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Neues Virus:Gefahr durch Coronavirus für Deutschland "sehr gering"

Flughafen Frankfurt: Passagiere warten in der Charterhalle

Passagiere warten am Frankfurter Flughafen an Check-In-Schaltern. Fieber-Messungen wegen des Coronavirus wären laut Gesundheitsministerium "unverhältnismäßig".

(Foto: Boris Roessler/dpa)
  • An deutschen Flughäfen gibt es wohl vorerst keine Gesundheitskontrollen wegen des Corona-Virus.
  • Die Gefahr sei für die Bundesrepublik sei "sehr gering".
  • Aus den in China betroffenen Regionen gibt es keine Direktflüge nach Deutschland - anders als etwa nach Paris oder Rom.

Trotz der steigenden Anzahl Infizierter weltweit müssen Reisende an deutschen Flughäfen mit keinen Kontrollen rechnen. Die Gefahr für Deutschland durch das Corona-Virus werde von Fachleuten momentan als "sehr gering" eingeschätzt, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn. "Fieber-Messungen an Flughäfen in Deutschland wären unverhältnismäßig." Einige Flughäfen hätten allerdings geplant, Reisende über die Situation zu informieren. "Das hält die Bundesregierung für angemessen", so der Sprecher. "Trotzdem beobachten wir die Situation in China natürlich aufmerksam und stehen dazu in ständigem Austausch mit unseren internationalen Partnern."

Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt am Main sei "sehr gut vorbereitet" und erfülle die Empfehlungen der hiesigen Gesundheitsbehörden, sagt ein Sprecher. Allerdings sei derzeit weder von der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem Auswärtigen Amt oder dem Robert-Koch-Institut eine Reisebeschränkung ausgesprochen worden. Vor allem gibt es an deutschen Flughäfen, anders als etwa in Paris oder Rom, keine Direktflüge aus den betroffenen Regionen. "Deshalb werden in Frankfurt zur Zeit keine Screenings von Passagieren durchgeführt."

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Für den Fall, dass das zuständige Gesundheitsamt in Frankfurt doch Kontrollen anordnet, würden Experten im Auftrag der Behörden diesen Prozess am Flughafen überwachen. Infektionsbiologen und Fachärzte würden dann sogenannte Screenings bei Passagieren durchführen, dazu zählen in Verdachtsfällen die Temperatur der Person zu messen und sie zu befragen. Ein solches Verfahren habe sich bereits im Umgang mit Ebola oder Sars bewährt.

Fiebermessen bei der Einreise gilt als wenig stichhaltige Maßnahme

Grundsätzlich seien Flugkapitäne und Crews angewiesen, über verdächtige Symptome bei Passagieren an Bord schon vor der Landung zu informieren. Dann könne das Flughafenpersonal sicherstellen, dass die Maschine nach der Landung statt einer Fahrgastbrücke eine Vorfeldposition zugewiesen bekommt, um den üblichen Flughafenbetrieb nicht zu beeinträchtigen. Auf Anfrage weist das Robert-Koch-Institut darauf hin, dass es für die Wirksamkeit sogenannter Entry-Screenings, etwa durch Fiebermessen bei der Einreise, keinerlei wissenschaftliche Belege gibt. Sinnvoll seien "Exit-Screenings an Hotspots", wobei eine Sprecherin keine Angaben zu Flughäfen machen wollte. Dies sei "Sache der Behörden vor Ort". Wichtige Verkehrsknotenpunkte von Asien nach Europa sind zum Beispiel Hongkong oder Singapur.

In seinen Reisehinweisen für China stellt das Auswärtige Amt klar, dass Quelle und Übertragungswege der Infektionen nicht abschließend geklärt seien. Reisende in China sollten sich demnach von offensichtlich kranken Tieren und Menschen fernhalten. Eine offizielle Warnung gibt es allerdings nicht. In den Reisehinweisen heißt es dazu: "Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan wird als moderat eingeschätzt."

© SZ vom 22.01.2020/saul
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