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Corona-Impfstoff:Verwirrung um Krisensitzung der EU mit Astra Zeneca

Das Unternehmen hatte ein Treffen mit der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten abgesagt - nun soll doch über die Kürzungen der Impfstofflieferungen gesprochen werden. Unterdessen wurde ein verdächtiges Paket bei einem Zulieferer von Astra Zeneca entdeckt.

Im Streit über den knappen Corona-Impfstoff soll ein Krisentreffen der Europäischen Union mit Astra Zeneca nun doch heute Abend stattfinden, nachdem das Unternehmen zuerst abgesagt hatte.

Die Absage war damit begründet worden, ein Treffen habe derzeit wegen der vielen offenen Fragen keinen Sinn. Die Entscheidung, nun doch teilzunehmen, habe die Presseabteilung des Konzerns der EU-Kommission bestätigt, hieß es am Nachmittag in Brüssel. Ein Astra-Zeneca-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Wir können bestätigen, dass wir uns nicht aus den Gesprächen mit der EU-Kommission zurückgezogen haben, die für heute geplant sind."

Die Kommission und die 27 Staaten hatten das Treffen mit Astra Zeneca auf Expertenebene für 18.30 Uhr einberufen. Hintergrund ist der Streit mit dem britisch-schwedischen Hersteller über Lieferkürzungen. Statt erwarteter 80 Millionen Impfdosen im ersten Quartal sollen nach EU-Angaben nur 31 Millionen ankommen. Den angegebenen Grund - Probleme in der Lieferkette - will die EU nicht gelten lassen.

Astra Zeneca hatte zuvor zugesagt, die Lieferprobleme binnen zwei bis drei Monaten zu beheben. Ursache sei, dass der Ertrag in einer der Anlagen niedriger sei als erwartet. Außerdem sei das Unternehmen vertraglich nicht zur Lieferung bestimmter Mengen verpflichtet. Vielmehr habe man nur einen "best effort" zugesagt, sich also im besten Sinne zu bemühen.

Verdächtiges Paket bei Zulieferer von Astra Zeneca entdeckt

Aus Kommissionskreisen war gefragt worden, warum nicht in Großbritannien produzierte Impfstoffdosen an die EU geliefert würden.

Die EU hatte im August insgesamt bis zu 400 Millionen Impfdosen von Astra Zeneca bestellt und nach eigenen Angaben 336 Millionen Euro für Entwicklung und Fertigung vorgestreckt. Nach Darstellung der EU-Kommission hätte das Unternehmen seit Oktober auf Halde produzieren müssen, damit der Impfstoff sofort nach der Zulassung in der EU bereitsteht. Schon am Montag hatte die EU Aufklärung vom Hersteller verlangt - vorerst ohne Erfolg.

Unterdessen wurde bei einem Zusteller von Astra Zeneca ein verdächtiges Paket entdeckt. Das teilte das Unternehmen Wockhardt im walisischen Wrexham auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Alle zuständigen Behörden seien benachrichtigt worden, hieß es in einer Mitteilung. Die Produktionsstätte, an der wichtige Schritte zur Herstellung des Coronavirus-Impfstoffs von Astrazeneca stattfinden, sei auf Rat von Experten teilweise geräumt worden. Die Polizei in Wales sprach von einem "andauernden Vorfall". Mehrere Straßen seien gesperrt worden. Die Öffentlichkeit wurde aufgefordert, die Umgebung zu meiden.

EU-Kommission steht selbst in der Kritik

Die EU-Kommission steht selbst in der Kritik, weil Impfstoff in der EU knapp ist und bisher prozentual weit weniger Menschen immunisiert wurden als etwa in Großbritannien oder Israel. Das liegt zum Teil daran, dass die Mittel in der EU eine Marktzulassung statt nur eine Notfallzulassung bekommen sollen - und das dauert länger. So hat die Impfkampagne später begonnen. Inzwischen sind Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. Auch Biontech/Pfizer hatte zwischenzeitlich Produktionsprobleme, allerdings wohl nur kurzfristig.

Der französische Pharmakonzern Sanofi kündigte am Mittwoch an, von Sommer an mehr als 125 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für die EU im Sanofi-Werk in Frankfurt am Main zu produzieren.

Der Impfstoff von Astra Zeneca wäre das dritte in der EU zugelassene Corona-Vakzin. Fragezeichen gibt es aber noch, ob dieser für ältere Menschen freigegeben wird. Experten der EU-Arzneimittelagentur EMA prüfen derzeit die Daten der klinischen Tests und wollen am Freitag eine Zulassungsempfehlung abgeben. EMA-Chefin Emer Cooke hatte am Dienstag nicht ausgeschlossen, dass diese auf bestimmte Altersgruppen begrenzt werden könnte. Sie wolle den Experten aber nicht vorgreifen. Hintergrund waren Berichte, wonach der Astra-Zeneca-Impfstoff bei Älteren womöglich schlechter wirke als bei Jüngeren.

© SZ/dpa/mcs
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