Süddeutsche Zeitung

Coronavirus in Deutschland:Mehrere Bundesländer öffnen Hotels für inländische Urlauber

  • In mehreren Bundesländern können Touristen aus ganz Deutschland nun wieder in Hotels und Ferienapartments wohnen.
  • In einem niederländischen Schlachthof in Groenlo unweit der Grenze zu Deutschland sind 147 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden.
  • SPD-Gesundheitspolitiker Lauterbach fordert ein Signal des Bundes gegen eine Aufhebung der Corona-Regeln in Thüringen.
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Die coronabedingten Regelungen für die Tourismusbranche werden in weiteren Bundesländern gelockert. Von Montag an können Inlandsurlauber etwa wieder nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. Die Hotels, Pensionen und Campingplätze in Mecklenburg-Vorpommern dürfen von Montag an wieder Gäste aus anderen Bundesländern empfangen. Nach dem Shutdown Mitte März konnte die Tourismusbranche bereits vergangene Woche Gäste aus dem eigenen Land begrüßen. Tagestouristen dürfen aber weiter nicht ins Land reisen.

Erstmals seit Beginn der Krise dürfen auch Hotels in Niedersachsen wieder öffnen und bis zu 60 Prozent ihrer Plätze belegen. Auch in Brandenburg und Berlin sind Ferienwohnungen und Hotels wieder für Gäste aus ganz Deutschland offen.

Corona-Ausbruch in niederländischem Schlachthof nahe deutscher Grenze

In einem niederländischen Schlachthof in Groenlo unweit der Grenze zu Deutschland sind 147 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das teilte die Gemeindeverwaltung Oost Gelre am Sonntag mit. Einem Bericht der Lokalzeitung De Gelderlander zufolge leben 79 der Infizierten in Deutschland, 68 in den Niederlanden. Insgesamt wurden der Gemeindeverwaltung zufolge von den 657 Beschäftigten in dem Betrieb der Schlachthof-Gruppe Vion 25 Mitarbeiter noch nicht getestet, darüber hinaus fehlten die Daten von fünf Mitarbeitern. Die deutschen Behörden seien informiert worden.

Bereits am Freitag hatten die Behörden der Provinz Gelderland im Osten des Landes für 600 Mitarbeiter Heim-Quarantäne angeordnet und den Schlachthof geschlossen. Im Schlachthof waren bei 45 Mitarbeitern Corona-Infektionen festgestellt worden. Zuvor waren bereits in anderen Niederlassungen der Vion-Gruppe auch in Deutschland Dutzende von Mitarbeitern infiziert worden. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Schlachthöfe in Deutschland und den Niederlanden mit insgesamt 12 000 Beschäftigten und einem Umsatz von 5,1 Milliarden Euro.

Der Gewerkschaftsverband FNV hatte die Wohnsituation vieler Mitarbeiter für die Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht. Vor allem Arbeitsmigranten würden in Gruppen-Unterkünften eng beieinander wohnen. Die Gemeinde forderte Vion und die Zeitarbeitsfirmen dringend auf, die Unterbringung der Arbeiter menschenwürdig zu gestalten, so dass alle betroffenen Mitarbeiter sicher in Quarantäne bleiben könnten.

Lauterbach fordert Signal gegen Lockerungen in Thüringen

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SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat die Bundesregierung aufgefordert, ein Signal gegen die angekündigten Corona-Lockerungen in Thüringen zu setzen. "Mit der Entscheidung in Thüringen droht ein bundesweiter Wettlauf der Länder, der aus medizinischer Sicht katastrophal wäre", sagte Lauterbach der Rheinischen Post. "Das Corona-Kabinett sollte an diesem Montag unbedingt ein Gegensignal setzen, um das zu verhindern." Am Sonntag hatte Lauterbach in der Saarbrücker Zeitung kritisiert, Thüringen stelle genau die Maßnahmen in Frage, "denen man den gesamten Erfolg im Moment zu verdanken hat".

Auch aus Bayern kommt Kritik. Der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Florian Herrmann, sprach in der Bild-Zeitung, von einem "hochgefährlichen Experiment für alle Menschen in diesem Land". "Für Bayern ist das besonders problematisch, da Thüringen ein Nachbarland ist und dessen Corona-Hotspot Sonneberg direkt an Bayern angrenzt. Wir müssen uns nun überlegen, wie wir als Nachbar damit umgehen", sagte der CSU-Politiker.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte angekündigt, vom 6. Juni an auf allgemeine, landesweit gültige Corona-Schutzvorschriften zu verzichten. Damit würden landesweite Regeln zu Mindestabständen, dem Tragen von Mund-Nasen-Schutz sowie Kontaktbeschränkungen nicht mehr gelten.

Mindestens 107 Infizierte nach Gottesdienst

Die Zahl der Menschen, die sich im Umfeld einer baptistischen Gemeinde in Frankfurt am Main mit dem Coronavirus angesteckt haben, steigt. "Stand jetzt haben sich mindestens 107 Personen mit Wohnsitzen in Frankfurt und drei weiteren hessischen Landkreisen infiziert", teilte der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Sonntagnachmittag mit. Die Gesundheitsämter vor Ort hätten die Kontaktpersonennachverfolgung unmittelbar aufgenommen, das Land stehe mit ihnen in enger Verbindung, erklärte Klose. Gegebenenfalls würden Quarantänemaßnahmen ergriffen, um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Frankfurter Evangeliums-Christen-Baptisten-Gemeinde, Wladimir Pritzkau, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), der Gottesdienst sei am 10. Mai gewesen. Wie viele Menschen daran teilgenommen haben, könne er nicht mehr sagen. Die meisten der infizierten "Geschwister" seien zu Hause, einige wenige Betroffene befänden sich im Krankenhaus. Er könne sich den Corona-Ausbruch nicht erklären, sagte Pritzkau, denn die Hygiene- und Abstandsregeln seien eingehalten worden. Als Konsequenz habe die Gemeinde alle Versammlungen im Bethaus abgesagt.

