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Coronavirus:6,5 Millionen Impfdosen fallen weg

21.05.2021, Sonderimpfaktion mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson im Unterallgäuer Corona-Impfzentrum in Bad Wörisho

Die Produktionsprobleme des US-Pharmaunternehmens Johnson & Johnson führen zu Lieferschwierigkeiten.

(Foto: Imago/MiS)

In einem Werk des US-Pharmaunternehmens Johnson & Johnson kam es zu Verunreinigungen, das Vakzin musste vernichtet werden. Und in manchen Bundesländern laufen schon Pläne, die Impfzentren zu schließen.

Produktionsprobleme des US-Pharmaunternehmens Johnson & Johnson (J&J) führen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums dazu, dass bis Ende Juni etwa 6,5 Millionen Corona-Impfdosen weniger nach Deutschland geliefert werden als geplant. "Das ist bedauerlich, denn jede Impfdosis zählt. Daher erwarten wir von J&J, dass diese Menge im Juli schnellstmöglich nachgeliefert wird", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Der Ausfall von Johnson & Johnson ist insofern bedeutsam, weil von diesem Impfstoff nur eine einzige Dosis nötig ist. Um 6,5 Millionen Dosen von J&J zu kompensieren, müssten also 13 Millionen zusätzliche Impfdosen anderer Hersteller beschafft werden.

Hintergrund ist, dass US-Behörden nach Informationen der New York Times die Vernichtung von knapp 60 Millionen Impfdosen von in dem J&J-Werk in Baltimore hergestellten Chargen angeordnet hatten. Die US-Behörden haben in dem Werk zahlreiche Mängel entdeckt. Der Sprecher des Gesundheitsministeriums wies darauf hin, dass man damit rechne, "dass Biontech mit 50,3 Millionen Dosen, Moderna mit 6,4 Millionen Dosen und Astra Zeneca mit 12,4 Millionen Dosen jeweils ihre aktuellen Lieferzusagen für das zweite Quartal erfüllen".

Offenbar wurden Inhaltsstoffe vermischt

Bei einer Überprüfung der vom US-Biopharma-Unternehmen Emergent Biosolutions betriebenen Produktionsstätte hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA zahlreiche Mängel entdeckt. Die Fabrik war zuvor von Astra Zeneca an den Konkurrenten Johnson & Johnson gegangen. Offenbar waren Inhaltsstoffe der beiden Impfstoffe vermischt worden. Derzeit pausiert die Produktion.

Unterdessen bereiten die Bundesländer das Aus von Corona-Impfzentren vor. "Noch sind die Impfzentren ein wichtiger Bestandteil der Impfkampagne", betonte das Bundesgesundheitsministerium auf Nachfrage. Die Gesundheitsministerkonferenz habe im März beschlossen, dass der Bund den Betrieb der Impfzentren bis mindestens zum 30. September 2021 finanziert: "Das ist der Stand der Dinge."

Nach derzeitiger Planung laufen die Impfzentren in Baden-Württemberg bis zum 15. August. Das Hamburger Impfzentrum in den Messehallen soll bis mindestens August in Betrieb sein. In Sachsen werden die Zentren nur bis Ende Juli offen sein. Bremen, das drei Impfzentren betreibt, schließt eines schon Ende Juni. Das sei aber von Beginn an so geplant gewesen, heißt es.

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg betreibt 11 der 14 Impf-Stationen im Land. Der Vertrag ende mit Ablauf des 31. Juli, teilte ein Sprecher mit. Aus Bayern ist zu hören, dass die Frage nach den Impfzentren noch "Gegenstand der Abstimmungen von Bund und Ländern ist". Der Deutsche Städtetag forderte, die Zentren über September hinaus offen zu lassen.

© SZ/rtr/epd
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