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Corona-Impfstoff:Das Rennen geht weiter

Schon bald könnten auch andere Hersteller vielversprechende Covid-19-Impfstoffe vorstellen. Das ist dringend nötig.

Von Kathrin Zinkant

Es gibt eine einfache Rechnung, mit der sich die Perspektiven im Wettrennen um einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 ein wenig zurechtrücken lassen: 50 Millionen Dosen des ersten Impfstoffs könnten bis zum Jahresende weltweit zur Verfügung stehen.

Und weil mit weltweit in diesem Kontext vornehmlich die USA, die Europäische Union und Großbritannien gemeint sind, bedeutet dies bei reibungsloser Logistik, zweimaliger Impfung und einer absolut effektiven Verteilung der Dosen auf die beteiligten Länder, dass im besten Fall fünf Prozent aller US-Amerikaner und Europäer bis Januar oder Februar geimpft sein werden. Schon deshalb reicht es nicht, auf einen einzigen Impfstoff zu setzen; und es gibt weitere Gründe, auf baldige Erfolge auch der anderen Entwickler zu hoffen. Aber welches Vakzin könnte das nächste sein?

Bei zehn Impfstoff-Kandidaten laufen Phase-3-Studien

Von den mehr als 160 Kandidaten in der schwindelerregend schnellen Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs sind mittlerweile zehn in der sogenannten Phase 3 der klinischen Studien angekommen. Das bedeutet, dass sie an einer großen Zahl von Menschen getestet werden und dass man dabei neben Sicherheit und Verträglichkeit vor allem die Wirksamkeit untersucht - also, ob Geimpfte deutlich weniger oft Covid-19 bekommen als eine vergleichbare Gruppe von Ungeimpften.

Neben Biontech mit seinem Partner Pfizer haben das schwedisch-britische Unternehmen Astra Zeneca und die US-Hersteller Moderna, Johnson & Johnson sowie Novavax mit dieser entscheidenden Untersuchung begonnen. Bei den übrigen fünf Kandidaten handelt es sich um einen russischen und vier chinesische Impfstoffe, über die es allerdings fast keine überprüfbaren Informationen zur Sicherheit oder Wirksamkeit gibt. In Brasilien wurde eine dieser Studien gerade angehalten. Für Europa und die USA dürften diese Impfstoffe weiterhin keine Rolle spielen.

Vektorbasierte Vakzine bringen womöglich mehr Schwierigkeiten mit sich

Als Spitzenreiter unter den anderen fünf galt bisher vor allem Astra Zeneca mit einem vektorbasierten Impfstoff, der an der University of Oxford entwickelt wurde. Vektorbasiert bedeutet, dass ein harmloses Virus als Vehikel für ein wichtiges Merkmal von Sars-CoV-2 genutzt wird. Auch Johnson & Johnson haben ein solches Vakzin im Rennen. Durch die Impfung wird das körpereigene Immunsystem mit dem eingebauten Merkmal vertraut gemacht - wie in den meisten anderen Impfstoffen handelt es sich bei dem Merkmal des Astra-Zeneca-Vakzins um das Stacheleiweiß, mit dem der neue Erreger an menschliche Zellen andockt. Im Fall einer Infektion kann die Immunabwehr das Merkmal erkennen und das Virus abfangen.

Allerdings hat sich bereits gezeigt, dass die vektorbasierten Impfstoffe womöglich größere Nebenwirkungen haben könnten. Die Studie von Astra Zeneca musste eine längere Pause einlegen, da es zu zwei schweren Erkrankungen und einem Todesfall gekommen war. Ob sie mit dem Impfstoff in Verbindung stehen, ist unklar. Auch in der Studie von Johnson & Johnson gab es einen Zwischenfall, allerdings gibt es vermutlich keinen Zusammenhang mit dem Vakzin. Klar ist jedoch, dass Studienstopps und Zwischenfälle die Entwicklung verzögern.

Der zweite RNA-Impfstoff ist schon auf dem Weg

Ein Impfstoff, der nach dem gleichen Konzept funktioniert wie jener von Biontech, ist das Vakzin von Moderna. Auch hier handelt es sich um ein Stück sogenannte RNA, eine flüchtige Kopie des Erbgutmoleküls DNA. Es kann nach der Injektion das Immunsystem vertraut machen mit Sars-CoV-2. Die RNA wird anschließend abgebaut. Moderna hat vor gut zwei Wochen bekannt gegeben, dass alle geplanten Teilnehmer in die Studie aufgenommen wurden, ein großer Teil hat bereits die zweite Impfung erhalten. Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch Moderna mit ersten Ergebnissen an die Öffentlichkeit und die Zulassungsbehörden tritt.

Allerdings weist der Impfstoffexperte Leif-Erik Sander von der Berliner Charité darauf hin, dass die Zeit allein schon ein guter Indikator für die Wirksamkeit sein kann: "Je besser der Impfstoff ist, desto schneller werden Unterschiede zwischen den Geimpften und den Ungeimpften erkennbar", sagt Sander.

© SZ/rpr
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