Der stellvertretende Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, Antoni Walczok, hatte im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von einem "sehr dynamischen Geschehen" gesprochen. Gleichzeitig betonte er, dass die Gemeinde nichts Illegales unternommen habe. Anders als etwa in der Gastronomie sei eine Registrierung der Besucher mit Namen und Adresse keine Pflicht. Nur das Abstandsgebot und die Hygieneregeln müssten eingehalten werden. Es gebe keine Richtlinien zur Teilnehmerzahl. "Es gab keine Verletzung einer Rechtsverordnung", stellte der Vize-Amtsleiter klar.

Religiöse Versammlungen sind in Hessen seit dem 1. Mai unter Auflagen wieder erlaubt. So muss in Kirchen und anderen Gotteshäusern der Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den Menschen eingehalten werden, nötig sind zudem weitere Hygienemaßnahmen wie das Aufstellen von Desinfektionsspendern.

Infizierte nach Restaurantbesuch in Ostfriesland

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen nach einem Restaurantbesuch in Ostfriesland ist auf 18 gestiegen. Im Laufe des Sonntags kamen sieben bestätigte Fälle hinzu, wie der Landkreis Leer am Abend mitteilte. Unter den Infizierten seien 14 Menschen, die am 15. Mai bei der Wiedereröffnung des Restaurants in geschlossener Gesellschaft dabei waren. Vier weitere Menschen hätten sich in der Folge angesteckt. Insgesamt sei für 118 Menschen häusliche Quarantäne angeordnet worden.

Eine Befragung der Gäste, die am 15. Mai im Restaurant waren, habe zudem "Indizien geliefert, dass an dem Abend möglicherweise gegen Corona-Auflagen verstoßen wurde", hieß es vom Landkreis. Diesen Hinweisen werde in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren nachgegangen, einschließlich einer Anhörung des Betreibers. Der Inhaber des betroffenen Restaurants in Moormerland hatte am Samstag gesagt, er wisse nicht, ob sich das Virus am 15. Mai beim Eröffnungsabend seines Lokals verbreitet habe. Es sei auch möglich, dass sich die Menschen vor oder nach dem Abend infiziert hätten.

UNHCR warnt angesichts von Masseninfektionen in Unterkünften

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) hat die deutschen Behörden aufgefordert, mehr gegen Corona-Infektionen in Asylbewerberunterkünften zu unternehmen. "Deutschland hat erfolgreich große Anstrengungen unternommen, um Covid-19 einzudämmen", sagte der deutsche UNHCR-Repräsentant Frank Remus in Berlin. Zugleich zeigten aber Masseninfektionen in Asylunterkünften, "dass mehr getan werden muss, um diejenigen zu schützen, für die Abstands- und Hygieneregeln unter den dort gegebenen Bedingungen kaum praktizierbar sind".

Deshalb habe das Flüchtlingshilfswerk konkrete Vorschläge erarbeitet und stehe mit seiner Expertise zur Unterstützung der Behörden bereit, sagte Remus. Das UNHCR-Papier stütze sich auf eigene Erfahrungen und Umfragen unter Behörden, Flüchtlingen und Flüchtlingshelfern. Die Empfehlungen reichten von Registrierungs- und Dokumentationsmaßnahmen über die Unterbringung bis zu Hinweisen für die Asylverfahren. "Die aktuell sinkenden Infektionszahlen verschaffen Luft, um ergriffene Maßnahmen nachzubessern", sagte Remus weiter. Wichtig sei, dass die Betroffenen eingebunden würden.

Attila Hildmann vorübergehend festgenommen

Attila Hildmann ist in Berlin vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen worden. Ihm würden Verstöße gegen das Versammlungs- und das Infektionsschutzgesetz vorgeworfen, sagte eine Polizeisprecherin. Eine Strafanzeige werde angefertigt. Der für seine veganen Rezepte bekannte Koch, der auf dem Weg zu einer Kundgebung am Kanzleramt war, war zuletzt mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien zur Corona-Krise aufgefallen.

Nach Polizeiangaben hatten sich am Lustgarten in Berlin-Mitte über 100 Menschen um Hildmann versammelt. Es sei der Eindruck entstanden, er wolle mit diesen losgehen - es sei aber nicht gestattet, einen Aufzug durchzuführen. Hildmann sei wieder entlassen worden - und Einsatzkräfte hätten ihn dann zu dem Ort begleitet, an dem er eine Kundgebung abhielt.

Die Berliner Polizei beendete am Samstag mindestens eine Veranstaltung vorzeitig, weil mehr als die maximal 50 erlaubten Teilnehmer an der Demonstration teilnahmen. Von zahlreichen Demonstranten wurden die Personalien aufgenommen. Laut Berliner Bündnis gegen Rechts sind auf den Veranstaltungen gegen die Corona-Verordnungen eindeutig auch rechte Gruppierungen, Parteien und Organisationen vertreten. Insgesamt sprach die Polizei am Nachmittag von einer unübersichtlichen, aber ruhigen Lage.

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