicht gesehen hat. Zwei Drittel der Bevölkerung müssten Experten zufolge geimpft werden, um einen umfassenden Schutz der gesamten Bevölkerung zu erreichen. Doch die Länder sehen sich gut aufgestellt. "Ja, wir schaffen das schon", sagte etwa Christian Bernreiter (CSU), der Präsident des Bayerischen Landkreistags. Wie in den meisten Flächenländern soll auch in Bayern bis zum 15. Dezember in allen Landkreisen und kreisfreien Städten mindestens ein Impfzentrum bereitstehen. Dutzende Tiefkühlschränke, 13 Millionen Spritzen und 58 Millionen Kanülen sind allein im Freistaat bestellt worden, ähnliche Bestelllisten weisen auch die anderen Länder vor.

Auch wird bereits medizinisches Personal mobilisiert. In Bayern haben sich bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bereits 2400 Ärzte bereiterklärt, in Baden-Württemberg sollen KV und Unikliniken für genügend Personal sorgen.

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Trotzdem wird das Projekt Monate in Anspruch nehmen. In 30 Impfzentren solle an jedem Tag der Woche von 7 bis 22 Uhr jeweils 1000 Menschen geimpft werden, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Funktioniere alles, könne die angestrebte Herdenimmunität in acht bis neun Monaten erreicht sein.

Am Montagabend einigten sich die Länderchefs angesichts nach wie vor hoher Corona-Infektionszahlen darauf, den Teil-Lockdown bis zum 20. Dezember zu verlängern. Endgültige Beschlüsse, auch zu eventuellen Verschärfungen von Regeln, wollen die Ministerpräsidenten und das Kanzleramt dann am Mittwoch fassen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Abstimmungen für die Gespräche liefen "in konstruktiver und guter Atmosphäre".

Tatsächlich unterscheiden sich die Positionspapiere der unions- und der SPD-geführten Länder nur in wenigen Punkten. So will die Union das Silvesterfeuerwerk im Gegensatz zur SPD nicht verbieten, sondern die Bürger nur darum bitten, es zu unterlasen. Zudem sollen Kommunen Maßnahmen laut Union schon ab einem Inzidenzwert von 50 zurücknehmen dürfen, die SPD will bis 35 streng bleiben.

© SZ/kit
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